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Jackie Leven - Lovers At The Gun Club

Jackie Leven Lovers At The Gun Club

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Wer den coolsten Track hören möchte, der dieses Jahr herausgekommen ist, der lege nun bitte Jackie Levens neues Album "Lovers At The Gun Club" ein und genieße das Titelstück! Lässiger Blues mischt sich mit Banjo-Fingerpicking, der absinthgetränkten Stimme von Johnny Dowd und modernen Sounds. Schade, dass Jackie Leven dieses Niveau auf dem Rest seines neuen Albums nicht immer durchhält.

Einzig "The Dent In The Fender And The Wheel Of Fate" beschwört noch einmal jene jazzgeküsste, bluesige Lässigkeit, die Cooking-Vinyl-Chef Martin Goldschmidt so an Joe Zawinul erinnert. Andere Lieder hingegen befleißigen sich eher traditionellster Country-Baukasten-Module: "Fareham Confidental" beispielsweise, oder "My Old Home". Diese Lieder zeigen Leven als Kind der 50-er, das er ja auch ist. "Woman In A Car" in seinem Grenzgang zwischen Folk und Velvet Underground weist auf Levens Jugend in den 60-ern hin. Songs wie "Heart In My Soul", ein Track von und mit David Childers, veranschaulichen die Entwicklung in den 70-ern, als Britannien an Selbstbewusstsein als eigenständige Folk-Nation neben den USA gewann.

Bereits 1971 brachte Leven als John St. Field ein Album heraus, das ihn als psychedelischen Undergroundmusiker klassifizierte. Später gründete er die Band Doll By Doll, die ebenfalls für verstörende Lyrik stand und deren fünf Alben äußerst umstritten waren - und inzwischen vergriffen sind (1978 - 1982). Kurz darauf wurde er Opfer eines Überfalls, bei dem er fast erwürgt wurde und der für zwei Jahre seine Stimmbänder zerstörte. Er verlor seinen Plattenvertrag, seine Freunde, und landete beim Heroin. 1985 kehrte Leven nach Entzug und Therapie zurück, gründete den CORE-Trust für Suchtkranke, und bringt seither von seiner Homebase Schottland aus fleißig Alben heraus. Inzwischen klingt Leven wie ein Baumwollplantagenarbeiter aus Louisana, der mit einem Cowboy aus Texas musiziert und dabei mit Hafenarbeitern säuft. Leven selbst findet seine Arbeit "surreal", und tatsächlich wirkt das Album in seiner völligen Inhomogenität wie die händeringende Suche eines Gespaltenen, eines Wanderers. Hier der coole, urbane Blues, da das Stück traditioneller Country, der direkt aus einem der elegischen Roethke-Gedichte über die heimische Blumenfarm entsprungen sein könnte.

Eine weitere Facette von Leven sind wunderschöne Balladen wie das melodische "The Innocent Railway", das Lou Reeds "Walk On The Wild Side"-Zeiten beschwört, oder das glasklare, "I've Passed Away From Human Love". Mit einem akustischen Instrumentarium aus Gitarren, Banjo, Ukulele, Bass, Harmonika, Flügelhorn, Darbuka, Drums, aber auch Synthesizers fügt sich Leven in die derzeit grassierende Retrowelle ein, ohne dass man im Traum darauf kommt, dass hier ein 58-Jähriger am Werk ist. "Lovers At The Gun Club" zeigt sich zerrissener, nicht mehr so humorig wie der Vorgänger "Oh What a Blow ... That Phantom Dealt Me!" mit seinem kultigen "I've Been Everywhere", ist aber trotzdem ein interessantes Album irgendwo zwischen traditionellem Country, Lou Reed, Patti Smith und Richie Heavens.

Kati Hofacker


Datum: 17.08.2008

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