(tsch) Ohne die richtigen Mitspieler funktioniert der besondere Witz der Coens nicht. Gut, dass die Brüder Ethan und Joel das wissen. Noch besser, dass sie so gut wie keine Probleme mehr haben, hochkarätige Darsteller zu finden. Das zeigt sich mal wieder in "Burn After Reading - Wer verbrennt sich hier die Finger?", der derzeit in den Kinos läuft: Brad Pitt, John Malkovich und Tilda Swinton zeigen sich in der Komödie einmal mehr von ihrer schrägen Seite. Und George Clooney scheint bei den Coens sowieso auf der Schnellwahltaste abgespeichert zu sein. Schließlich spielte er bereits in ihren Filmen "Ein (un)möglicher Härtefall" (2003) und "O Brother, Where Art Thou?" (2000), den RTL II nun wiederholt.
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Ob es ein Kompliment war, dass die Coens für die Rolle des selbstverliebten Knackis Ulysses Everett, der in dieser Südstaaten-Komödie ständig auf der Suche nach der richtigen Haarpomade für seine immer perfekt sitzende Frisur ist, an Frauenschwarm George Clooney gedacht haben? Den Schauspieler jedenfalls freute es, und er bewies als Kreuzung zwischen Clark Gable und Errol Flynn reichlich Humor. Clooney schickte das Drehbuch sofort zu seinem Onkel Jack nach Kentucky, wo er auch selbst aufgewachsen ist, und bat den Farmer, die Dialoge im alten Südstaatenakzent auf Band zu sprechen.
Der Reiz der drei Sträflings-Figuren liegt in den völlig konträren Charakteren. Unzählige Male besetzten die Coens bereits John Turturro. Er spielt den ruhigen, teilweise apathisch dreinblickenden und manchmal aufmüpfigen Pete, der sich nicht mit der Führungsrolle von Everett in der Gruppe abfinden will. Ganz im Gegensatz zum lieben und sehr naiven Delmar, der von Tim Blake Nelson verkörpert wird.
Noch aneinander gekettet, suchen die Häftlinge während der Depressionszeit das Weite. Everett hat sie zur Flucht angestiftet, denn angeblich wartet die versteckte Beute eines großen Coups auf sie. In Wirklichkeit will er jedoch nur seine Ex-Gattin Penny (Holly Hunter) daran hindern, einen anderen Mann zu heiraten. Die schrägen Vögel erleben ein absurdes Abenteuer nach dem anderen. Mit einem schwarzen Musiker, der seine Seele an den Teufel verkauft hat, nehmen sie eine Platte auf und steigen von ihnen selbst unbemerkt zu Countrystars auf. Sirenen betören sie mit ihrem Gesang, und ein Zyklop (John Goodman) sorgt als Bibelverkäufer mit Augenklappe für ein böses Erwachen. Inhaltlich geht es auch um die Spannungen zwischen Weißen und Schwarzen und die Gouverneurswahlen. Ein Kandidat leitet eine nächtliche Ku-Klux-Klan-Parade, in die die Drei hineinplatzen.
Wer will, kann sich über die zahlreichen filmhistorischen Anspielungen und den Shakespeare-Titel den Kopf zerbrechen oder nach Elementen aus Homers "Odyssee" suchen, die die Coens zu dieser Komödie inspiriert hat. Oder einfach die Gags genießen. Denn "O Brother" ist ein Film, der einfach Spaß macht, schön anzusehen und anzuhören ist. Der vergilbte Look wurde durch aufwendige Computer-Nachbearbeitungen der Bilder erreicht. Gepflegte Nostalgie also, an der auch die Mitwirkenden spürbar ihre Freude hatten.
Kai-Oliver Derks
Die Tatsache, dass seine Ex-Frau (Holly Hunter) wieder heiraten möchte, bewegt Ulysses Everett zum Ausbruch aus der Strafgefangenenkolonie. (RTL II)
Schon in "Big Lebowski" bekam John Goodmann von den Coens eine verquere Rolle zugespielt. In "O Brother, Where Art Thou?" spielt er einen Bibelhändler mit Augenklappe. (RTL II)
Eigentlich sind die Strafgefangenen Pete (John Turturro, links) und Delmar O'Donnell (Tim Blake Nelson) nur mit Ulysses Everett (George Clooney, rechts) ausgebrochen, weil er ihnen einen Schatz in Aussicht stellte. (RTL II)
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