(tsch/cg) „Zweier ohne“: So heißt eine Rudersportart, bei der ohne Steuermann gerudert wird. Ohne Steuerung ist auch die seltsam innige Freundschaft zweier Jungs, von der das deutsche Coming-Of-Age-Drama erzählt. Denn diese entwickelt sich im Laufe des Films in eine gefährliche Richtung: Irgendwann tragen die zwei 17-Jährigen dieselben Klamotten und Frisuren, mögen dieselben Dinge, haben dieselben Gefühle. Die Erkenntnis, dass das mehr Negatives als Positives birgt, ist für sie eine schmerzhafte. Nach „Die Einsamkeit der Krokodile“ (2000) ist „2er ohne“ die zweite gemeinsame Arbeit von „Spiegel“-Redakteur Dirk Kurbjuweit und Regisseur Jobst-Christian Oetzmann. Und obwohl die Verfilmung von Kurbjuweits Novelle durch Oetzmanns Hang zum Symbolisch-Metaphorischen unnötig belastet wird, ist dem Regisseur doch ein gutes Coming-Of-Age-Drama gelungen, was nicht zuletzt den beiden jungen Darstellern zu verdanken ist.
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Die Grundidee der gleichnamigen Novelle von Dirk Kurbjuweit - erschienen im Kiwi-Verlag - liegt auf der Hand. Ein Team in einem Ruderboot, das ohne Steuermann funktionieren will, muss gleich ticken. Ludwig (Jacob Matschenz) und Johann (Tino Mewes) sind 17. Sie haben sich gesucht und gefunden, jeder auf seine Art Außenseiter. Johann, der Ruhige, lebt in seiner eigenen Welt und ist fasziniert vom lauten Ludwig, der sich Dinge traut, die ihm bis dahin nicht in den Sinn kamen.
Es gibt einen Monolog, der erklärt, warum die Freundschaft so intensiv wurde: Beide interessierten sich fürs Sportrudern. Sie merkten, dass sie aufgrund ihrer körperlichen Voraussetzungen harmonieren. Mit 17, so philosophiert Johanns Stimme aus dem Off, hasst du dich. Wenn da plötzlich jemand ist, der so sein will wie du, geht ein Wunsch in Erfüllung, den keiner zu formulieren wagt. Wie Zwillinge führen sich die beiden Kumpel auf, um gleich zu ticken.
Die Paddelpartner tragen dieselben Klamotten, finden dasselbe Mädchen gut und tun keinen Schritt ohne den anderen. Dennoch behalten sie selbst gegenüber dem Zuschauer ihre Intimsphäre. Nicht alles wird ausgesprochen. Das ist auch nicht notwendig.
Es ist bereits die zweite Arbeit des "Spiegel"-Redakteurs Kurbjuweit, die Oetzmann auf die Leinwand bringt. Nach "Die Einsamkeit der Krokodile" (2001 mit dem Bayerischen Filmpreis ausgezeichnet) hat er für "2er ohne" eine imposante Kulisse gefunden: eine im Bau befindliche Brücke in der Nähe der Vulkaneifel. Ein seltsamer Anblick, so ein halb fertiges Betonmonster.
Die Art, wie der Drehbuchautor und Regisseur dieses Bauwerk in seine Geschichte einfügt, zeigt sein Fingerspitzengefühl. Er geht seine Themen mit hohem Anspruch an. Künstlerische wie inhaltliche Elemente verbindet der 47-Jährige auf beeindruckende Weise, auch wenn er die Story rafft. So lernen sich die beiden Jungs in der Novelle bereits mit zwölf Jahren kennen.
Die verschiedenen Rennen, die sie mit ihrem Boot absolvieren, werden jeweils so gefilmt, dass sie dem Seelenzustand der Protagonisten entsprechen. Nicht nur dabei zeigt sich die große Kunst von Kameramann Tomas Erhart, der Blicke einzufangen versteht.
Matschenz, der überaus präsente Hauptdarsteller ("Die Welle", "Neandertal"), spielt erstaunlicherweise den aggressiven Part. Die Wut, die er der Welt entgegenbringt, will dieser Ludwig nicht unterdrücken. Er ist ein streitbarer Typ, den Jacob Matschenz mit Arroganz und Sympathie ausstattet.
Tino Mewes rückt als der stillere der beiden immer mehr in den Mittelpunkt. So sehr er Ludwig schätzt, so erfreulich verläuft auch der Rest seines Lebens. Und das Unglück, so ist das leider, schweißte die zwei zusammen. Obwohl ein Bruch unvermeidlich ist, auch weil Johann sich in Ludwigs Schwester (Sophie Rogall) verliebt, lässt sich Oetzmann lange Zeit und gibt seiner Geschichte viele Zwischentöne und Raum für Gedanken.
Mewes findet hier endlich die Aufmerksamkeit, die er verdient. Der blasse Schauspieler ist auch Musiker, was gar nicht so viele wissen. Lado Youngler heißt sein Quartett, das im Sommer den ersten Auftritt hatte. Längst klopfte eine Plattenfirma an, wollte die Band über seinen Namen vermarkten. Das lehnte Mewes ab, wie er auch Tom Cruises "Stauffenberg" sausen ließ. Weil er "2er ohne" spielte.
Claudia Nitsche
Credits: V:Stardust, D 2008, R: Jobst Oetzmann, D: Tino Mewes, Sophie Rogall, Jacob Matschenz u.a.
Laufzeit: 93 Min.
Kinostart: 16. Oktober 2008
Zwei Jugendliche entdecken die gemeinsame Leidenschaft Sportrudern. (Stardust Filmverleih GmbH)
Im "Zweier ohne Steuermann" sind Johann (Tino Mewes, links) und Ludwig (Jacob Matschenz) ein unschlagbares Team. (Stardust Filmverleih GmbH)
Johann (Tino Mewes, links) und Ludwig (Jacob Matschenz) trainieren hart. (Stardust Filmverleih GmbH)