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Mister Average - Der Mann für alle Fälle

Mister Average - Der Mann für alle Fälle

(tsch/mb) In der Konsumgesellschaft von heute ist der Durchschnitt das wichtigste: Nach ihm ist alles ausgerichtet, denn er repräsentiert die Mehrheit. Und wer würde nicht gern wissen, was das Volk denkt, um es zu steuern? Der Titel „Mister Average“ steht für den gläsernen Menschen: ein an sich sehr brisantes und aktuelles Thema. Doch der französische Regisseur Pierre-Paul Renders verspielt die gute Drehbuchidee seiner Komödie und lässt ihr Satire-Potential vollkommen versinken. Gut angefangen, schrumpft „Mister Average“ immer mehr zu einer einfallslosen und äußerst oberflächlichen romantischen Komödie, die zum Schluss jegliche Bodenhaftung verliert. Schade.

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"Mister Average" erinnert stark an die Filme Hans Weingartners, der in "Die fetten Jahre sind vorbei" und "Free Rainer" mit ähnlich blauäugigem Enthusiasmus die Welt verbessern wollte. Auch hier sind die Themen Konsumverhalten und Umfragehörigkeit relevant. Allein der Umsetzung mangelt es Scharfsinn und analytischer Stringenz. Auch Pierre-Paul Renders ist lieber plakativ. Jalil (Khalid Maadour) bekommt in einem furiosen Auftakt also eine Partnerin zugeteilt.

Er verliebt sich in Claire (Caroline Dhavernas), die von einem Marktforschungsinstitut sehr gut bezahlt wird, um seine Freundin zu spielen. Sie zieht zu Jalil in seine vollverkabelte Wohnung und lässt ihn Müsli, Softdrinks und Turnschuhe testen. Während ganz Frankreich seinen Entscheidungen folgt und der Präsident jovial zum Dinner vorbeischaut, verliert der Tor sein Herz und durchschaut irgendwann das falsche Spiel mit seinen Gefühlen. Zuerst ist er tief getroffen, dann ist Claire tief getroffen. Die einzelnen Akte der Herzenstragödie schließen ohne Übergang und schwer nachvollziehbar aneinander an. Und nach einer doppelten Läuterung der schwammig gezeichneten Charaktere haben sich schließlich alle wieder lieb. Einen Glückskeksspruch gibt es in der dramaturgisch holprigen Inszenierung gratis obendrauf.

Es ist geradewegs unverfroren, wie in einem ärgerlich einfachen Handlungsmuster die gute Drehbuchidee und viele innovative Regieeinfälle - etwa den technisch ausgefeilten, aber gar nicht so utopischen Überwachungsapparat Jalis - verschwendet werden. Die Konsum- und Gesellschaftssatire verkommt zum Beiwerk, bleibt genauso stecken wie Jalils Vorschulkollegin im Fahrstuhl. Die junge Frau ist eine Figur, die nach einigen Szenen nicht mehr ins Drehbuch passte und möglichst kostengünstig entsorgt werden musste. Und solcherart Inkonsequenz macht "Mister Average - Der Mann für alle Fälle" dann auch nur zu einem bestenfalls durchschnittlichen Film.

Andreas Fischer

Credits:
V:Alpha Medienkontor, F / D / B / LUX / CDN 2006, R: Pierre-Paul Renders, D: Khalid Maadour, Caroline Dhavernas, Gilbert Melki u.a.

Laufzeit: 90 Min.

Kinostart:
16. Oktober 2008


"Mister Average - Der Mann für alle Fälle" beginnt stark als Konsumkritik und endet schwach als rosarote Romanze.
"Mister Average - Der Mann für alle Fälle" beginnt stark als Konsumkritik und endet schwach als rosarote Romanze. (Alpha Medienkontor)

Weil Jalil (Khalid Maadour, links) die öffentliche Meinung ist, hat ihn der Präsident (Thierry Lhermitte) besonders lieb.
Weil Jalil (Khalid Maadour, links) die öffentliche Meinung ist, hat ihn der Präsident (Thierry Lhermitte) besonders lieb. (Alpha Medienkontor)

Jalil (Khalid Maadour) versteckt sich hinter einer Jalil-Maske um seine große Liebe Claire (Caroline Dhavernas) nicht zu erschrecken.
Jalil (Khalid Maadour) versteckt sich hinter einer Jalil-Maske um seine große Liebe Claire (Caroline Dhavernas) nicht zu erschrecken. (Alpha Medienkontor)

Datum: 11.10.2008

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