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Die Unbestechlichen

Film ab, Mr. President!

(tsch) Intrigen, Morde und Skandale auf der einen Seite, idealistische Mystifizierung auf der anderen - das zeichnet das Umfeld amerikanischer Präsidenten aus. Kein Wunder, dass das immer wieder Stoff für Hollywood-Filme war - Actionfilme, Thriller, aber auch Komödien. Vom Bösewicht und Psychopathen eines Gene Hackman ("Absolute Power") bis zur Galionsfigur des adretten Bill Pullman in "Independence Day" reicht die Palette. - Im Vorfeld der Wahlen vom 04. November sendet nun ARTE in Erstausstrahlung eine Dokumentation (Regie: Emilio Pacull, Frankreich 2008) über "Amerikas Präsidenten im Spiegel Hollywoods", die noch einmal den Wandel amerikanischer Präsidenten als Helden und Opfer zeigt (22.50 Uhr). Wo die Wirklichkeit dumpf und schnöde ist, so eines der Ergebnisse, springt das Kino in die Bresche. Im Themenabend "Film ab, Mr. President!" gibt's zuvor einen der anspruchvollsten Filme rund ums Weiße Haus: "Die Unbestechlichen" (1976) von Alan J. Pakula (20.45 Uhr).

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Beim Prädikat "Deep Throat" handelt es sich im Film "Die Unbestechlichen" keineswegs um eine Praktikantin namens Lewinsky, die im Weißen Haus dem Präsidenten Bill Clinton regelmäßig oral zu Diensten war, sondern um jenen geheimnisvollen Informanten, der bei der Aufklärung des legendären Watergate-Skandals half. Bis vor Kurzem blieb der Anonyme unbekannt.

Nicht zuletzt "Deep Throat", nach einem berühmten Pornofilm benannt, ist es zu verdanken, dass es 1974 Carl Bernstein und Bob Woodward, beides Reporter der "Washington Post", nach minutiöser Kleinarbeit gelang, jenen Einbruch im US-Wahlkampf des Jahres 1972 aufzuklären, bei dem im Hauptquartier der Demokratischen Partei (Watergate-Gebäude) Abhörgeräte installiert und Dokumente abgelichtet wurden. Die Polizei hatte fünf Männer überrascht, die sich als harmlose Klempner ausgaben. Doch die Reporter rochen Lunte.

Nach dem Buch von Bernstein und Woodward drehte Alan J. Pakula 1976 seinen spannenden, allerdings dialogreichen Politthriller "Die Unbestechlichen" ("All the President's Men"). Zwei Jahre nach Richard Nixons Wiederwahl gelingt es Bernstein (Dustin Hoffman) und Woodward (Robert Redford), den Watergate-Skandal hieb- und stichfest aufzudecken und damit Nixon zu stürzen. Pekula zeichnet die Recherchen penibel nach und verzichtet dabei auf gewöhnliche Actionmuster. Einen Oscar gab es allerdings weder für die grandiosen Hauptdarsteller noch für die Regie. Immerhin konnten William Goldman (bestes Drehbuch nach einer literarischen Vorlage), Jason Roberts jr. (bester Nebendarsteller) sowie Aussstattung und Ton Oscars sammeln.

Kaum verwunderlich, dass es bei der Macht des US-Präsidentenamts immer wieder Drehbuchautoren und Regisseure gab, die sich von diesem immer wieder angezogen fühlten. In mehr als 60 Spielfilmen alleine während der vergangenen eineinhalb Jahrzehnte wurde der Präsident mal als korrupter Machtmensch, mal als Trottel, aber auch als Retter des Planeten oder als schlichter Liebhaber dargestellt.

Hinzu kamen teils hochkarätige Serien, wie "The West Wing" (Emmy-Preisträger der Jahre 2000 bis 2003), die Echtzeit-Story "24" (Golden Globe und Emmy) und - weniger erfolgreich beim Publikum - die ABC-Serie "Commander in Chief", in der es ab 2005 um die erste US-Präsidentin überhaupt ging.

Emilio Paculls Dokumentation "Mr. President - Amerikas Präsidenten im Spiegel Hollywoods" (22.50 Uhr) zeigt Ausschnitte aus zahlreichen Filmen und Serien. Sie geht dabei der Frage nach, wie sich Fiktion und Realität zueinander verhalten. Haben Serien wie "24" - mit einem farbigen Präsidenten - womöglich sogar seherische Qualitäten? Der Ausgang dieser Frage ist zumindest nach den letzten US-Umfragen immer noch offen.

Wilfried Geldner


Der Journalist Carl Bernstein (Dustin Hoffman) deckte während des amerikanischen Vorwahlkampfes 1972 mit seinem Kollegen Bob Woodward auf, dass die Republikanische Partei das Wahlkampfbüro der Demokraten abhörte.
Der Journalist Carl Bernstein (Dustin Hoffman) deckte während des amerikanischen Vorwahlkampfes 1972 mit seinem Kollegen Bob Woodward auf, dass die Republikanische Partei das Wahlkampfbüro der Demokraten abhörte. (ARTE F / Warner Bros)

In "Die Unbestechlichen" deckt der Journalist Bob Woodward (Robert Redford) ein Regierungskomplott in höchsten Kreisen auf.
In "Die Unbestechlichen" deckt der Journalist Bob Woodward (Robert Redford) ein Regierungskomplott in höchsten Kreisen auf. (ARTE F / Warner Bros)

Bob Woodward (Robert Redford, vorne) verfolgt in "Die Unbestechlichen" mit Hilfe seines Chefredakteurs Harry M. Rosenfeld (Jack Warden) hartnäckig eine vage Spur, an deren Ende der Rücktritt des US-Präsidenten Richard Nixon steht.
Bob Woodward (Robert Redford, vorne) verfolgt in "Die Unbestechlichen" mit Hilfe seines Chefredakteurs Harry M. Rosenfeld (Jack Warden) hartnäckig eine vage Spur, an deren Ende der Rücktritt des US-Präsidenten Richard Nixon steht. (ARTE F / Warner Bros)

Datum: 12.10.2008

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Artikel ID 206450

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