Takva - Gottesfurcht
Takva - Gottesfurcht(tsch/cg) In der Türkei wurde der kleine Film „Takva – Gottesfurcht“ 2007 ein Riesenerfolg. Das ist nicht verwunderlich, behandelt das von Fatih Akin produzierte Drama des türkischen Regisseurs Özer Kiziltan ein sehr aktuelles und provokantes Thema: die Zerrissenheit vieler türkischer Muslime zwischen strengem Glauben und moderner Welt. Mit psychologischem Feingefühl, doch völlig unsentimental und kitschfrei wird das Drama eines kleinen Mannes aus Istanbul geschildert, der an seinem Glauben zugrunde geht. Dass Fatih Akin ("Gegen die Wand") auch als Produzent ein feines Gespür für erstklassige Filme besitzt, bewies er unlängst mit dem Gangsterthriller "Chico" (2008). Ähnlich verhält es sich mit Özer Kiziltans provokantem Glaubensdrama "Takva - Gottesfurcht" (2007), dass im vergangenen Jahr nur in wenigen deutschen Kinos startete und jetzt auf DVD erscheint. Der mit Preisen, unter anderem beim Toronto Filmfest und bei der Berlinale, überhäufte Film schildert am Beispiel von Muharrem das Problem vieler Muslime, die Balance zwischen strenger Moral und modernem Leben zu finden. Der stille, in sich gekehrte Muharrem (Erkan Can) lebt und arbeitet seit Jahren in Süleymaniye, einem der ältesten und konservativsten Istanbuler Stadtteile. Sein gottesfürchtiges Leben steht im Einklang mit den strengen Gesetzen seiner Gemeinschaft. Plötzlich kommt der Vorsteher des Klosters, das Muharrem seit elf Jahren aufsucht, auf die Idee, den zuverlässigen Mann mit einer wichtigen Aufgabe zu betrauen. Muharrem soll das Kloster nach außen hin repräsentieren und die Mieten für die zahlreichen Immobilien eintreiben. Doch je mehr sein Leben mit dem weltlichen Treiben Istanbuls konfrontiert wird, desto mehr bröckelt Muharrems festes Glaubensbekenntnis. Nachts verfolgen ihn Träume voller sexueller und materieller Begierden. Verzweifelt versucht Muharrem, durch tagelange Gebete wieder auf den Pfad der Tugend zurückzukehren. "Takva - Gottesfurcht" beeindruckt mit unpathetischen Einsichten in eine für viele Zuschauer fremde Glaubenswelt. Mit großem psychologischen Feingefühl und ohne erhobenen Zeigefinger schildert Regisseur Özer Kiziltan die Lebenswelt eines einfachen, frommen Mannes, der an seinem strengen Glauben zerbricht. Erkan Can überzeugt als Hauptfigur mit einer subtilen, ungemein facettenreichen Darstellung. In der Türkei traf Kiziltan offenbar den Nerv der Zuschauer, denn "Takva - Gottesfurcht" war vor zwei Jahren ein Riesenerfolg im Kino. Das Bild der DVD wirkt über weite Strecken unscharf und die Farben erscheinen etwas zurückhaltend, wobei es sich hier um ein Stilmittel handelt. Der Kontrast ist in Ordnung, ein störendes Bildrauschen fällt nicht auf. Die Dialoge werden natürlich wiedergegeben, und die Gesangs-Sequenzen in der Moschee glänzen mit stimmigen Hall-Effekten. Das Bonusmaterial überzeugt besonders mit einem spannenden Fatih Akin-Interview, in dem er die Problematik der Glaubensrichtungen im Islam anschaulich erörtert. Legt man die DVD in den PC ein, öffnet sich eine PDF-Datei, die einen informativen Artikel über das türkische Kino enthält. Florian Koch bewertungsbox
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Credits: |
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