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Autistic Disco

Autistic Disco

(tsch/vm) In „Autistic Disco“ zeigt Hans Steinbichler junge Menschen, die sich schwer tun mit dem Leben, dem Reden und Fühlen, den Glücksversprechen der modernen Welt. Sie fühlen sich ausgestoßen, ungeliebt, gedemütigt – und Steinbichler lässt den Zuschauer jeden Schmerz miterleben. Paradiesische Naturbilder aus den Berchtesgadener Alpen, wohin eine Gruppe junger Menschen sich zurückzieht, um mit Hilfe einer Sozialpädagogin ins Leben zu finden, kontrastieren hart mit den seelischen Höllenqualen der Protagonisten.

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Kraftvoll und spröde ist Hans Steinbichler in dieser Regiestudie, die im Rahmen einer Projektarbeit am Salzburger Mozarteum entstand. Unmittelbar und direkt, gnadenlos irgendwie. Es gibt kein Entrinnen aus seinen Bildern, und damit aus den Köpfen seiner Protagonisten. Sie sind in der Hütte, abgeschieden von der Geschäftigkeit der Welt, von den Ablenkungen der Existenz. In der Gruppe zwar, aber doch ganz allein, müssen sie sich zwangsläufig mit sich selbst auseinandersetzen. Und mit dem Tod.

Steinbichler lässt in seinem formal strengen Experiment Wunden aufbrechen, aus denen der Eiter der Zivilisation quillt. Sex und Gewalt, Demütigung und Fresssucht sind die Symptome von Psychosen, die stellvertretend für den Schmerz stehen, den die Welt täglich und jedem zuzufügen imstande ist. "Autistic Disco" zwangsläufig ist ein dissonanter Film, dessen Wesen die Form ist. Von der Kadrierung der ersten Begegnung der Gruppe mit der Therapeutin - Western-Bande trifft Randfigur - über die hektische Unmittelbarkeit beim Versuch, den Protagonisten auf der Flucht zu folgen, bis zur konterkarierenden majestätischen Ruhe von Landschaft und Momenten der Versunkenheit.

Aber vor allem ist "Autistic Disco" ein Film zum Hören, der sich auch mit geschlossenen Augen ansehen lässt. Eine Kakofonie des Alltags, immer und überall nachhallend. Unangenehm, grauenhaft und schrill lassen die Geräusche den Film zerspringen wie ein Champagnerglas. Nur selten gibt es Momente der Harmonie und inneren Ausgeglichenheit - aber dann tanzen die Menschen. Jeder für sich, alle zur gleichen Zeit.

Andreas Fischer

Credits:
V:Zorro Film, D 2007, R: Hans Steinbichler, D: Benjamin Bieber, Anne Grabowski, Samia Muriel Chancrin u.a.

Laufzeit: 79 Min.

Kinostart:
09. Oktober 2008


Hans Steinbichler lässt sieben Jugendliche mit psychischen Problemen in einer abgeschiedenen "Autistic Disco" tanzen.
Hans Steinbichler lässt sieben Jugendliche mit psychischen Problemen in einer abgeschiedenen "Autistic Disco" tanzen. (Zorro Film)

Die sieben namenlosen Jugendlichen werden von Schauspielstudenten gespeilt, von links: Benjamin Bieber, Kirsten Potthoff, Nina Mohr, Andreas Meyer, Anne Grabowski, Samia Muriel Chancrin, Ulrike Rechenbach, Sara Spennemann.
Die sieben namenlosen Jugendlichen werden von Schauspielstudenten gespeilt, von links: Benjamin Bieber, Kirsten Potthoff, Nina Mohr, Andreas Meyer, Anne Grabowski, Samia Muriel Chancrin, Ulrike Rechenbach, Sara Spennemann. (Zorro Film)

Kirsten Potthoff (links) und Nina Mohr tragen einen Konkurrenzkampf aus.
Kirsten Potthoff (links) und Nina Mohr tragen einen Konkurrenzkampf aus. (Zorro Film)

Datum: 07.10.2008

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