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Weiße Lilien

Weiße Lilien

(tsch/vm) In „Weiße Lilien“ sieht es oft aus, als hätte David Lynch hinter der Kamera gestanden. Der österreichische Regisseur Christian Frosch hat einen experimentellen Film gedreht: Die Geschichte ist mehrdeutig, die Optik schafft eine paranoide kafkaeske Atmosphäre, die sich komplett der Realität entzieht. Das alles ist nicht uninteressant, doch viel zu diffus: Der Plot der düsteren Mischung aus Zukunftsthriller, Gesellschaftskritik und Psycho-Drama verliert sich im Laufe der Zeit immer mehr, um gegen Ende des Films völlig aufgelöst zu werden. Das könnte durchaus spannend sein, im Fall von „Weiße Lilien“ ist es jedoch eher anstrengend.

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So bedrohlich haben Plattenbausiedlungen - gedreht wurde in einer Wiener Anlage - selten gewirkt. Frosch inszeniert das Betondickicht als klaustrophobisches, erdrückend kafkaeskes Labyrinth aus Ängsten und Willkür. In der komplett überwachten Neustadt - so auch der Arbeitstitel des leider unentschlossenen und nicht konsequenten Mixes aus düsterem Zukunftsthriller, Psychodrama und Gesellschaftskritik - wird eine junge Frau zum Spielball einer Verschwörung, die eventuell gar keine ist. "Weiße Lilien" ist ein (Alb-)Traumspiel, ein Film, der sich der Realität entzieht, der gedeutet werden will. Nichts muss hier sein, wie es scheint, alles kann befürchtet werden.

Die junge Frau heißt Hannah (Brigitte Hobmeier), sie leidet unter ihrem Ehemann, der sie schlägt und vergewaltigt. Sie bezieht dank guter Kontakte eine neue Wohnung, die einer Selbstmörderin, und die größer ist, als es ihrem Status entspricht. Aber in Neustadt kann man nicht so einfach verstecken. Ihr Mann findet sie, und auch andere Menschen treten in ihr Leben. Verschwörerisch. Einige scheinen sich gegen ihr selbst gewähltes Regime zu wehren. Andere könnten Terroristen sein. Manche von der inneren Sicherheit (Martin Wuttke).

Hannah wird vom Opfer zur vermeintlichen Terroristin. Kontrolliert, überwacht, verdächtigt, verfolgt. In einer Big-Brother-Atmosphäre aus Angst, Unterdrückung und Willkür inszenierte Frosch souverän, aber mit allzu eindeutigen Anleihen bei David Lynch, George Orwell und Franz Kafka.

Wallende rote Vorhänge, Charakter- und Figurenwechsel (Hannah wird zu Anna und dann von Johanna Wokalek gespielt) offensichtlicher Symbolismus - was dem konfus wirkenden Film fehlt, ist das Eigenständige. Was ihm nicht fehlt, ist eine schwelgerische Optik, sind detailliert durchkomponierte, klare Einstellungen des Kameramanns Busso von Müller. Darin allerdings verirrt sich nicht nur Hannah, sondern auch die Geschichte, die man einfach nicht mehr wiederfindet. Was am Ende bleibt, ist die Erkenntnis, dass Plattenbauten nicht der Weisheit letzter Schluss sind.

Andreas Fischer

Credits:
V:Neue Visionen, A / D 2007, R: Christian Frosch, D: Brigitte Hobmeier, Martin Wuttke, Johanna Wokalek u.a.

Laufzeit: 96 Min.

Kinostart:
11. September 2008


Tolle Bilder, konfuse Geschichte: Christian Froschs "Weiße Lilien" überzeugt nur teilweise.
Tolle Bilder, konfuse Geschichte: Christian Froschs "Weiße Lilien" überzeugt nur teilweise. (Neue Visionen)

Die von der Realität überforderte Hannah wird von Brigitte Hobmeier mit großer Zerbrechlichkeit gespielt.
Die von der Realität überforderte Hannah wird von Brigitte Hobmeier mit großer Zerbrechlichkeit gespielt. (Neue Visionen)

Anna (Johanna Wokalek) ist so, wie Hannah gern wäre.
Anna (Johanna Wokalek) ist so, wie Hannah gern wäre. (Neue Visionen)

Datum: 06.09.2008

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Diskussion: "Weiße Lilien"

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