Christian Bale
Im Schatten eines TotenSchauspieler Christian Bale (tsch) Für Christian Bale mag es bitter sein: In "The Dark Knight" (Kinostart: 21.08.) spielt er die Hauptrolle in einem der erfolgreichsten Kinofilme des Jahres. Und dennoch stiehlt ihm ein anderer die Show. Der im Januar verstorbene Heath Ledger steigerte sich intensiv in die Rolle des psychopathischen Jokers hinein. Gegen diese fiebrige Intensität ließ sich schwer anspielen. Bale fand uneigennützig lobende Worte über seinen Kollegen und Filmwiderpart: Ledger sei mit der Rolle regelrecht verschmolzen. Was auch für den Batman-Darsteller gilt. Beide Schauspieler - Ledger und Bale - spornten sich gegenseitig zu Höchstleistungen an. Anzeige Für Ledger und ihn sei es nicht darum gegangen, zwei schrullige Comic-Figuren zu verkörpern, sagt Christian Bale. "Wir haben das sehr ernst genommen, wie in einem echten Drama. Wir haben uns stark mit den Charakteren identifiziert." Nach "Batman Begins" (2005) schlüpfte der 34-jährige Brite in "The Dark Knight" bereits zum zweiten Mal in die Rolle des "dunklen Ritters", der sich aufmacht, das organisierte Verbrechen in Gotham City zu zerschlagen. Dabei verleiht Bale der Comic-Figur eine ungewöhnliche Tiefe. Er stellt einen Menschen dar, der tief in sich zerrissen ist und schwer wiegende persönliche Konflikte auszutragen hat. Einen Menschen, "der aufpassen muss, dass er im Kampf gegen das Monster nicht selbst zum Monster mutiert", wie Bale es formuliert. Die Batman-Figur besitzt schon beinahe schizophrene Züge. Der Lebemann Bruce Wayne hat Schwierigkeiten, seine Identität zu bewahren, weiß bald nicht mehr, wann er eine Maske trägt und wann er der Milliardär Wayne ist. "Bale arbeitet sehr intensiv und unglaublich konzentriert, wenn er sich in die Psychologie seiner jeweiligen Rolle einfühlt", beschreibt Regisseur Christopher Nolan die Herangehensweise seines Hauptdarstellers. Diese Wandlungsfähigkeit ähnele der von Bruce Wayne, dem der ständige Wechsel der Identitäten außer Kontrolle gerät. Ein Thema, das den Schauspieler Christian Bale ganz persönlich betrifft - und das Heath Ledger auf tragische Weise zum Verhängnis wurde. Bale ist dafür bekannt, dass er sich fast bis zur Selbstaufgabe in seine Rollen hineinsteigert. Für den Part in Brad Andersons schockierendem Seelendrama "The Maschinist" (2004) magerte er fast 30 Kilo ab, bestand schließlich nur noch aus Haut und Knochen. Mehr noch: Es gelang ihm nicht, einen psychischen Abstand zu seiner Rolle aufzubauen. "Manche der Charaktere nimmt man mit nach Hause", sagte Bale damals im Interview. Als Bild schwebte ihm Jimi Hendrix vor, der zuweilen so obsessiv Gitarre spielte, dass ihm gar nicht auffiel, wenn seine Hände zu bluten angefangen hatten. Ein Ausgleich zu dieser extremen Grenzüberschreitung mag für den scheuen Briten seine Ehe mit Sibi Blazic sein. Seit 2000 sind die beiden verheiratet und haben eine gemeinsame Tochter. Darüber hinaus hält Bale sein Privatleben unter strengem Verschluss; nicht einmal der Name seiner Tochter ist in der Öffentlichkeit bekannt. In einem Interview verriet Bale, dass seine Frau eigentlich mit "mehreren" Ehemännern zusammenlebe. Während der Dreharbeiten zu "The Machinist" sei er beispielsweise so in sich gekehrt und verschlossen gewesen, dass Sibi die plötzliche Veränderung vom Plappermaul zum Eigenbrötler zunächst richtiggehend genossen habe. Nicht immer gelingt es dem Briten, die Schutzmauer um sich herum aufrecht zu erhalten. Es war kurz vor der Londoner Premierenfeier von "The Dark Knight", als es zu einem Ereignis kam, das bis heute rätselhaft bleibt: Am Nachmittag diesen Tages soll Bale seine 61-jährige Mutter Jenny und seine Schwester Sharon (40) angegriffen, gestoßen und geschubst haben. Beide erstatteten Anzeige. Der Schauspieler wurde daraufhin verhaftet, aber noch am selben Tag gegen Kaution freigelassen. Viel wurde spekuliert: Ging es in dem Streit zwischen den Dreien um Geld? Hatte Sharon Christians Ehefrau Sibi beleidigt? Oder waren dem Briten einfach nur die Nerven durchgegangen? Bale selbst möchte zu den Vorwürfen öffentlich keine Stellung beziehen. Der Sohn eines Piloten und einer Tänzerin musste bereits von klein auf Selbstdisziplin und Selbstbeschränkung lernen. Mit 13 Jahren spielte er in Steven Spielbergs Weltkriegsdrama "Das Reich der Sonne" (1987) und beeindruckte in der Rolle des jungen Jim, der in japanische Kriegsgefangenschaft gerät. Obwohl Christian Bale nicht das Schicksal so vieler Kinderstars teilen musste, die als Erwachsene in der Versenkung verschwanden, geht er heute auf Distanz zu den damaligen Entscheidungen seiner Eltern. Gegenüber der "BZ" bezeichnete er das Filmgeschäft als eine "Erwachsenenwelt, in die ein Junge nicht hineingeworfen werden sollte". Zwar waren die Musicals "Swing Kids" (1993) und "Die Zeitungsjungen" (1992), in denen Bale als Teenager mitwirkte, kommerzielle Misserfolge. Doch mit seinen Rollen in "Betty und ihre Schwestern" (1994) und in "Portrait of a Lady" (1996) war der gebürtige Waliser etabliert. Als psychopathischer Patrick Bateman in "American Psycho" (2000) katapultierte er sich endgültig in die erste Liga der Hollywood-Stars. Derzeit wandelt Christian Bale in den Spuren von Arnold Schwarzenegger: Als John Connor steht er für "Terminator Salvation: The Future Begins" vor der Kamera. Philip Mukherjee |
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