(tsch) Mondlandschaft Halle-Neustadt: Zwischen leeren Plattenbauten, verfallenen Ruinen und einer bröckelnden Gesellschaft hat Regisseur Heiko Aufdermauer sein Punk-Märchen "Zeit der Fische" (2007) angesiedelt, das nun im Rahmen der Reihe "Debüt im Dritten" beim SWR zu sehen ist. An diesem Ort, dessen Entstehung einmal von großen Utopien begleitet war, ist noch immer kein Wohlstand ausgebrochen. Nur Arbeitslosigkeit und Verfall gibt es im Überfluss. Mittendrin: der 19-jährige Robert, der die wütende Sehnsucht nach einem intensiveren Leben hat und dem allgegenwärtigen Stumpfsinn mithilfe seiner Musik entkommen will.
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Newcomer Janusz Kocaj spielt diesen Robert, der keinen Bock auf die Mohrrübe hat, die man ihm vor die Nase hält, und sich so etwas wie eine Zukunft und ein geregeltes Leben erst vorstellen kann, als er sich in das Mädchen Jana (Kim Schnitzer) verliebt. Einziges Problem: die Abhängigkeit. Sowohl Robert als auch Jana sind gebunden - er an seine Mutter Anna (Steffi Kühnert), die beständig auf der Suche nach neuen Jobs für sich und ihren Sohn ist, sie an ihren Bruder Clemens (Christian Blümel, "Führer Ex"), mit dem sie in einem verlassenen Kindergarten haust. Loslassen ist für beide jedoch schwierig. Es droht die Katastrophe ...
Ursprünglich sollte Timm Völker, ein Punk-Rocker aus Halle, die Rolle des Robert übernehmen, hätte aber gegen die gestandenen Schauspieler nach Meinung von Aufdermauer nicht bestehen können. Also steuerte er "nur" die Musik bei, die dem Film jedoch seine poetische Seele gibt. Hinzu kommt die ruhige Bildsprache, die mit langen Einstellungen und großen Totalen das Leben in Halle-Neustadt, dieser scheinbar anderen Welt mitten in Deutschland, einzufangen versucht. Aber ist Langsamkeit nicht auch ein bisschen Punk in einer Zeit, in der Geschwindigkeit als das herausragendste Merkmal gilt?
Gerd Hilber
Robert (Janusz Kocaj) hat sich in Jana (Kim Schnitzer) verliebt. (SWR / Falk Buchröder)
Nach dem ausgelassenen Tanz will Anna (Steffi Kühnert) ihren Sohn Robert (Janusz Kocaj) überhaupt nicht mehr loslassen. Der fühlt sich sichtlich unwohl. (SWR / Falk Buchröder)
Jana (Kim Schnitzer) findet ihren Bruder Clemens (Christian Blümel), der von irgendwelchen Schlägern übel zugerichtet und mit Farbe übergossen wurde. Jana verspricht, ihn nicht mehr allein zu lassen. (SWR / Falk Buchröder)
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