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Liebe und Revolution

Liebe und Revolution

(tsch) "Liebe und Revolution". Treffender kann der deutsche Titel für den französischen Zweiteiler, den ARTE in Erstausstrahlung zeigt, eigentlich nicht sein. Denn genau darum geht es: Liebe und Revolution. Dennoch ist es faszinierend, wie wenig dieser Titel über den 200-minütigen Film von Olivier Ducastel und Jacques Martineau wirklich aussagt. Vielmehr ist dieses Drama eine Zusammenfassung der letzten 40 Jahre französischer Geschichte, beginnend im Jahr 1968. Da erscheint der Originaltitel "Nés en 68", zu Deutsch: "Geboren im Jahr 68", treffender. Doch was im Revolutionsjahr das Licht der Welt erblickte, muss der Zuschauer für sich entscheiden. Die Hauptfiguren sind es jedenfalls nicht ...

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Bereits 20 ist die schöne Catherine (Laetitia Casta) im Jahre 1968, als sie gemeinsam mit ihren beiden Liebhabern Yves (Yannick Renier) und Hervé (Yann Tregouët) ihre Mitstudenten an der Pariser Sorbonne zur Revolution aufruft. Ihre Familie sieht das gar nicht gern: Dem streng konservativen Vater, der selbst seine Ehefrau siezt, ist der Lebensstil der Tochter völlig suspekt.

Auch zwei Jahre später, als Catherine nach den wohl sinnlichsten Schwangerschaftsatemübungen der jüngeren Filmgeschichte Yves' Tochter Ludmilla zur Welt bringt, hält sich die Freude des Alten in Grenzen. Zusammen mit ihren Mitrevolutionären ziehen die jungen Eltern und das "Revolutionsbaby" in einen verfallenen Bauernhof in Südfrankreich, um dort eine Kommune zu gründen. Doch nach einiger Zeit des Hippielebens stören die ersten Spannungen die Gemeinschaft. Gras und freie Liebe sind eben nicht alles. Einer nach dem anderen verlässt die Kommune, selbst Yves, dem Catherine noch einen Sohn gebar. Dennoch hält sie an ihren Idealen fest.

Fetzenweise werfen die Regisseure Olivier Ducastel und Jacques Martineau dem Zuschauer die Handlung vor - wer nicht gut zuhört, verliert. Bei dem ambitionierten Versuch, 40 Jahre in knapp dreieinhalb Stunden zu raffen, bleiben Zusammenhänge zu oft auf der Strecke. So ist es schwierig, eine Beziehung zu den Figuren herzustellen. Die Liebe bleibt unterkühlt, die Revolution köchelt auf Sparflamme.

Ohne Vorkenntnisse fällt es zudem schwer, die Radio- und Fernsehmitschnitte, die als historische Fixpunkte in die Handlung eingebaut werden, in den Kontext einzuordnen. Denn der Zuschauer ist schon genug damit beschäftigt, die vielen verschiedenen Figuren im Auge zu behalten, die im Leben der Hauptfigur auftauchen, verschwinden und wieder auftauchen. Es greift die Weisheit, das weniger manchmal eben doch mehr ist.

Der zweite Teil, der im Anschluss, 22.30 Uhr, folgt, setzt im Jahr 1989 ein und rückt die nachfolgende Generation in den Fokus: Ludmilla (Sabrina Seyvecou) heiratet in die strenge Familie eines Iraners ein, ihr Bruder Boris (Théo Frilet) beginnt eine Beziehung mit dem Nachbarsjungen, den er von Kindesbeinen an kennt. Aids wird zum zentralen Thema, während im Hintergrund die Regierungskabinette Mitterrand und Chirac vorbeiziehen, um schließlich bei der Wahl Sarkozys zu enden.

Annekatrin Liebisch


Hervé (Yann Tregouët, links), Catherine (Laetitia Casta) und Yves (Yannick Renier) führen eine glückliche Dreierbeziehung. Sie verbindet der revolutionäre Gedanke.
Hervé (Yann Tregouët, links), Catherine (Laetitia Casta) und Yves (Yannick Renier) führen eine glückliche Dreierbeziehung. Sie verbindet der revolutionäre Gedanke. (ARTE F / Carole Bethuel)

Catherine (Laetitia Casta, rechts) und ihre Freunde freuen sich auf das Leben in ihrer neugegründeten Kommune - noch.
Catherine (Laetitia Casta, rechts) und ihre Freunde freuen sich auf das Leben in ihrer neugegründeten Kommune - noch. (ARTE F / Carole Bethuel)

Auch an Catherine (Laetitia Casta) und Yves (Yannick Renier) gehen die Spannungen innerhalb der Kommune nicht vorbei.
Auch an Catherine (Laetitia Casta) und Yves (Yannick Renier) gehen die Spannungen innerhalb der Kommune nicht vorbei. (ARTE F / Carole Bethuel)

Datum: 01.10.2008

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Artikel ID 206757

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