(tsch) Tina Sinatra, Tochter des großen Frank, hat sich, obwohl nach eigener Aussage schon fast depressiv, als Filmproduzentin versucht. Zwölf Jahre steckte sie in die Neuverfilmung des Klassikers "Der Manchurian Kandidat", den 1962 trotz Starbesetzung, ihr Vater spielte die Hauptrolle, kaum jemand sehen wollte. Damals floppte der Politthriller vermutlich wegen der Kuba-Krise. Niemand wollte sich auch noch im Kino ängstigen. Heute ist der Film aktuell, angesichts der Bush-Administration vielleicht brisanter denn je. Das Remake von 2004 spielte immerhin 65 Millionen Dollar in den Staaten ein und ist nun erneut bei ProSieben zu sehen. Doch ist eine Produktion, in der ein traumatisierter Soldat zur willigen Präsidentenmarionette eines mächtigen Wirtschaftskonsortiums gemacht wird, das Richtige für die noch immer vom Terror bedrohte Weltgemeinschaft?
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Die These des Films: Der mächtigste Mann der Welt ist eine Marionette von Hypnotiseuren. Gehirnwäsche als Mittel der Politik. Welcher Verschwörungstheoretiker würde sich eine furchterregendere Situation zusammenfantasieren können?
Hier ist es der ehemalige Golfkriegssoldat Raymond Shaw (Liev Schreiber), der für seinen übermenschlichen Mut mit dem Purple Heart ausgezeichnet wurde. Er schoss seine Truppe bei einem hinterhältigen Überfall wieder frei. Das zumindest glauben alle. Doch ist das alles möglicherweise ein fantastisches Konstrukt? In Shaws ehemaligem Vorgesetzten Bennet Marco (überzeugend: Denzel Washington, zuletzt in "Déjà Vu - Wettlauf gegen die Zeit"), der damals K.o. geschlagen wurde, erwachen Zweifel. Vielleicht stecken ja die eigenen Leute dahinter, haben die Männer außer Gefecht gesetzt, an Gehirnwaschmaschinen angeschlossen und sie unter Hypnose gezwungen, sich gegenseitig zur Tarnung in zwei Fällen sogar zu erschießen.
Nach und nach häuft er Hinweise dafür an, dass etwas nicht stimmt mit dem politisch aufstrebenden Helden von damals. Dessen Mutter (klasse: Meryl Streep) jedenfalls hat einiges auf dem Kerbholz, die skrupellosen Bosse der Manchurian-Company, mit denen sie zusammenarbeitet, auch. Die Senatorin und die Wirtschaftsbosse basteln sich in aller Ruhe ihren Wunschpräsidenten zusammen, bis Marco die Pläne durchkreuzt.
Die Neuverfilmung ist durchweg packend inszeniert und glänzt mit einigen findigen Wendungen in der Geschichte. So wird das hohe Spannungsniveau bis zum Ende gehalten.
Jan Treber
Was führt Reymond Shaw (Liev Schreiber) im Schilde? (Paramount Pictures)
Bennet Marco (Denzel Washington) macht sich auf die Suche nach der Wahrheit. (Paramount Pictures)
Eleanor Shaw (Meryl Streep) steht voll und ganz hinter ihrem Sohn Reymond, den sie unbedingt als Präsidenten sehen will. (Paramount Pictures)
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