Couscous mit Fisch
(tsch/vm) "Couscous mit Fisch" hat vor allem eins: viel Sinn für das Zwischenmenschliche. Der Film des französischen Regisseurs algerischer Abstammung Abdel Kechiche ist ein sehr herzliches und lebendiges Porträt des schwierigen Lebens arabischer Einwanderer in Frankreich. Der Zusammenhalt einer sehr heterogenen Großfamilie steht im Vordergrund der Geschichte. Trotz diverser Meinungsverschiedenheiten und temperamentvoller Streits hilft in diesem bunten Mikrokosmos jeder jedem. Das geht so weit, dass nun etwas wirklich Großes gewagt wird: der Traum vom eigenen Restaurant. Der vierfache César-Gewinner "Couscous mit Fisch", der auch bei den Filmfestspielen in Venedig ausgezeichnet wurde, überzeugt mit einem sehr authentischen Schauspielerensemble, das zum größten Teil aus Laiendarstellern besteht.
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Dem Couscous als Nationalgericht der nordafrikanischen Heimat kommt eine tragende Rolle zu. Sätze wie "Ich habe nichts gesagt, aus Respekt vor Dir und dem Couscous" passen in diese Welt, in der Essen - vor allem gemeinschaftliches - eine zentrale Rolle spielt und Kulturgut ist. Dennoch bewegt sich das französische Drama "Couscous mit Fisch" weit entfernt von einem Food-Feel-Good-Movie.
Nach Jahren der Schufterei in einer Werft im Hafen wird der über 60-jährige Slimane entlassen. Auch privat läuft nicht alles rund. Der fünffache Vater und inzwischen auch Großvater ist geschieden und lebt allein in einer schäbigen Pension, mit deren Besitzerin Latifa (Hatika Karaoui) er eine (ihr zu) lockere Beziehung führt.
Stoisch übt Slimane im Rahmen seiner Möglichkeiten die Versorgertätigkeit eines Oberhaupts aus und verteilt regelmäßig Fisch, den er selbst geschenkt bekommen hat, an die verschiedenen Mitglieder der Familie. Einzig Rym (Hafsia Herzi), die Tochter der Pensionsbesitzerin, die ihn als ihren Stiefvater sieht und liebt, freut sich über diese Zuwendung. Sie ist auch diejenige, die seinen Plan, mit dem Geld der Abfindung ein Restaurant zu eröffnen, als Erste tatkräftig unterstützt.
Überhaupt ist die Figur des Mädchens Rym die Hauptattraktion in diesem Film. Hafsia Herzi erhielt für ihre Darstellung den französischen Filmpreis für die beste Nachwuchsdarstellerin. Heute kann die 20-Jährige endlich Schauspielunterricht nehmen, vor "Couscous mit Fisch", fehlte dem Mädchen aus einer algerisch-tunesischen Familie dazu das Geld. Ihrem Spiel schadete das nicht, sie nahm 15 Kilo zu, um in einer sinnlichen Bauchtanz-Szene glänzen zu können und eignete sich den, von vielen jungen nordafrikanischen Einwanderkindern extrem schnell gesprochenen Slang "tchatche" an. Das Spannendste an Rym ist jedoch ihr Unternehmergeist, gepaart mit einer großen Klappe, viel Herz und einem arabischen Stolz, der, wenn Pragmatismus gefragt ist, auch überwunden werden kann.
Denn eines ist klar: Slimanes größtes Gut sind die Menschen um ihn herum. Auch wenn gestritten, gelästert und betrogen wird, irgendwie gehören alle zusammen. Die Frauen bleiben zwar in ihren traditionellen Rollen mit eingeschränkter Entwicklungsmöglichkeit, sind aber alles andere als das schwache Geschlecht. Und was wäre Slimanes Restaurant ohne das legendäre Couscous seiner Ex-Frau Soaud (Bouraouia Marzouk)? Am Ende scheint sich sein Traum zu erfüllen - auch wenn etwas anders als erhofft.
Mit diesem Film bewegt sich Regisseur Abdellatif Kechiche als Vertreter des "Cinéma beur", dem Kino der nordafrikanischen Einwanderer in Frankreich, raus aus den Vorstädten und weg vom Stereotyp der randalierenden Problem-Jugendlichen. Er erzählt eine wahrhaftige Geschichte von einem Leben voller harter Arbeit und einer Wirklichkeit, in der manches beschwerlicher ist, als es sein müsste.
Vorbild für die Geschichte voller unterschiedlicher bunter und lauter Figuren war seine eigene Familie. Der Regisseur, der mit seinen ersten beiden Filmen "Voltaire ist schuld" und "L'Esquive" schon viele wichtige Preise gewann, hat algerische Wurzeln und wuchs in Nizza auf. Die Hauptrolle des Slimane hätte eigentlich sein Vater übernehmen sollen, der aber verstarb. An seine Stelle trat ein anderer begabter Laiendarsteller, dessen markantes Gesicht allein schon viel erzählt. "Couscous mit Fisch" wurde bei den letzten Filmfestspielen in Venedig ausgezeichnet und gewann vier Césars.
Diemuth Schmidt
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Credits: V:Arsenal, F 2007, R: Abdel Kechiche, D: Hafsia Herzi, Habib Boufares, Abdelhamid Aktouche u.a.
Laufzeit: 151 Min. Kinostart: 28. August 2008
Wertung 
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| Ein unzufriedener Hafenarbeiter erfüllt sich einen großen Traum und eröffnet ein Couscous-Restaurant. (Arsenal Filmverleih) |
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| Rym (Hafsia Herzi) glänzt mit einer atemberaubenden Bauchtanzeinlage. (Arsenal Filmverleih) |
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| Für Slimane Beiji (Habib Boufares) sind seine Tochter Karima (Faridah Benkhetache, Mitte) und seine Enkeltochter wichtige Bezugspersonen. (Arsenal Filmverleih) |
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