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Tage und Wolken

Tage und Wolken

(tsch/vm) „Tage und Wolken“: Das mutet ein bisschen wie „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ an. Der Titel des italienischen Dramas drückt dessen Inhalt treffend aus: Es geht um ein wohlhabendes Paar, dessen hoher Lebensstandard plötzlich durch die Arbeitslosigkeit des Mannes erschüttert wird. Eigentlich eine kleine Geschichte, die aber knapp zwei Stunden braucht, um von Regisseur Silvio Soldini erzählt zu werden. Trotzdem wird’s nicht langweilig. Dies gelang Soldini, der 2000 mit „Brot und Tulpen“ einen überraschenden Hit landete, vor allem dank seiner stark gezeichneten Figuren und der guten Besetzung.

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Eigentlich ging es Elsa (Margherita Buy) und Michele (Antonio Albanese) immer gut. Gut situiert und mit erwachsener Tochter kann das Ehepaar das Leben genießen, haben Elsa und Michele Zeit für sich, für die Kunst, für die Freuden des Daseins. Doch die Sorglosigkeit hat ein Ende, als Michele seinen gut bezahlten Job verliert. Plötzlich bricht das Leben aus den gewohnten Bahnen, taumeln Elsa und Michele durch einen neuen Alltag, der ihnen völlig fremd ist.

Vier Jahre lang hat sich Soldini für seinen neuen Film Zeit gelassen. Zeit, die er offenbar nutzte, um die verborgenen arbeitenden Mechanismen der modernen westlichen Gesellschaft zu studieren. Zumindest ihrer auf ein geregeltes Einkommen basierender Selbstverständlichkeiten. Alles funktioniert, solange kein Sandkorn ins Getriebe kommt. Doch wehe, nur ein einzelnes der fein aufeinander abgestimmten Zahnräder der Existenz kommt ins Stocken. Dann muss man sich plötzlich Sorgen machen: über die Miete, über das Studium der Tochter, über die Belastungsfähigkeit der von Liebe und Ehe, über den Sinn des täglichen Aufstehens. Das Leben bekommt einen völlig anderen Sinn.

Schwerer Stoff, großes Drama - doch Soldini wirft einen erfrischend schnörkellosen Blick auf den italienischen Alltag. Ohne Zwang und Verklärung, aber mit viel Verständnis für die Figuren, die ihr Leben auf den Kopf stellen müssen. Soldini billigt ihnen einen nicht immer einfachen Lernprozess zu, in dem sie einsehen, dass all die Annehmlichkeiten der Zivilisation nicht so selbstverständlich sind, wie es scheint. Und das sie im Endeffekt gar nicht so wichtig sind.

Andreas Fischer

Credits:
V:Movienet, CH / I 2007, R: Silvio Soldini, D: Margherita Buy, Antonio Albanese, Giuseppe Battiston u.a.

Laufzeit: 115 Min.

Kinostart:
09. Oktober 2008


Silvio Soldinis neuer Film "Tage und Wolken" dekonstruiert die gehobene italienische Mittelklasse.
Silvio Soldinis neuer Film "Tage und Wolken" dekonstruiert die gehobene italienische Mittelklasse. (Movienet)

Die Zeit der großen Geschenke ist für Elsa (Margherita Buy) und Michele (Antonio Albanese) vorbei.
Die Zeit der großen Geschenke ist für Elsa (Margherita Buy) und Michele (Antonio Albanese) vorbei. (Movienet)

Wohin sie die nächste Zeit führt, wissen Elsa (Margherita Buy) und Michele (Antonio Albanese) beim besten Willen nicht.
Wohin sie die nächste Zeit führt, wissen Elsa (Margherita Buy) und Michele (Antonio Albanese) beim besten Willen nicht. (Movienet)

Datum: 09.10.2008

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Diskussion: "Tage und Wolken"

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