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Daniel Brühl
"Die Aufgeregtheit ist weg"Schauspieler Daniel Brühl (tsch/vm) „Krabat“ war mit so viel Erwartung befrachtet, dass es einfach schief gehen musste. Viele Jahre befand sich die Verfilmung von Otfried Preußlers beliebtem Fantasy-Roman in Planung. Schließlich traute sich Regisseur Marco Kreuzpaintner ("Sommersturm") an das komplexe Drehbuch heran und drehte einen Film, in dem die meisten Figuren leider blass und nichtssagend blieben. Nicht so die Daniel Brühls, der seinem Charakter Tonda gerecht wird. Der mittlerweile 30 gewordene deutsche Schauspiel-Star spricht im Interview über die Dreharbeiten mit den jüngeren Darstellern, mit denen er in Rumänien zusammen wohnte, seine Vorliebe für europäische Kinoprojekte und seine alten Platten von „Dead Can Dance“, mit deren Hilfe er sich in die nötige Grusel-Stimmung zu bringen pflegte. Anzeige
teleschau: Gab es bei den Dreharbeiten eigentlich Rückzugsmöglichkeiten oder waren Sie alle ähnlich wie im Film in einem Schlafsaal untergebracht? Daniel Brühl: Wenn es einem zu bunt wurde, konnte man sich schon zurückziehen. Aber wir wollten häufig die Zeit miteinander verbringen, um glaubhaft zu machen, dass wir uns länger kennen. teleschau: Waren Sie mit Otfried Preußlers Roman bereits vor dem Rollenangebot vertraut? Brühl: "Krabat" war Schulstoff, als ich 13 war und gehörte zu den Geschichten, die ich gerne gelesen habe - nicht nur weil ich eine Eins im Aufsatz hatte (lacht). Deshalb war es das erste Projekt, das ich blind zugesagt habe, ohne zu wissen, wer es realisiert und ohne das Drehbuch zu kennen. teleschau: War das ein richtiger Schritt? Brühl: Ja, denn mit Marco Kreuzpaintner wollte ich ebenso mal arbeiten wie mit Robert Stadlober. David Kross in der Titelrolle sehe ich sogar als Idealbesetzung. Unser Verhältnis am Set war ähnlich freundschaftlich wie im Film. Er ist zwölf Jahre jünger als ich, bei ihm geht die Karriere jetzt los. Ich finde das toll, einen jungen Kollegen heranwachsen zu sehen, ihn ein wenig dabei zu protegieren. teleschau: Das Buch haben Sie beim erneuten Lesen sicher ganz anders empfunden ... Brühl: Ich habe die Vielschichtigkeit erkannt. Als Kind begeisterte mich in erster Linie die düstere Stimmung auf dieser Mühle. Tonda, den ich jetzt spiele, war damals schon eine meiner Lieblingsfiguren. Er ist sympathisch, muss funktionieren und trägt ein Geheimnis mit sich herum. Ein tragischer Held. teleschau: Wie nah kommt der Film an Ihre Vorstellungen von früher? Brühl: Der Vorstellung als Kind entspricht der Film natürlich nicht. Das wäre ja Magie. Außerdem war ich als 13-Jähriger nicht so eitel mir vorzustellen, dass ich später Tonda spielen würde. Ich denke auch, dass die Kinobesucher nicht allzu jung sein sollten. Der Film ist ja durchaus gruselig. Vielleicht kann man die Produktion mit einem Ravensburger Spiel vergleichen: für alle von 12-99. teleschau: Wie haben Sie sich in die düstere Stimmung der Geschichte versetzt? Brühl: Ich habe dafür tatsächlich alte CDs, wie die von Dead Can Dance, ausgegraben, oder auch Bach gehört. Es passiert immer häufiger, dass ich mich Rollen und Filmen über die Musik annähere, denn das funktioniert gut. Johnny Depp arbeitet sogar beim Dreh mit einem Knopf im Ohr. In dramatischen Momenten bleibe ich allerdings nur in der Szene und denke zum Beispiel nicht daran, dass meine Katze tot ist. Andere Schauspieler tun das, erinnern sich an schreckliche Dinge. Für mich muss ein Augenblick autark funktionieren. teleschau: Mussten Sie sich physisch vorbereiten? Brühl: Ja, drei Monate mit einem Shaolinmönch (grinst). Nee, nee, das war nicht weiter schwierig. Anstrengend waren eher die Wetterbedingungen, wir soffen fast im Schlamm ab. Aber es war schon okay, dass wir da etwas gelitten haben. Es sollte ja kein Wellnessurlaub sein. In der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg, in der "Krabat" spielt, ging es den Leuten schlecht. teleschau: Was sagen Sie denen, die mit einem "Harry Potter"-Vergleich kommen? Brühl: Es geht zwar auch um Jungs, die herumzaubern - aber es ist eine völlig andere Geschichte, die man nicht vergleichen kann. teleschau: Bei Ihnen ist vermutlich bald Schluss mit dem Begriff "Jungs". Sie sind dieses Jahr 30 geworden. Brühl: Naja, ich fühle mich noch ganz wohl. Auch wenn ich merke, dass ich erwachsen geworden bin, mir andere Fragen stelle. In manchen Bereichen bin ich jetzt ruhiger, diese Phase genieße ich. Die Aufgeregtheit ist weg und man weiß, wo man steht. Allerdings hatte ich in meinem Leben noch keine großartigen Probleme. Es geht mir gerade richtig gut. teleschau: Woran machen Sie das fest? Brühl: Ich habe genug Zeit für mich, und definiere mich nicht über den Beruf. Wenn ich mir das wünschen könnte, würde ich wollen, dass das Verhältnis Arbeit zu Freizeit so ausgewogen bleibt. teleschau: Und was machen Sie mit der freien Zeit? Brühl: Ich habe ein Drehbuch geschrieben, das hoffentlich nächstes Jahr verfilmt wird. Wichtig ist mir auch, meinen Einfluss zu erweitern, also weitere Ideen umzusetzen. Wie das konkret passieren soll, kann ich noch nicht sagen, aber bald. teleschau: Inwieweit planen Sie international? Brühl: Ich habe überhaupt keine Ambitionen, in Amerika Karriere zu machen. Man muss dort lange kämpfen, viele kleine Rollen spielen. Hier kann ich mir große aussuchen. Ich werde weiter in Berlin leben, Europa treu bleiben. Das ist auch mein Selbstverständnis als Mensch. teleschau: Schließlich ist das Leben hier aufregend genug, vor allem wenn man als Halbspanier während eines EM-Finales in Sachsen ist, oder? Brühl: Wenn ich nur einen Tag frei gehabt hätte, wäre ich nach Spanien zu Freunden geflogen. Aber ich drehte zu der Zeit die Romanadaption von "Lila Lila" mit Alain Gsponer. Auch wenn ich dieses Finale nur gewinnen konnte, wollte ich, dass die Besseren aufs Treppchen kommen. Und das waren die Spanier. Ich habe mich wirklich gefreut, als einziger Mensch in Leipzig. teleschau: Steht Ihre spanische Hälfte tatsächlich gleichberechtigt neben der deutschen? Brühl: Ja, ich bin zweisprachig aufgewachsen, der spanische Teil ist klar da. Ich fühle mich dort auch vor der Kamera sicher und bin froh, dass ich mittlerweile auch als spanischer Schauspieler angenommen werde. Claudia Nitsche |
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