(tsch) Was passiert, wenn man einem Effektzauberer 20 Millionen Euro für sein Regiedebüt in die Hand drückt, zeigt der französische Fantasy-Thriller "Vidocq" (2001), den kabel eins nun wiederholt. Pitof, federführend bei "Alien 4" und "Catwoman", inszenierte eine ziemlich abgefahrene und temporeiche Schauermär, bei der nicht selten Stil vor Logik und Inhalt geht.
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Pitof entführt den Zuschauer ins Paris Mitte des 19. Jahrhunderts. Durch die Gassen der Seine-Metropole schallen der Ruf nach Revolution und das Geschrei der Opfer des Alchemisten. Das mysteriöse Phantom mit Sensenmann-Umhang und Spiegelmaske treibt seit geraumer Zeit sein Unwesen und macht weder vor leichten Mädchen noch vor mächtigen Männern halt. Der historisch belegte Superfahnder Vidocq (Gérard Depardieu) - einst selbst Verbrecher, dann Begründer der modernen Kriminalistik - ist dem Psychopathen auf der Spur, fällt ihm aber bereits nach wenigen Minuten selbst zum Opfer.
Fortan obliegt es Vidocqs jungem Biografen Etienne (Guillaume Canet, "The Beach"), den (vermeintlichen) Tod seines Idols aufzuklären und die Spur des Alchemisten weiter zu verfolgen. In Rückblenden erzählt Pitof eine bizarre Geschichte von sexuellen Begierden, kreativen Morden und dem Wunsch nach ewiger Jugend, bis das furiose Finale die gesamte Tragweite des Geschehens offenbart. Einen genialen Twist sollte man dennoch nicht erwarten, denn die Kriminalgeschichte steht bei "Vidocq" im Schatten der effektgeladenen Inszenierung, die nicht von ungefähr an "Pakt der Wölfe" erinnert.
Das Bild ist bei Pitof König - gekrönt von einer High Definition Digital Camera, wie sie später auch George Lucas bei "Star Wars: Episode 2" verwendete. Der Clou der Technik: In derselben Szene sind sowohl der Hinter- als auch der Vordergrund gestochen scharf. Zudem lässt sich jede Einstellung problemlos digital nachbearbeiten, wovon Pitof ausgiebigst Gebrauch machte. Das Ergebnis: ein hübsch anzuschauender Bilderreigen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Bernd Fetsch
Unerklärliche Todesfälle und Geschichten über ein maskiertes Monster sorgen in Paris für Angst und Schrecken. Doch der Superfahnder Vidocq (Gérard Depardieu) ist ihm auf der Spur. (kabel eins / Studio Canal)
Eigentlich wollte Vidocq (Gérard Depardieu, links) den Mord an Ernest Lafitte (Gilles Arbona) verhindern, doch der Alchemist war wieder einmal schneller. (kabel eins / Studio Canal)
Auf der Suche nach Hinweisen zu Vidocqs Tod trifft Etienne Boisset (Guillaume Canet) auf die hübsche Préah (Inés Sastre). Ob sie ihm weiterhelfen kann? (kabel eins / Studio Canal)
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