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Jack Black

Wie man Liebe bekommt ...

Schauspieler Jack Black

(tsch/mb) "Brad Pitt bekommt Rollen, weil er ein schönes Gesicht hat. Ich dagegen muss mit dem überzeugen, was ich hier oben besitze", sagt Jack Black und meint damit sein Gehirn. Doch in Wahrheit spielen das Gesicht und vor allem der Körper des Komikers eine wichtige Rolle für seine erfolgreiche Karriere in Hollywood. Denn Jack Black (schon dieser Name!) funktioniert wie ein durchdachtes Gesamtkonzept. Es passt einfach alles zusammen! Doch in letzter Zeit ist der 39-Jährige zum braven Familienvater zweier Söhne mutiert und treibt sich nicht mehr permanent auf Partys herum, wie sicher manch einer von ihm denkt. Denn durch Filme wie „High Fidelity", "School of Rock" und "Abgedreht" hat sich der sympathische Komiker den Ruf des ewigen Draufgängers erarbeitet. Sein aktueller Film, Ben Stillers trashige Komödie „Tropic Thunder“ (Kinostart: 18.09.), macht da auch keine Ausnahme. Jack Black erzählt im Interview vom Dreh im Dschungel, seiner Rollenwahl und macht deutlich, warum er seinen Erfolg immer noch erstaunlich findet.

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teleschau: "Tropic Thunder" ist auf geradezu groteske Weise eine gewalttätige Actionkomödie ...

Jack Black: ... aber kein Kriegsfilm, sondern ein beißender, doch umso passenderer Kommentar zur Maschinerie Hollywoods: Darin werden Schauspieler gezeigt, die einen Kriegsfilm über Vietnam drehen sollen und wie Primadonnen durch den Dschungel flanieren. Doch plötzlich werden sie mit dem wahren Leben und skrupellosen Entführern konfrontiert.

teleschau: Meinen Sie, Zynismus kann helfen?

Black: Klar, schließlich besteht latent die Gefahr, zu einem Roboter zu werden und auf Autopilot umzuschalten. Ein bisschen Zynismus ist dabei ganz gesund. Ich mag Ben Stillers Ansatz, einen zynischen Humor in einer Form zu kanalisieren, dass ein Gegenpol geschaffen wird zu so vielen anderen eher formelhaften Komödien. "Tropic Thunder" sorgt dafür, dass der Abfluss wieder frei wird: das typische "Rohr frei"-Haushaltsmittel, nur fürs Kino.

teleschau: Das klingt nach Provokation: Wie kämpferisch sind Sie?

Black: Ich bin eigentlich alles andere als eine Kämpferpersönlichkeit und halte auch nichts von Gewalt. Wenn ich Leute sehe, die sich kabbeln, dann wird mir immer ganz schlecht. Wenn man Kinder hat, so wie ich (Black hat zwei kleine Söhne, d. Red.), möchte man sie aber natürlich beschützen und sie für immer und ewig in einem sicheren Kokon bewahren. Da bin ich wie ein Vogel, der seinen Kleinen Würmer ins Nest bringt. Am liebsten würde ich sie in Watte betten.

teleschau: "Tropic Thunder" ist aber nicht gerade ein kindergerechter Film.

Black: Und wie recht Sie damit haben! Aber "King Kong" kann man schon als kinderfreundlich durchgehen lassen. Ich mache mir ohnehin weniger Sorgen darum, dass sie mich irgendwann mal entgeistert fragen könnten, wieso ich nun diesen oder jenen Film gedreht habe. Aber natürlich versuche ich, den Qualitätsstandard zu halten, um ihnen vielleicht, man weiß ja nie, eines Tages eine Jack-Black-DVD-Box zu schenken. Ich möchte jedenfalls nicht, dass sie sich für ihren Vater schämen müssen, sondern stolz sein können, Jack Blacks Kinder zu sein. Ich werde also in Zukunft meine Filme weise wählen.

teleschau: Wo haben Sie als Kind von der großen Karriere als König aller Komiker geträumt?

Black: Ich wuchs in Hermosa Beach in Kalifornien im Dunstkreis des Flughafens von Los Angeles auf. Meine Eltern waren Luftfahrtingenieure, haben aber keinerlei Zwang auf mich ausgeübt, beruflich in ihre Fußstapfen zu treten. Ich musste nie mehr Mathematik pauken, als ich wollte. Ich habe ohnehin bis heute nicht verstanden, was genau sie gemacht haben. Mittlerweile sind sie in Rente. Ich war frei, um zu träumen und meine Wünsche zu verwirklichen. Es mag sich etwas verklärend anhören, meine Eltern haben mich dabei aber immer unterstützt.

teleschau: Ideale Voraussetzungen ...

Black: Ja, vielleicht lag es daran, dass sie in ihrer Freizeit gerne Volkstänze aus dem Mittleren Osten einstudiert haben.

teleschau: Wie reagieren Ihre Eltern auf Ihre Filme?

Black: Mein Vater hat sich jedes der Stücke angesehen, in denen ich als Kind auftrat. Er hat sogar Notizen gemacht, wie ich meine darstellerische Leistung steigern könnte. Er war mein erster Kritiker. Meine Mutter zum Beispiel mag jene meiner Filme am liebsten, die eine weichere Tonart anschlagen wie zum Beispiel "Liebe braucht keine Ferien", wohingegen der Lieblingsfilm meines Vaters immer noch "School of Rock" ist.

teleschau: Wie erklären Sie sich Ihren Erfolg?

Black: Glauben Sie mir, ich bin immer noch überrascht von meinem Stand in Hollywood. Meine Agentin muss die beste von allen sein angesichts der Tatsache, dass sie eine solche Karriere aus diesem Körper und diesem Gesicht gequetscht hat. Sie ist der Picasso der Agenturbranche!

teleschau: Können Sie die Dreharbeiten überhaupt noch genießen?

Black: Ach, wissen Sie, wenn man mit Kollegen aus dem Comedy-Fach dreht, dann herrscht immer eine recht wettkämpferische Atmosphäre. Komiker messen sich von Natur aus sehr gern, will man doch die größten Lacher für sich verbuchen. Aber diesmal hat es richtig Spaß gemacht, weil nicht der ganze Druck des Films auf mir lastete, sondern sich auf das Ensemble verteilte.

teleschau: Wie schwer ist es für einen Regisseur, Sie unter Kontrolle zu behalten?

Black: Ich bin eigentlich ziemlich konzentriert, wenn ich arbeite. Ich bin nicht eines dieser wilden Party-Animals, sondern lebe vielmehr Pünktlichkeit vor, bin ziemlich verantwortungsbewusst und diszipliniert. Noch habe ich keinen legendären Zusammenbruch erlebt.

teleschau: Dabei sollen Ihre blondierten Haare Sie ja in einen Frauenschwarm verwandelt haben.

Black: Ich habe zu Hause Frau und Kinder und keinen Sinn für solch einen Spielkram! Trotzdem verliert man ja nicht automatisch seine Wahrnehmungsfähigkeiten. Ich glaube also, dass ich es schon bemerkt hätte, wenn ich plötzlich eine gesteigerte Anziehungskraft aufs weibliche Geschlecht ausgestrahlt hätte. Dem war aber offenbar nicht so.

teleschau: Sind Sie durch Ihre Kinder erwachsen geworden?

Black: Selbst wenn ich nicht arbeite, wache ich regelmäßig um sechs Uhr morgens auf. Natürlich ist die Zeit der Partys längst vorbei. Mit einem Baby kann man nicht mit einem Kater aufwachen. Das schließt aber nicht aus, dass wir viel Spaß miteinander haben. Mit den Babys ist ständig was los: Wir haben viel zu lachen. Ich nehme sie bei jeder Gelegenheit mit unserer Videokamera auf, nur um das natürliche Wunder ihrer Entwicklung zu dokumentieren.

teleschau: Das klingt nach einer zweiten Karriere als Filmemacher. Was wollen Sie durch Ihre Ausdrucksmittel erreichen?

Black: Ich glaube nicht, dass ich ein sehr tiefschürfender Mensch bin. Aber ich habe meine Momente, in denen ich mir philosophische Fragen stelle. Daher kann ich sagen, dass ich Comedy weniger als Waffe benutzt habe, sondern vielmehr als Mittel, um Liebe zu bekommen. Ich wollte, dass mich die Leute mögen, und wenn man Lacher erzeugen kann, dann haben Leute dich gerne in ihrer Nähe. Das Leben wird zur Party.

teleschau: Wann haben Sie Ihre Unsicherheit im Umgang mit anderen Menschen entdeckt?

Black: Das begann schon, als ich in die Schule kam. Ich beobachte eine ähnliche Entwicklung bei meinem Sohn, ich habe ihn offenbar infiziert. Dabei ist er doch erst zwei Jahre alt! Wenn er jemanden zum Lachen bringt, dann guckt er die Person an, registriert seinen Erfolg und versucht sofort, es zu wiederholen. Das ist ein Naturinstinkt, dem man vollständig verfallen kann. Für mich ist es wie ein Adrenalinrausch, wenn ich Leute fröhlich mache.

teleschau: Gibt es auch ernsthafte Momente in Ihrem Leben?

Black: Am Tag, als George Carlin starb, war ich traurig. Er war ein großer Komiker, der meinen Lieblingssketch über die Zehn Gebote erfunden hatte. Darin zerredete er jedes einzelne Gebot und schloss am Ende damit, dass es doch nur darum ginge, kein Arschloch und cool zu deinen Mitmenschen zu sein.

Leif Kramp


Jack Black musste lange auf seinen Durchbruch in Hollywood warten. "School of Rock" gehört zu seinen größten Erfolgen. Und ist der Lieblingsfilm seines Vaters ...
Jack Black musste lange auf seinen Durchbruch in Hollywood warten. "School of Rock" gehört zu seinen größten Erfolgen. Und ist der Lieblingsfilm seines Vaters ... (Columbia TriStar)

Gerne auch mal peinlich: Jack Black.
Gerne auch mal peinlich: Jack Black. (DreamWorks LLC / Merie Weismiller)

"Tropic Thunder" besitzt ein denkwürdiges Ensemble, von links: Robert Downey Jr., Jay Baruchel, Nick Nolte, Jack Black, Ben Stiller und Brandon T. Jackson.
"Tropic Thunder" besitzt ein denkwürdiges Ensemble, von links: Robert Downey Jr., Jay Baruchel, Nick Nolte, Jack Black, Ben Stiller und Brandon T. Jackson. (DreamWorks LLC / Merie Weismiller)

Datum: 13.09.2008

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