logo
Anzeige
Sisters - Gender Riots

Sisters Gender Riots

Anzeige

 

Es wird gesucht, investiert und viel Aufhebens gemacht. Da casten Privatsender seit Jahren im Akkord nach einer Mädchen-Übergruppe, die etwas mehr Substanz hergibt, als nach nur einem Jahr wieder in der Versenkung zu verschwinden. Dass es diese Übergruppe längst gibt, wird aber übersehen. Natürlich ist die Bezeichnung Girl-Group unpassend, denn die Sisters sind mehr als Girls, die hübsch sind und trällern können. Sie haben Substanz, weil sie darüber hinaus eine Botschaft (Sisters e.V.) haben, und jede der sieben Künstlerinnen ihre eigene Geschichte zu erzählen hat. "Gender Riots" heißt das Sisters Album und wurde von dem Hamburger Matthias Arfmann in seinem Tonstudio, dem Turtle Bay Country Club zurecht gemacht.

Gemein haben Onejiru, Mamadee, Meli, Nicole Hadfield, Tamika und Noah Sow afrodeutsche Wurzeln und Karierren, die eher neben oder parallel zum Mainstream der deutschen Popkultur stattfanden. So tourte Onejiru bereits in den 90-ern mit Helge Schneider und den Firefuckers und sang für Jan Delay oder Patrice. Meli war Teil von Skillz En Masse und ein Ausnahme-Female-MC der späten 90-er. Mamadee sang für Gentleman, Seeed und Mellow Mark. Nicole Hadfield ist Groove Guerilla Frontfrau, Noah Sow Punkrockerin, und auch Tamika hatte mit Gentleman ein gemeinsamen Song ("Weary No More").

Die Reggae-Affinität ist hier deutlich herauszulesen. Dennoch hatte der Produzent Arfmann die musikalischen Stile und Geschmäcker der Sisters auf einen Nenner zu bringen. Umso erstaunlicher ist, dass sich der Sound bis dato nicht ins Gehör der Öffentlichkeit gebrannt hat. Denn der Produzent, der auch schon für das ein oder andere Soloprojekt der Sisters Pate stand, schuf eine musikalische Bandbreite, die fast die komplette Pallette moderner Populärmusik abdeckt. Da läuft geschmeidiger Roots-Reggae einher mit aggressiveren Electro-Tunes und HipHop-Beats und trifft auf großspurige und divenhafte R'n'B-Anleihen. Hinzu kommt das Thematische, das weit über das Sexy-Mädchen-Gehabe hinausgeht und Agenden wie Ausgrenzung und Geschlechterproblematik anbietet. Was auf dem Reißbrett und auch in der Umsetzung vielversprechend klingt, wird sich hoffentlich beweisen. Denn verdient hätten es die Sisters angesichts ihrer Talente allemal. Obendrein dient das Projekt einem guten Zweck, und das Goethe-Institut schickte die Sisters als Kulturgut auf eine Italien-Tournee. Der Erfolg ist also vorbestimmt, würde man meinen.

Daniel Heim


Datum: 01.09.2008

Facebook aktivieren

Diskussion: "Sisters - Gender Riots"

Um eine Diskussion zu "Sisters - Gender Riots" zu beginnen melden Sie sich bitte im Forum an. Wenn Sie noch nicht registriert sind, können sie sich jetzt registrieren um an den Diskussionen teilzunehmen.
Artikel ID 205330

Weitere Artikel, die Sie interessieren könnten:

    Tocotronic
    (tsch) "Wir werden im Besitz der magischen Formel sein: Fuck. It. All." Tocotronic begleiten die Veröffentlichung ihres neuen Albums "Kapitulation" mit einem Manifest, das mit jenen Worten endet. Das ist ...

    Garbage
    (tsch) Garbage, dieser Vierer aus Madison, Wisconsin, einte die unterschiedlichsten Musikfreunde: Post-Grunger, Rock-Fans, Pop-Twens und MTV-Kids. Mit einer Mischung aus Bubblegum-Pop, Rock'n'Roll und ...

    Rolling Stones - Biggest Bang - DVD
    "This Is Your Front Row Seat And Your Backstage Pass To Their Biggest Bang So Far", heißt es wenig bescheiden im Booklet dieser wohl opulentesten Veröffentlichung im nicht gerade langsam anwachsenden Backkatalog ...

    Absolute Garbage
    Wenn man so will, sind Garbage Rahmabschöpfer des Underground, der größte gemeinsame, also kommerziellste Nenner der vermeintlich alternativen Gemeinde. "Absolute Garbage" zeigt diese Erkenntnis mehr denn ...

    Portugal. The Man Church Mouth
    Als Portugal. The Man vor einem Jahr die Frage geklärt haben, woher der Leopard seine Punkte hat, weckten sie einige Aufmerksamkeit. Ihr Albumtitel "Waiter: You Vultures!" klang ähnlich exzentrisch wie ...

    Gogol Bordello Super Taranta!
    Eine Gypsy-Punk-Band, die Gogol Bordello heißt, aus neun Leuten besteht und ihre CD "Super Taranta!" nennt, muss man eigentlich liebhaben, bevor man den ersten Ton von ihr gehört hat. Vor allem, wenn man ...


 
Anzeige
livedome
Konzert-DVD im Stream
Gentleman
Gentleman am 27.04. ab 20.00 Uhr als » Musikstream

Anzeige
.
Partner von Fantastic Zero


itemid = 74 - id = 5609 - task = view - option = com_content - limitstart= 0