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Imaginary Heroes

Imaginary Heroes

(tsch) Wenn ein Kind vor seinen Eltern stirbt, ist das nicht nur widernatürlich, sondern belegt Eltern wie Geschwister mit dem Bann unvergänglicher Trauer. Das Leben, so ein Sinnspruch, der oft fällt, aber im Grunde von niemandem verstanden wird, geht weiter. Leidet eine Familie unter einem solchen Schicksalsschlag, ist das Leben schnell verlernt und muss erst in einem zähen, langwierigen Prozess wieder erlernt werden. Dan Harris hat sich in seinem Debütfilm als Regisseur mit einem solch ernsten Stoff beschäftigt. In "Imaginary Heroes" geht es also nicht um Kopfhelden wie die "Fantastic Four" oder "X-Men", denen er bisher die Drehbücher für ihre Leinwandabenteuer schrieb, sondern um echte Probleme echter Menschen.

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Was ist schon ein Held, wenn das Gute in der Welt mit einem Schlag verschüttet scheint? Die Familie Travis muss den Tod des ältesten Sohnes erdulden und gerät in allen Bereichen aus den Fugen: Jedes Familienmitglied erlebt sein eigenes psychisches Schleudertrauma, was Harris in zurückhaltenden Bildern einzufangen weiß. Schließlich war es Selbstmord, der bei jedem Verbliebenen Selbstzweifel auslöst.

Der Vater, gespielt von Jeff Daniels, gibt sich vollständig auf und übt sich in Lethargie, die ihn nicht nur von der äußeren Umwelt, sondern auch von seinem verbliebenen Lieben distanziert. Die Mutter lässt sich fallen - und zwar in ihre Hippie-Vergangenheit, die eigentlich nie existiert hat. Das Revival, gespeist durch die Angst, etwas verpasst zu haben und es nun endlich nachholen zu wollen, gerät mit Blick auf die Tragödie zur Farce. Die "Alien"-erprobte Sigourney Weaver glänzt in ihrer seit langem klügsten Rolle, indem sie die verzweifelt ihre Verzweiflung verdrängende Frau als umso verzweifelter entlarvt.

Getragen werden soll der Film aber offenbar von dem jüngeren Sohn Tim, dem Bruder des Gestorbenen, der anders als seine Schwester Penny alles nicht so leicht verkraften kann. Emile Hirsch ist als verstockter Junge zu sehen, der mit der Welt abzuschließen scheint und versucht, an der scheinbaren Endstation seines Lebens einen Anschlusszug - egal wohin - zu bekommen.

Das erinnert alles ein wenig an Brad Silberlings "Moonlight Mile", obgleich darin Dustin Hoffman und Jake Gyllenhaal nicht mit dem Selbstmord, sondern dem gewaltsamen Tod von Tochter und Verlobter konfrontiert werden. Silberling verfilmte mit diesem sensiblen und erschütternden Drama das wahre Schicksal seiner eigenen großen Liebe. Harris packt dagegen in seinem Independent-Drama vieles etwas anders an, möchte mit Momenten etwas einfacheren schwarzen Humors und einer unterhaltenden Zutat punkten: Denn die unsympathische Nachbarin (authentisch: Deirdre O'Connell) weiß um ein düsteres Geheimnis der Travis-Familie, das langsam ans Licht zu kommen droht.

Ein anderer Erzählstrang soll Jugendliche ansprechen: Ryan Donowho, der auch einen Kurzauftritt in Jim Jamuschs "Broken Flowers" absolvierte, spielt den Gegenpart zu Emile Hirschs Charakter und damit seinen besten Freund: selbstzerstörerisch, weil experimentierfreudig, drogensüchtig und durchaus anarchistisch veranlagt.

Die Darsteller geben sich alle Mühe, dem Gefühlschaos, das ob der unterschiedlichen Versuche der Charaktere, den Schicksalsschlag zu verkraften, herrscht, eine authentische Struktur zu geben. Nur ist Emile Hirsch nicht Jake Gyllenhaal und kann sich seines etwas linkisch-pubertären Anscheins aus "The Girl Next Door" nicht ganz entledigen. Dennoch besitzt "Imaginary Heroes" vor allem aufgrund der Leistungen Weavers und Donowhos genug Charme, um die Tragödie mit einem Hauch von Leichtigkeit zu umwehen, um zu verdeutlichen, dass auch im schlimmsten Fall Menschen nicht umhin können, ihr eigenes Leben wieder in den Griff zu bekommen - auf welche Weise auch immer.

Leif Kramp

Credits:
V:Sony Pictures, USA 2004, R: Dan Harris, D: Sigourney Weaver, Jeff Daniels, Emile Hirsch u.a.

Kinostart:
10.11.2005


Der sensible Tim (Emile Hirsch) fühlt sich als Versager.
Der sensible Tim (Emile Hirsch) fühlt sich als Versager. (2005 Sony Pictures Releasing GmbH)

Draufgänger Kyle Dwyer (Ryan Donowho, rechts) ist Tims (Emile Hirsch) bester Freund.
Draufgänger Kyle Dwyer (Ryan Donowho, rechts) ist Tims (Emile Hirsch) bester Freund. (2005 Sony Pictures Releasing GmbH)

Der Tod ihres Bruders hat die Geschwister Tim (Emile Hirsch) und Penny (Michelle Williams) noch stärker zusammengeschweißt.
Der Tod ihres Bruders hat die Geschwister Tim (Emile Hirsch) und Penny (Michelle Williams) noch stärker zusammengeschweißt. (2005 Sony Pictures Releasing GmbH)

Datum: 06.11.2005

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Diskussion: "Imaginary Heroes"

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