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Krabat
Krabat(tsch/cg) Wieso gelingen gerade die mit hohen Erwartungen befrachteten Filme so selten in Deutschland? In Tom Tykwers „Das Parfüm“ können die eindimensionalen Figuren den Roman kaum jemals zum Leben erwecken, Oskar Roehlers „Elementarteilchen“ nimmt der Buchvorlage jede gesellschaftspolitische Schärfe und jetzt lässt „Krabat“ all das vermissen, was den Stoff so populär machte: Phantasie, Tempo und spannende Figuren. Einzig Daniel Brühl wird seinem Filmcharakter gerecht, das restliche Ensemble ist blass bis schwach. Zu sehen sind verkleidete Akteure, die sich mit einem umständlichen Drehbuch abkämpfen und den beliebten Roman von Otfried Preußler schließlich implodieren lassen. Anzeige
Eigentlich macht Kreuzpaintner vieles richtig: Für die Hauptrolle besetzte er David Kross, von Detlev Buck für die Milieustudie "Knallhart" entdeckt und demnächst auch als "Der Vorleser" im Kino. Der 14-jährige Vagabund Krabat mit dem milchigen, aber immer wieder auch ausdrucksstarken Gesicht landet in der Mühle des Meisters (Christian Redl). Die Arbeit ist hart, aber er findet auch Kameradschaft, vor allem durch einen älteren Gesellen, der ihm Rückhalt gibt. Eben jener Tonda (sehr souverän: Daniel Brühl) will ihn warnen vor dem Charakter des Müllers und dem Geheimnis seiner Mühle. Das lernt der Neue schon bald kennen. Sie alle, die dort leben, sind Zauberlehrlinge. Das Verbot, ein Mädchen zu haben, ist dabei nur eine von vielen Einschränkungen, die die zwölf Gesellen akzeptieren müssen. Schlimmer noch: Sie befinden sich in einem furchtbaren Teufelskreis und müssen immer wieder einen aus ihrer Mitte opfern. Leider gehen viele der Charaktere unter und bleiben Statisten ohne Geschichte. Die Erzählerstimme klärt diejenigen auf, die das Buch nicht kennen, nimmt die Zuschauer an die Hand, und das funktioniert wenigstens in den ersten Minuten. Doch dann macht sich schnell und zusehends Ernüchterung breit. Daran sind die Darsteller nicht unschuldig. Der Meister zum Beispiel: Wie angesaugt klebt die schwarze Augenklappe über seinem rechtem Auge. Diabolisch blickt er mit dem anderen die Lehrlinge an und wirkt doch nur wie ein verkleideter Schauspieler, der seinen Text aufsagt. Nicht anders die große Schar der Jungschauspieler, die genug Talent hat, dieses sinistere Fantasy-Drama zu tragen. Ganz bemüht sprechen alle langsam und bedacht, wie auch die Kamera langsam und bedächtig durch die Landschaft gleitet, die Mühle umkreist, hängen bleibt an den Kraftproben, die dem Neuling bevorstehen. Neben dem beinahe altersweisen Brühl spielen Robert Stadlober, Hanno Koffler, Anna Thalbach und Paula Kalenberg. Sie verbrachten viel Zeit miteinander bei den Dreharbeiten in Transylvanien, in einer rauen Umgebung, bei überaus schlechten Wetterbedingungen. Man spürt ihn allerdings nicht, den Zusammenhalt. Viele der Szenen, und das mag ein erster Grund für die Distanz sein, passierten vor Blue Screen, wurden erst im Studio lebendig. Doch das allein kann nicht die Ursache gewesen sein, dass die Story, die so viel optisches Potenzial bietet, im Nichts versackt. Zumal Millionen Euro aufgewendet wurden, eine magische Zahl für einen Fantasy-Film - einem Genre also, das es hierzulande kaum gibt. Es war sicher ein Kraftakt, Streitigkeiten bezüglich des Budgets drangen nach draußen. Kreuzpaintner übernahm die Regie von Hans-Christian Schmidt ("Requiem"), mit dem das Projekt eigentlich entwickelt wurde. Schmidts Drehbuchschreiber Michael Gutmann, ein mit 52 Jahren erfahrener Mann, hat in der Vergangenheit sein Können bewiesen. Gleichwohl bleibt die Erzählweise langwierig, wenig dynamisch und auch keineswegs kinderfreundlich. Dennoch sollte Kreuzpaintners feines Gespür für große und kleine Gesten trotz dieses Films nicht angezweifelt werden. Er mochte "Krabat", hat das Buch als Kind mehrfach gelesen. An mangelndem Enthusiasmus kann das Scheitern nicht gelegen haben. Es scheint viel mehr, als würden etliche Szenen fehlen, vielleicht auch dem Schnitt zum Opfer gefallen sein. So bleibt vor allem zu bedauern, dass dieses Projekt, in dem viel Liebe und Können stecken, auf der Leinwand so charmefrei wirkt. Claudia Nitsche |
Credits: Laufzeit: 120 Min. Kinostart:09. Oktober 2008 |
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