(tsch) Regie-Legende Wim Wenders wurde im August 63 Jahre alt und machte, wie er auf seiner Homepage berichtet, auf seiner Weltreise kurz in L.A. Halt, um dort zu feiern. Sein jüngster Film "Palermo Shooting" mit Campino, dem Leadsänger der Band Die Toten Hosen, in der Hauptrolle feierte bei den diesjährigen Filmfestspielen in Cannes Premiere. Er soll am 20. November in die deutschen Kinos kommen. Zuvor zeigt 3sat "Don't Come Knocking", der 2005 für die Goldene Palme nominiert war. Mit ihm brachte Wenders, sonst eher aufs ernste Fach geeicht, eine neue heitere Gelassenheit in sein Schaffen und gewann einer eigentlich tragischen Reise ins Ich überraschend komische Seiten ab. Sam Shepard, der auch das Drehbuch lieferte, spielt einen abgehalfterten Westernstar, und seine Ehefrau Jessica Lange brilliert als verlassene Jugendliebe.
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"Don't Come Knocking" - bitte nicht stören: Die Batterien des ehemals gefeierten Western-Darstellers Howard Spence (Sam Shepard) sind leer. Er will nicht mehr, und so schnappt er sich am Set einer drittklassigen Filmproduktion ein Pferd und reitet wie im Schlussbild eines seiner Filme aus seinem lächerlichen Leben davon.
Im Gegensatz zu "Paris, Texas", der ersten Zusammenarbeit von Wenders und Shepard vor 20 Jahren, spielt die Landschaft keine Rolle. Die in zu vielen Streifen abgefilmte, inzwischen seelenlose Prärie-Kulisse bedeutet Howard nichts. Er verschenkt Pferd und Cowboystiefel und macht sich erst mit einem Mietauto und dann mit dem Bus auf zu seiner Mutter (Eva Marie Saint), die er seit sehr vielen Jahren nicht mehr gesehen hat. Auf den Fersen ist ihm der penetrante Sutter, der Howard zum Drehort zurückbringen soll. Er wird gespielt von Tim Roth, der zuletzt als Bösewicht in "Der unglaubliche Hulk" im Kino zu sehen war.
Ein Album mit Fotos und Artikeln von und über ihn vor Augen, sinniert Howard Spence über sein Leben als Star mit tollen Gagen und Ruhm, aber auch über Frauengeschichten und Drogen und das, was er verpasst hat: Liebe, Familie, Kinder. Vor dem endgültigen Absturz nach einer durchzechten Nacht im Kasino erfährt Howard, dass es womöglich ein Kind von ihm gibt. Eine Ahnung treibt ihn nach Butte in Montana.
Dort trifft er im Coffeeshop auf seine große Liebe Doreen, gespielt von Sam Shepards Frau Jessica Lange. Sie hat mit Earl (Gabriel Mann) tatsächlich einen Sohn im passenden Alter. Und dann taucht da noch das geheimnisvolle Mädchen Sky (Sarah Polley) mit einer blauen Urne im Arm in Butte auf.
Überhaupt sind es die Frauen, die in "Don't Come Knocking" pragmatisch das Leben und die Geschichte vorantreiben und die Männer mit ihren schlechten Gewohnheiten lächerlich aussehen lassen. Und schließlich erweisen sich der selbst ernannte "Männerregisseur" und Bildkünstler Wim Wenders und der Wortkünstler Sam Shepard auch als milde und geben Howard noch eine Chance.
Jasmin Herzog
Howard (Sam Shepard) erfährt, dass er einen 30-jährigen Sohn hat. (ARTE F)
Doreen (Jessica Lange) kann kaum glauben, dass ihre Jugendliebe Howard (Sam Shepard) plötzlich wieder auftaucht. (ARTE F)
Earl (Gabriel Mann, mit Fairuza Balk) hat aus Wut darüber, dass sein Vater plötzlich aufgetaucht ist, seinen Hausrat auf die Straße geworfen. (ARTE F)
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