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Wanted(tsch/mb) Nach seinem ersten berauschenden Erfolg mit den SciFi-Actionfilmen „Wächter der Nacht“ (2004) und „Wächter des Tages“ (2006) erlebt der in Kasachstan geborene russische Regisseur Timur Bekmambetov nun seinen Hollywood-Durchbruch. Das wundert kaum: Schließlich ist die Traumfabrik stets auf der Suche nach neuen Talenten. Stars wie Angelina Jolie und Morgan Freeman standen dem Regisseur für sein neues SciFi-Werk „Wanted“ zur Verfügung. Bekmambetov hat einen Mix aus knallharter Action und Science Fiction kreiert, der durch technische Perfektion zumindest visuell durchaus überzeugt. Die übertrieben stylische Inszenierung des Films sowie seine viel zu präsente Ähnlichkeit mit dem Wachowski-Brüder-Meisterwerk „Matrix“ stechen jedoch als negativ hervor. Anzeige Ursprünglich als Trilogie angelegt, war der Zauber aber plötzlich schon nach zwei Filmen vorbei: Nun soll alles noch einmal in einem Aufwasch in englischer Sprache und mit Geldern und Darstellern aus dem Dunstkreis Hollywoods umgesetzt werden. Seine Geschichte hat sich der kasachische Regisseur mit dem komplizierten Familiennamen aber nicht wegnehmen lassen. Er wird auch bei "Twilight Watch", der kommendes Jahr in die Kinos kommen soll, auf dem Regiestuhl Platz nehmen. Derweil hat er seinen internationalen Marktwert noch steigern können: Mit Angelina Jolie, Morgan Freeman und Jungstar James McAvoy drehte Bekmambetov in der Region rund um Chicago einen Actionthriller, der sich dem Mythos einer Dynastie übermenschlicher Kopfgeldjäger widmet, die sich dem vermeintlich Guten und Gerechten in der Welt verschrieben haben. In "Wanted" muss der schmerzlich durchschnittliche Büroangestellte Wesley (McAvoy) mitansehen, wie sein Blutdruck immer weiter in die Höhe steigt, sich sein Leben aber, angefangen mit seiner Beziehung zur fremdgehenden Freundin, dem Abgrund zuneigt. Eines Tages wird er von einer mysteriösen Amazone (Jolie) mit maskenhafter Mimik darüber aufgeklärt, dass er der Sohn eines der erfolgreichsten und ehrbarsten Kopfgeldjäger seit jeher sei. Er selbst trage auch übernatürliche Fähigkeiten in sich, die er trainieren müsse, um sich abzuheben von der Gewöhnlichkeit und endlich seiner wahren Bestimmung zu folgen. Die Entscheidung für eine Abkehr von seinem bisherigen Leben fällt ihm schon dadurch leichter, dass ein abtrünniger Killer (Thomas Kretschmann) ihn zu verfolgen scheint und nach dem Leben trachtet. Nur ob er sich in den Händen des charismatischen Hitman-Gurus Sloan (Morgan Freeman) wirklich sicher fühlen kann, wird für ihn bald zur existenziellen Frage. "Wanted" ist nach "Batman - The Dark Knight" ein weiteres visuell extrapoliertes Werk aus der rasanten Effekteküche Hollywoods: Es wird gerannt, gefahren, gewirbelt und geschossen, dass dem Zuschauer schnell schwindelig wird ob solcher Rasanz, die sich auch im Inhalt durch den rapiden Verfall jedweder Moralvorstellungen wiederfindet. Der Zuschauer wird provoziert mit der Perspektive einer Gemeinschaft, die es sich zum Ziel gesetzt hat, auf obskure Weise herauszufinden, wer des Sterbens für notwendig erachtet wird. "Wanted" verblüfft und erschreckt zugleich mit einer Gewaltästhetik, die ihresgleichen sucht: Der Tod durch Kopfschuss wird dank modernster Tricktechnik zu einem visuell opulenten Zeitlupenkonzert aus Kugeln, Druckwellen und Blutspritzern. Es besänftigt kaum, dass die ironische Note der Inszenierung deutlich hervorsticht, um damit scheinbar alles rechtfertigen zu können. Der deutsche Hollywood-Export Thomas Kretschmann, der als undurchsichtiger Einzelgänger eine Schlüsselfigur der Handlung ist, meint zwar, die Gewalt-Debatte werde nur in Deutschland geführt, womit er auf die liberale Einstellung des US-Publikums auf die Präsentation von Brutalitäten verweist. Doch was sich in nicht ganz zwei Stunden vor den Augen des Zuschauers abspielt, ist mehr als ein Mittel des Actionkinos. "Wanted" hebt das Gewaltkino auf ein neues Niveau: der zelebrierenden Kultivierung von Hinrichtungen. Die keineswegs nur philosophische Frage, was Recht ist und was nicht, geht unter in einem verführerischen Mix aus Tod und Sex, selbst Angelina Jolie präsentiert ihren tätowierten Körper in lasziver Rückenansicht. Gefährlich ist der provokante Actionthriller zwar nicht zu nennen, doch ist er mit Vorsicht zu genießen. Leif Kramp |
Credits: Laufzeit: 110 Min. Kinostart:04. September 2008 |
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