Grace Is Gone
Grace Is Gone(tsch/cg) Wenn in letzter Zeit der Irak-Krieg in US-Filmen thematisiert wurde, stand der menschliche Aspekt im Vordergrund, etwa in Paul Haggis` „Im Tal von Elah“ (2007) oder Kimberly Peirces „Stop-Loss“ (2008). Irgendwie scheint die heroische Perspektive für diesen kontroversen Abschnitt amerikanischer Geschichte nicht angebracht zu sein. Auch das Anti-Kriegsdrama „Grace Is Gone“ setzt sich mit den Kriegsfolgen für den einfachen Menschen auseinander und verschreibt sich dadurch eher dem menschlichen Drama als einem politischen Statement. In der Rolle eines Witwers und Vaters zweier Töchter brilliert John Cusack in diesem ruhigen Mix aus Road-Movie und Familiendrama. Anzeige John Cusack spielt diesen erschreckend normalen Durchschnittsamerikaner mit einer stillen Wucht, aus der sich Enttäuschung und Verzweiflung mit fast schon unangenehmer Intensität speisen. Man ist Teil des überaus grauen Lebens von Stanley Philipps, der selbst gern bei Army wäre, es aber wegen seiner Sehschwäche nicht darf. Nun ist es seine Frau Grace, die dem Land im Irak dient. Stanley verkauft derweil zu Hause Schrauben und Nägel und kümmert sich um seine beiden Töchter Heidi (Shélan O'Keefe) und Dawn (Gracie Bednarczyk). Mehr schlecht als recht, und als er einen "casualties assistance officer" von der Armee zugeteilt bekommt, verliert er sich völlig in einer sprachlosen Hilflosigkeit. Stanley packt die Mädchen ins Auto und fährt mit ihnen kurzerhand quer durch Amerika in den Freizeitpark "Enchanted Gardens". Er bringt es nicht fertig, seine Töchter vom Tod ihrer Mutter zu informieren. Regisseur James C. Strouse tut gut dran, die kleine Familie mit ruhiger Kamera auf dem Weg durch ihr Land einfach zu beobachten. Der Schmerz, die Trauer, die Verzweiflung - der Krieg ist nicht nur ein heldenhafter Kampf an der Front sondern vor allem das, was sich im von John Cusacks trefflich interpretierten Stanley abspielt. Er taumelt alleingelassen durch den Verlust, wird aber trotzdem Patriot bleiben. Daran ändert auch sein Bruder John (Alessandro Nivola) nicht, bei dem Stan und seine Töchter unterwegs Halt machen. Der ist überzeugter Kriegsgegner und repräsentiert in einer hölzernen und überflüssigen Begegnung das liberale Gewissen Amerikas. Diese missglückte politische Botschaft ist das einzige Manko in James C. Strouses authentischem und emotional glaubwürdigem Drama. Als Road-Movie durch ein im Prinzip ganz normales Land angelegt, schafft er auch dank der Kinder immer wieder lakonische Momente, die dem Film die Schwere, nicht aber die Ehrlichkeit nehmen. Der Krieg trifft immer die Menschen. Mit ein wenig Glück haben sie aber noch ihre Familie. Andreas Fischer |
Credits: Laufzeit: 85 Min. Kinostart:28. August 2008 |
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