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John Travolta
Samba über den WolkenSchauspieler John Travolta (tsch) Für John Travolta scheint das Adjektiv "cool" erfunden worden zu sein. Schon die Zigarette, die er lässig zwischen Zeige- und Mittelfinger klemmt, degradiert andere Männer auf der Leinwand zu Milchbubis. Für seinen neuen Film "Love Song für Bobby Long" schlüpfte er dann aber in die Rolle eines völlig abgehalfterten Titelhelden. Der kämpft in einem verschlafenen Südstaatenkaff gar nicht mehr cool gegen den Alkoholismus und einen Schatten seiner Vergangenheit. Ein solcher steht nämlich eines Tages in Gestalt der aufmüpfigen Pursy (Scarlett Johansson) auf Bobbys Veranda, die Tochter seiner verstorbenen, großen Liebe. Doch in dem Maße wie Pursy Bobbys Lebensgeister wieder erweckt, verweigert umgekehrt sein malträtierter Körper den Dienst. Zum Interview erscheint Travolta aber fast gertenschlank und sprühend vor Dynamik und spricht über Klischees, Altersbeschwerden und Musik. Anzeige
teleschau: Ihre Filmfigur Bobby Long ist Mitte 60 und hat mit seinem Leben schon abgeschlossen. Wollen Sie mit diesem Part Ihrem Rollenstereotyp entfliehen? John Travolta: Ich habe es schon vor 20 Jahren aufgegeben, mir über Klischees oder Stereotypen Gedanken zu machen. Dieses Projekt bot mir einfach eine gute schauspielerische Gelegenheit. Es war ein kleiner Film mit niedrigem Budget, aber einem sehr guten Drehbuch. Mich erinnerte das Skript an die Literatur mit der ich aufgewachsen bin, wie zum Beispiel von Tennessee Williams. teleschau: Und die Tatsache, dass Sie mit einem Regiedebütanten drehen, hat Sie nicht abgeschreckt? Travolta: Auch "Pulp Fiction" war erst Quentin Tarantinos zweiter Film. Insgesamt habe ich bei fünf Erstlingswerken mitgemacht. Aber es ist ganz gleich, wie oft jemand schon inszeniert hat, wenn ich als Darsteller seiner Vision traue. Und Shaynee Gabels Vision vertraute ich völlig. teleschau: "Love Song for Bobby Long" ist auch eine Parabel über den Verfall. Bobby schleppt sich in einer Szene nur mühsam über die Tanzfläche. Wie oft schwingen Sie denn noch das Tanzbein? Travolta: Ziemlich oft. Meine Lieblingsmusik ist Samba, egal ob nur zum Zuhören oder zum Selbertanzen. teleschau: Dann nagt der Zahn der Zeit an Ihnen nicht so sehr wie an Bobby? Travolta: Ich bitte Sie! Ich bin 51 Jahre alt, da verliert man doch nicht plötzlich sämtliche physischen Fähigkeiten. Bobby ist Alkoholiker und krank. Ich bin ziemlich gesund und hoffe doch stark, dass mein Körper noch weitere 25 Jahre fit bleibt - und ich Samba tanze! teleschau: Wenn Sie nicht tanzen, dann verbringen Sie Ihre Zeit am liebsten mit… Travolta: Fliegen. Es ist einfach das beste Mittel, eine objektive Einstellung zur Welt zu bekommen. Dort oben rücken sich die Dinge von allein zurecht, sie bekommen sozusagen ihre natürlichen Proportionen zurück. Außerdem ist die Schönheit des Himmels und der Wolken, die einem entgegen fliegen, unglaublich. teleschau: Sie haben in Ihrer Karriere extreme Höhen und Tiefen erlebt. Inwiefern hat Sie das geprägt Travolta: Ich bin ein ewiger Optimist. Dabei habe ich viele Gründe gehabt, zum Zyniker zu werden. Aber man darf sich eben nicht unterkriegen lassen. Ich konnte nur früher nicht gut einschätzen, welchen Menschen ich trauen konnte und welchen besser nicht. Wenn jemand nett war und die richtigen Sachen zu mir gesagt hat, dann habe ich ihm geglaubt. Das habe ich oftmals zu schnell getan und musste dafür im Laufe der Jahre Verletzungen einstecken. teleschau: Und welche Lehren haben Sie aus diesen Erfahrungen gezogen? Travolta: Wenn man nicht verletzt werden will, muss man höllisch aufpassen. Menschen kennt man erst nach ein bis zwei Jahren wirklich. Deshalb lautete die Lehre: Wähle Deine Freunde sorgfältig! Kerstin Borner |
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