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Themenabend: Romy Schneider

Themenabend: Romy Schneider

(tsch) "Du wirst alle jungen Mädchen Europas zum Träumen bringen", prophezeite "Sissi"-Regisseur Ernst Marischka einst seiner blutjungen Hauptdarstellerin Romy Schneider, als sie 1955 über Nacht zum gefeierten Filmstar avancierte. Am 23. September 2008 wäre sie 70 Jahre alt geworden. Daten wie dieses animieren Dokumentaristen und Exegeten seit Jahrzehnten dazu, sich ihren Reim auf Romy zu machen. Inzwischen sind sogar zwei Spielfilme über ihr Leben in Vorbereitung. Keine Frage, dass dabei der Mythos der Schauspielerin - sie starb am 29. Mai 1982 an Herzversagen und wurde von ihrem damaligen Lebensgefährten Laurent Petin tot in ihrer Wohnung aufgefunden - mittlerweile ins Unermessliche gewachsen ist.

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Im ARTE-Themenabend "Romy Schneider" (20.40 Uhr) versucht es Frederick Baker nun gar mit einem waghalsigen Parfüm-Vergleich. In seiner Dokumentation "Romy Schneider - eine Frau in drei Noten" (Österreich, 2008, 22.30 Uhr) porträtiert er die Filmlegende in einem (Duft-)Dreiklang aus "Kopf-, Herz- und Basisnote". Zur Einführung gibt's jedoch erst einmal Romys letzten Film: "Die Spaziergängerin von Sans-Souci" - kurz nach dessen Premiere starb die Schauspielerin.

"Ich bin nicht Sissi, ich war es nie", klagte Romy Schneider noch 1981, ein Jahr vor ihrem frühen Tod. Die junge Romy verkörperte mit ihrem Backfischlächeln, den süßen Grübchen und dem unschuldigen Augenaufschlag ein Frauenbild, wie es das deutsche Fernsehpublikum in den 50er-Jahren nur allzu gerne sah. Ob als verkitschtes Abziehbild der österreichischen Kaiserin Elisabeth oder als naives Waisenkind Scampolo an der Seite von Paul Hubschmid - geliebt und verehrt wurde Romy Schneider in Deutschland vor allem als angepasstes Püppchen ohne eigene Ambitionen. Doch die Schauspielerin wollte mehr sein als nur der Darling einer kuschelsüchtigen Nation.

Als sie 1958 Deutschland den Rücken kehrte, um sich in Frankreich als ernst zu nehmende Schauspielerin zu etablieren, ging ein Aufschrei der Empörung durchs Land. Der einstige Liebling wurde zum Hassobjekt, den die Boulevardpresse mit "Kübeln von Dreck" (Oswald Kolle) überschüttete. Noch Jahre später erhielt sie wöchentlich ganze Bündel von anonymen Briefen, in denen man sie als "Landesverräterin" titulierte.

Doch Romy Schneider gelang es, in Frankreich mit jedem Film mehr, das verhasste "Sissi"-Image abzustreifen. Sie drehte mit Regisseuren wie Orson Welles oder Luchino Visconti und übernahm immer extremere Rollen. Ihr eigentlicher Neuentdecker war jedoch der Regisseur Claude Sautet, der sie für "Die Dinge des Lebens" (1970) verpflichtete - der Film wurde für Romy zu einem Riesenerfolg. In Sautets Krimi "Das Mädchen und der Kommissar" (1971) spielte sie eine Prostituierte, in "Nachtblende" (1974) übernahm sie auf grandiose Weise den Part einer vereinsamten Schauspielerin und Pornodarstellerin.

"Sie übte eine Faszination aus, die einem Angst machen konnte", sagte ihr Filmpartner Michel Piccoli über sie. Und Sautet beschrieb sie: "Romy ist eine strahlende und zugleich gequälte Frau; eine Schauspielerin, die schon alles wusste, es aber noch nie hatte ausdrücken können. Romy hat eine unglaubliche Lebendigkeit, die geradezu animalisch ist. Ihr Gesichtsausdruck kann sich abrupt verändern, von männlich-aggressiv in sanft-subtil. Romy ist keine gewöhnliche Schauspielerin, sie steht sehr hoch am Firmament. Sie hat diese Vielschichtigkeit, die nur die ganz großen Stars haben."

"Sie war Österreichs Sissi und Frankreichs Femme fatale", resümiert nun Frederick Baker, der Romy Schneider als "eine Frau in drei Noten" porträtiert. Baker will den Unterschied zwischen Film und Realität, zwischen dem Mythos Romy und der Privatperson, aber auch die Parallelen, zeigen. Die "Kopfnote" bei der Schauspielerin bildeten Karriere und Lebenskampf. Kein Kopfmensch, habe sie alles, was sie sich in den Kopf gesetzt hatte, mit Vehemenz verfolgt, kämpfte gegen Diskriminierung und Zensur, für Freiheit und Moral. Die "Herznote" bezeichne Romys Wandel vom süßen Mädchen zur verruchten Frau, aber auch die vergebliche Suche nach privatem Glück.

Unter der "Basisnote" fasst der Film vor allem biografische Details. Ihr Schauspieltalent wurde Romy von ihrer Mutter Magda Schneider, ihrem Vater Wolf Albach-Retty und ihrer Großmutter, der Burgschauspielerin Rosa Albach-Retty in die Wiege gelegt. Prägend war für sie die Erziehung in einem katholischen Internat. - Mal sehen, was den Romy-Interpreten zum nächsten Geburts- oder Todestag noch Neues an biografischer Parfüm-Poesie einfallen wird.

Hans Czerny


"Die Spaziergängerin von Sanssouci" (1981) zeigt ARTE zu Beginn des Themenabends um 20.40 Uhr. Elsa Wiener (Romy Schneider), die Frau eines Berliner Verlegers, hat in Paris Zuflucht gesucht, als Hitler in Deutschland an die Macht kam. Kein guter Film, aber eine starke Rolle.
"Die Spaziergängerin von Sanssouci" (1981) zeigt ARTE zu Beginn des Themenabends um 20.40 Uhr. Elsa Wiener (Romy Schneider), die Frau eines Berliner Verlegers, hat in Paris Zuflucht gesucht, als Hitler in Deutschland an die Macht kam. Kein guter Film, aber eine starke Rolle. (ARD / Degeto)

In "Romy Schneider - Eine Frau in drei Noten" werden Ausschnitte aus Romy-Schneider-Filmen auf die Ufer der Seine projiziert.
In "Romy Schneider - Eine Frau in drei Noten" werden Ausschnitte aus Romy-Schneider-Filmen auf die Ufer der Seine projiziert. (ARTE / Frederick Baker / Studiocanal / Heike Brunner)

Für den Film "Romy Schneider - Eine Frau in drei Noten" überzog Frederick Baker das Seine-Ufer in paris mit Romy-Schneider-Bildern.
Für den Film "Romy Schneider - Eine Frau in drei Noten" überzog Frederick Baker das Seine-Ufer in paris mit Romy-Schneider-Bildern. (ARTE / Frederick Baker / Studiocanal / Heike Brunner)

Datum: 21.09.2008

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