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Darjeeling Limited

Darjeeling Limited

(tsch/vm) Von einem Selbstfindungstrip nach Indien verspricht man sich vermutlich, dass man alle Sorgen loswird. Dann ist das für Francis (Owen Wilson), Jack (Jason Schwartzman) und Peter (Adrien Brody) womöglich das Richtige, denn die drei Brüder tragen eine Menge davon mit sich rum. Oder glauben es zumindest. Auf dieser langen Reise durch Indien im Luxus-Zug werden sich die drei sehr verschiedenen Charaktere unweigerlich näher kommen, ob sie wollen oder nicht, denkt Francis, der das Ganze peinlich genau organisiert hat. Durch ihren feinsinnigen Humor, eine Menge ausgefallener kleiner Details, die sympathischen Charaktere und die wunderschönen, bunten Bilder sorgt die subtile, sehr gelungen besetzte Komödie „Darjeeling Limited“ für beste Stimmung, die auch lange nach dem Anschauen nachwirkt.

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Irgendwo in einem staubigen indischen Straßenlabyrinth fängt die Kamera ein Taxi ein, dessen Fahrer wie besessen durch den dichten Verkehr hetzt. Auf dem Rücksitz hockt ein sichtlich nervöser Bill Murray. Sein Ziel ist der Bahnhof, ein Zug, der Darjeeling Limited. Murray wird diesen Zug um Haaresbreite verpassen und der Film danach ohne ihn fortfahren. Dieser Umgang mit seinem Starkomiker in der Eröffnungssequenz zu "Darjeeling Limited" (2007), der nun auf DVD erscheint, ist ungeheuer aussagekräftig für das Standing des Regisseurs Wes Anderson ("Die Royal Tenenbaums", "Die Tiefseetaucher"). Von den einen als kruder Scharlatan abgetan, von den anderen als Erretter des Komödiengenres verehrt, hat sich Anderson einen künstlerischen Freiraum erspielt, in dem er inzwischen machen kann, was er will.

Zum Beispiel den Selbstfindungstrip dreier neurotischer Brüder auf einer Zugreise durch Indien inszenieren. Seit der Beerdigung ihres schwerreichen Vaters - er wurde von einem Taxi überfahren - haben sich Francis (Owen Wilson), Jack (Jason Schwartzman) und Peter (Adrien Brody) Whitman nicht mehr gesehen. Der schnauzbärtige Dandy Jack brachte Monate mit Müßiggang in einem Pariser Luxushotel zu und hört heimlich die Mailbox seiner Ex-Freundin ab. Peter wird in Kürze Vater, obwohl er doch stets eher mit der Scheidung rechnete, und der zur Bevormundung neigende Francis hat gerade einen Selbstmordversuch mit dem Motorrad hinter sich, dessen Spuren in seinem schwer lädierten Gesicht noch deutlich lesbar sind.

Francis war auch derjenige, der die Idee zur Wiedervereinigung der Brüder auf einer "spirituellen Reise" hatte. Unterstützt durch einen kahlköpfigen Assistenten, einen ausgefeilten Reiseplan und eine Laminiermaschine soll man zu sich und vor allem zueinanderfinden. Doch in der Enge der an den "Orient-Express" erinnernden Zugabteils prallen die Egos der verzogenen Geschwister unweigerlich aufeinander, ehe der entnervte Schaffner die traurigen Snobs im Niemandsland vor die Zugtür setzt.

Seit "Die Royal Tenenbaums" (2001) ist Anderson seinem Thema der zerrütteten Familie konsequent treu geblieben. Doch hat sich bei "Darjeeling Limited" die Perspektive von der skurrilen Komik weiter als zuvor zur tödlichen Tragik verschoben. Man könnte Anderson bei all dem berechtigterweise attestieren, dass seine surrealen Visionen mit den stets ähnlich gelagerten Motiven und dem kaum variierten Personal gleichsam träge auf Eisenbahnschienen vor sich hinrollen. Doch glänzt auch "Darjeeling Limited" mit den für Anderson typischen feinsinnigen Zeichnungen absurder Tragikomik, die zwar keine Lacher einbringen, aber lange nachwirken.

Das Bonusmaterial der DVD bietet ein etwas unmotiviert zwischen Making Of und B-Roll schwankendes rund 20-minütiges Featurette sowie den Kurzfilm "Hotel Chevalier" mit Jason Schwartzman und Natalie Portman. Der wurde bereits im Kino vor dem Main-Feature ausgestrahlt und darf vom inhaltlichen Standpunkt durchaus als dem Film zugehörig betrachtet werden. Technisch überzeugt das Cinemascope-Bild der DVD durch gute Schärfewerte und die authentische Wiedergabe der erdigen Farben des Kinobilds. Dagegen lässt die dünne 5.1-Tonspur, die kaum die hinteren Boxen bedient, zu wünschen übrig.

Jens Szameit

bewertungsbox

bildformat 2,40:1 (anamorph)
sprachen Deutsch (5.1), Englisch (5.1), Spanisch (5.1)
untertitel Deutsch, Englisch, Spanisch
extras Featurette; Kurzfilm "Hotel Chevalier"
laufzeit 88 Min.
tonsystem Dolby Digital
regionalcode Regionalcode 2
preis ca. 19 Euro
bewertung bild gut
bewertung ton ausreichend
bewertung extras ausreichend

Credits:
(USA 2007, R: Wes Anderson, D: Owen Wilson, Jason Schwartzman, Adrien Brody u.a.)


Wenngleich nicht der beste Wes-Anderson-Film besticht auch "Darjeeling Limited" durch feinsinnige Beobachtungen absurder Tragik.
Wenngleich nicht der beste Wes-Anderson-Film besticht auch "Darjeeling Limited" durch feinsinnige Beobachtungen absurder Tragik. (Fox)

Die Brüder Jack (Jason Schwartzman, links), Francis (Owen Wilson, Mitte) und Peter (Adrien Brody) befinden sich auf einem Selbstfindungs-Trip durch Indien.
Die Brüder Jack (Jason Schwartzman, links), Francis (Owen Wilson, Mitte) und Peter (Adrien Brody) befinden sich auf einem Selbstfindungs-Trip durch Indien. (Fox)

Traurige Dandys in Indien: Die verzogenen Snobs Jack (Jason Schwartzman, links), Peter (Adrien Brody, Mitte) und Francis (Owen Wilson) suchen nach Erleuchtung.
Traurige Dandys in Indien: Die verzogenen Snobs Jack (Jason Schwartzman, links), Peter (Adrien Brody, Mitte) und Francis (Owen Wilson) suchen nach Erleuchtung. (Fox)

Datum: 29.09.2008

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Diskussion: "Darjeeling Limited"

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