(tsch) An den meisten Tagen des Jahres ist der Himmel über Los Angeles blauer als der über Berlin. Die Aussicht der Engel auf ihre Schäflein ist klarer, und die fühlen sich angesichts des nahen Ozeans und wahr gewordener Träume ohnehin näher am überirdischen Sein. Und so ließ Regisseur Brad Silberling schon bei der visuellen Machart seines Films "Stadt der Engel" (1998) keinen Zweifel: Obwohl als solches angekündigt, ist es kein wirkliches Remake von Wim Wenders' "Himmel über Berlin". Vergleiche sind unzulässig. Deutsche Ästhetik und amerikanisches Popcorn-Kino haben wenig miteinander zu tun. kabel eins zeigt den Film mit Meg Ryan und Nicolas Cage in den Hauptrollen nun zum wiederholten Male.
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Es bleibt die gleiche Idee: Ein Engel gibt der Liebe wegen seine Unsterblichkeit auf. Und daneben ist es nicht der Himmel, der Brad Silberling interessiert, sondern die Stadt Los Angeles, die der großartige Kameramann John Seale (er dreht zurzeit mit Regisseur Mike Newell die Videospielverfilmung "Prince of Persia: The Sands of Time") in einer Reihe stimmungsvoller Bilder festgehalten hat. Es ist die "Stadt der Engel". Ganz sicher wird sie allzu sorglos und mitunter durch die rosarote Brille präsentiert. Aber Los Angeles ist eben doch so nah am Traum von urbaner Schönheit wie kaum eine andere Metropole auf dieser Welt. Dort lebt die Chirurgin Maggie (Meg Ryan), die seit dem Tod eines Patienten mit dem Schicksal hadert.
Und da ist ein Engel namens Seth (Nicolas Cage), ein Aufpasser vor dem Herrn, der schließlich seine eigenen Gefühle nicht mehr unter Kontrolle hat. Er verliebt sich in Maggie, teilt aber seine seltsam tragische Situation mit vielen Engeln der Kinogeschichte. Unsichtbar, unsterblich - das sind Träume, die viele haben. Aber für die Liebe, sicher für nichts anderes, würde er sie aufgeben.
Es ist eine romantische Geschichte, die sich - vor allem, wenn es dem Ende zugeht - einige Male haarscharf an der Grenze zum Kitsch bewegt. Dass das Ganze erträglich bleibt, liegt zum einen an der sensiblen Erzählweise des Films, der sich kaum auf platte Dialoge einlässt. Zum anderen aber auch am Hauptdarsteller Nicolas Cage, der um einen glaubhaften Charakter bemüht ist. Er bewies, dass er zu den wenigen amerikanischen Schauspielern gehört, die beide Formen der Kunst beherrschen: laute Action und leise Emotionen. Wenngleich - nicht immer mit Erfolg. Cage meldete sich zuletzt nach einigen Niederlagen an der Kasse eindrucksvoll zurück. Sein Actionfilm "Next" war in Deutschland und in den USA gleichermaßen gefloppt. Doch "Das Vermächtnis des geheimen Buches", die Fortsetzung des Abenteuerfilms "Das Vermächtnis der Tempelritter", wurde zu einem großen Erfolg.
Kai-Oliver Derks
Seth (Nicolas Cage) und Maggie (Meg Ryan) finden zueinander. (kabel eins / Warner Bros.)
Doch selbst engelsgleich: Meg Ryan in "Stadt der Engel". (kabel eins / Warner Bros.)
Jeden Morgen versammeln sich die Engel von Los Angeles am Strand, um den Sonnenaufgang zu sehen. (kabel eins / Warner Bros.)
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