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Schwarze Katze, weisser Kater

Schwarze Katze, weißer Kater

(tsch) Es gibt Filme, die bleiben für immer. Im Kopf, im Herzen und in der Seele. Emir Kusturica hat die Kunst perfektioniert, solche Filme zu schaffen. Der Leinwand-Punk vom Balkan schafft mit seinen wilden und poetischen Filmen eine cineastische Gegenwelt zu den Bildern, die in den 90er-Jahren bürgerkriegsbedingt vom Balkan durch die Medien gereicht wurden. So ist "Schwarze Katze, weißer Kater" (1998), den ARTE in einer Wiederholung zeigt, vor allem Kusturicas überbordende Liebeserklärung an seine Leute und ihre lebensfrohe Mentalität.

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Eigentlich wollte der "Balkan-Fellini", wie Emir Kusturica vor allem wegen seiner skurrilen Charaktere genannt wird, nach seinem Cannes-Gewinner "Underground" (1995) mit dem Filmen aufhören. Er war von Anschuldigungen, für die Serben politisch Partei zu ergreifen, genervt und enttäuscht. "Aber dann sprudelte es doch wieder aus mir heraus. Es fiel mir eine Szene nach der andern ein", machte der Regisseur einen Rückzieher vom Rückzieher.

Also versammelte er eine verrückte Schar von Figuren am Ufer der Donau, um eine schlitzohrige Moritat von den Irrungen und Wirrungen des Lebens und der Liebe zu erzählen. Da sonnt sich zum Beispiel Matko (Barjram Severdzan) auf seiner schwimmenden Terrasse und träumt in den Tag herein. Ab und an macht er Geschäfte mit den vorbeifahrenden Donauschiffern aus aller Herren Länder. Viele D-Mark-Scheine und profitfähige Waren wechseln dann leidlich legal die Besitzer. Der Staat zählt nicht viel, und Kusturica demonstriert den Verfall der althergebrachten Ordnung im ehemaligen Ostblock mit einem Augenzwinkern: Ein paar Schweine fressen im Laufe des Films die Pappmaché-Karosse eines verlassenen Trabbis ratzeputz auf.

Als sich Matko irgendwann über's Ohr hauen lässt und bis zum Hals in Schulden steckt, bleibt ihm nur noch ein Ausweg: Sein Sohn Zare (Florijan Ajdini) muss Afrodita, die hässliche Tochter des örtlichen Goldkettchen- und Gangster-Königs heiraten. Dem Bub passt das allerdings gar nicht, er hat sich gerade in die freche und nach Sommer duftende Ida (Branka Katic) verliebt.

Auch Afrodita ist von der Idee nicht begeistert. Als dann auch noch der Opa stirbt und mit Eis gekühlt wird, um seinen Tod zu verheimlichen, ist das Chaos perfekt und mündet in ein grandioses, explosives und knallbuntes Finale. Ganz nach dem Motto: Lebenslust statt D-Mark-Frust.

In Kusturicas farbenfroher, warmer und sinnlicher Welt versammeln sich goldbezahnte Gangstergreise, die mit Vorliebe "Casablanca" sehen und dicke bulgarische Frauen, die Nägel mit ihrem Allerwertesten aus festen Brettern ziehen. Die Charaktere sind derart vital, dass man sofort mit ihnen durch den Sommer ziehen möchte, am liebsten zusammen mit der Kapelle, die den Film mit der unnachahmlichen Hingabe ihres Balkan-Punk-Polka-Mix vorantreibt.

Andreas Fischer


Die D-Mark als Hoffnung auf ein besseres Leben: Matko Destanov (Barjram Severdzan, links) erliegt den Verlockungen Clara Schumanns und verliert alles. Sein Sohn Zare (Florijan Ajdini) ist davon nicht sehr begeistert.
Die D-Mark als Hoffnung auf ein besseres Leben: Matko Destanov (Barjram Severdzan, links) erliegt den Verlockungen Clara Schumanns und verliert alles. Sein Sohn Zare (Florijan Ajdini) ist davon nicht sehr begeistert. (ARTE F)

Wenn Emir Kusturica eine Film macht, dann darf eine Kapelle, die ihre Stücke in den unmöglichsten Situationen spielen kann, nicht fehlen.
Wenn Emir Kusturica eine Film macht, dann darf eine Kapelle, die ihre Stücke in den unmöglichsten Situationen spielen kann, nicht fehlen. (ARTE F)

Hochzeit wider Willen: Den Brautleuten Zare (Florijan Ajdini, links) und Afrodita (Salija Ibraimova, zweite von rechts) ist nicht nach Feiern zumute.
Hochzeit wider Willen: Den Brautleuten Zare (Florijan Ajdini, links) und Afrodita (Salija Ibraimova, zweite von rechts) ist nicht nach Feiern zumute. (ARTE F)

Datum: 18.10.2005

Artikel ID 159649

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