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Juliette Binoche

Geheimnisvolle Schönheit

Schauspielerin Juliette Binoche

(tsch/cg) Sie wird von den Franzosen liebevoll "La Binoche" genannt: Denn sie besitzt jene seltene Aura der großen Diven der 50er und 60er Jahre. Man weiß zwar vieles über sie und doch macht sie aus ihrem Privatleben ein Geheimnis. Vor der Kamera spielt sie mit einer großen Intensität und ist doch irgendwie unscheinbar. Während Interviews ist sie nett und aufgeschlossen und doch unnahbar und rätselhaft… Juliette Binoche ist jedoch mit Sicherheit eins: eine der berühmtesten französischen Schauspielerinnen, die bereits die letzten zwei Jahrzehnte nicht nur das französische Kino prägte. Eine Oscarnominierung und ein Oscar sind der Beweis dafür. Im Drama „Trennung“ (Kinostart: 25.09.) des israelischen Regisseurs Amos Gitai spielt Binoche nun Ana, eine Frau, die sich auf die Suche nach ihrer irgendwo im Gaza-Streifen adoptierten Tochter begibt, ohne zu ahnen, dass daraus eine Selbstfindungsreise wird.

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Sie lümmelt sich auf der Couch wie eine verspielte Katze, die Träger ihres schwarzen Kleids sind über die Schulter gerutscht und die Ärmel ihrer Strickjacke hat sie über die Hände gezogen, wie es Kinder oder Jugendliche zu tun pflegen. Mal lacht sie laut, springt hektisch auf, tänzelt beinahe durch die Wohnung und ist dann wieder ganz ruhig und in sich gekehrt. Es ist eine kurze Szene, wenige Minuten nur, und dennoch verrät sie viel über den Charakter der Ana, den Juliette Binoche diesmal verkörpert.

"Ich denke, dass Männer sich von Juliettes Offenheit bedroht fühlen können", beschreibt Amos Gitai ("Free Zone") seine Hauptdarstellerin und zieht sogleich eine Parallele zur Filmfigur Ana, von der ebenfalls eine solche Bedrohung ausgehe - "von ihrer Nacktheit, ihrer Verspieltheit, ihrem großen Abstand zu den 'guten gesellschaftlichen Konventionen' oder zu dem, was man guten Geschmack nennt." Ana ist aber auch eine zutiefst verunsicherte Figur, deren Koketterie, Provokationen und Verführungskünste ein Schutzmechanismus vor der bürgerlichen Gesellschaft sind, gegen die sie aufbegehrt.

Schon während sie das Drehbuch schrieben, hatten der israelische Regisseur Gitai und sein Co-Autor Marie-Jose Sanselme "die ganze Zeit Juliette Binoche vor Augen". Die Schauspielerin gehe in ihrer Arbeit sehr methodisch vor, schwärmt Gitai. "Sie ist sehr hartnäckig und anspruchsvoll, wenn es um Fragen der Charakterisierung und Kontinuität geht."

In der Tat ist Juliette Binoche dafür bekannt, dass sie keine Diskussionen scheut und dabei - wenn nötig - auf Konfrontationskurs geht, zum Beispiel während der Dreharbeiten zum Widerstandsdrama "Lucie Aubrac". Regisseur Claude Berri und seine Hauptdarstellerin hatten so unterschiedliche Vorstellungen von der Titelfigur, dass eine Zusammenarbeit nicht mehr möglich schien. Berri ersetzte die 44-Jährige kurzerhand durch Carole Bouquet. Für "La Binoche", wie die Schauspielerin liebevoll von den Franzosen genannt wird, war das kein Nachteil. Noch im selben Jahr, 1996, schlüpfte sie in die Rolle der Krankenschwester Hana in Anthony Minghellas "Der englische Patient" - ein Part, für den sie eine Oscarnominierung erhielt.

Wenn sie von "präziser und konzentrierter" Vorbereitung spricht, meint sie nicht nur Recherchen und Vorabgespräche, zum Beispiel mit einigen Krankenschwestern beim "Englischen Patienten", sondern auch die Bereitschaft, zumindest zeitweise wie ihre Figuren zu leben. Das ging so weit, dass sie vor dem Drehstart von "Die Liebenden von Pont-Neuf" (1991) wie ein Obdachloser auf der Straße nächtigte - "Method Acting" nennt sich das.

Juliette Binoche, Tochter eines Bildhauers und einer Lehrerin, musste sich von Kindheit an durchschlagen, wuchs bei ihrer Mutter in beengten Pariser Verhältnissen auf. Bereits mit 21 Jahren stand sie für Jean-Luc Godard in der Jesus-Verfilmung "Hail Mary" (1985) vor der Kamera. Der große Durchbruch kam aber erst mit der Rolle der Tereza in der hoch gelobten Milan-Kundera-Verfilmung "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins" (1987).

Noch immer, fast 20 Jahre, eine Oscarnominierung und einen Oscar (2000 für "Chocolat") später, hängt der 44-Jährigen die Rolle der Tereza nach. Der "Stern" diagnostizierte gar, dass sie bis heute, jedes Mal aufs Neue, den gleichen Typus darstelle, die "hocherotische Problemfrau", die "tapfer am maßlosen Lebens- und Frauenhunger ihres Geliebten leidet". Ein ungerechtes Urteil! Welten trennen die naiv-hingebungsvolle Tereza von der kindlich-verführerischen Ana. Beide Frauen haben ebenso wenig miteinander gemein, wie die kühle Anne in Michael Hanekes "Caché" (2004) und die aufgetakelte Kosmetikerin Rose in Danièle Thomsons "Jetlag" (2002).

Klar: Viele Fakten und biografische Daten sind über Juliette Binoche bekannt. Dennoch bleibt diese Frau unnahbar, geheimnisvoll, rätselhaft. Ende der 80er-Jahre lebte sie mit Regisseur Léos Carax zusammen, für den sie auch in "Die Liebenden von Pont Neuf" vor der Kamera stand. Mit dem Tauchlehrer André Hallé, den sie beim Dreh zu "Drei Farben: Blau" (1993) kennenlernte, hat sie einen 14-jährigen Sohn. Im Jahr 2003 trennte sie sich von Schauspielkollege Benoît Magimel ("Die Klavierspielerin"), der vier Jahre lang ihr Partner war und ihr eine gemeinsame Tochter schenkte. Mittlerweile ist die bekennende Esoterik-Liebhaberin und Hobby-Malerin wieder liiert, mit dem 46-jährigen argentinischen Autor und Schauspieler Santiago Amigorena. Doch darüber hinaus hält die Frau, die einst Johnny Depp küssen durfte (nämlich in "Chocolat"), ihr Privatleben unter strengem Verschluss.

Dagegen pflegt sie nach außen das Image der weltoffenen Dame, die "von Natur aus ein angeborenes Mitgefühl" besitzt, ihrer Intuition folgt, und Filme macht, bei denen es ums "menschliche Herz" gehe. In einem Interview sagte Juliette Binoche: "Nicht was du tust ist wichtig, sondern wie du es tust. Ob ich koche, male, schauspielere oder ein Zimmer aufräume, ist unwichtig. Es geht nur darum, in der Gegenwart zu sein."

Philip Mukherjee


Juliette Binoche spielt in dem Drama "Trennung" die kindlich-verspielte Ana, die gegen gesellschaftliche Konventionen angeht.
Juliette Binoche spielt in dem Drama "Trennung" die kindlich-verspielte Ana, die gegen gesellschaftliche Konventionen angeht. (Pandora Film / Ziv Koren)

In dem Drama "Trennung" spielt Juliette Binoche die orientierungslose Ana, Tochter eines französischen Vaters und einer israelischen Mutter - eine Frau zwischen zwei Polen.
In dem Drama "Trennung" spielt Juliette Binoche die orientierungslose Ana, Tochter eines französischen Vaters und einer israelischen Mutter - eine Frau zwischen zwei Polen. (Pandora Film / Ziv Koren)

Ana (Juliette Binoche) und ihre Tochter (Dana Ivgy) nähern sich langsam an.
Ana (Juliette Binoche) und ihre Tochter (Dana Ivgy) nähern sich langsam an. (Pandora Film / Ziv Koren)

Datum: 22.09.2008

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