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Colonization

Schöne alte neue Welt

Das Remake von Sid Meier's "Colonization" ist durchweg gelungen.

(tsch/mb) Achtung Suchtgefahr: Das Remake des supererfolgreichen, legendären Spiels „Colonization“ könnte noch mehr Freunde des Strategiespiels in seinen Bann ziehen. Auch die alten Fans von damals können sich das Remake getrost zulegen. Denn alles ist genauso wie beim 1994 entstandenen Original. Nur besser. Gut gemacht!

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Remakes erfolgreicher Titel sind gewöhnlich so eine Sache. Zum einen müssen die Erwartungen der Spielerschaft und vor allem der treuen Fans erfüllt, zum anderen die Schlüsselelemente und lieb gewonnene Gameplay-Mechanismen akkurat in ein neues, zeitgemäßes Gerüst übertragen werden. Ein schmaler Grat also, den Sid Meier's Colonization mit Bravour meistert.

Denn das eingängige, aber dennoch komplexe Gameplay rund um die Gründung einer Kolonie in der neuen Welt mit dem Ziel, die Unabhängigkeit zu erreichen, macht in der neuen Version genauso viel Spaß wie in der alten - selbst wenn Entwickler Firaxis an manchen Stellen kleinere Änderungen vornahm.

Gleich geblieben ist zu Beginn die Wahl der Nation mit den jeweiligen Boni: Sind die Spanier kriegerischer Natur, die im Kampf gegen Ureinwohner Vorteile haben, sind die Engländer Meister der Integration, was eine wahre Immigrantenflut zur Folge hat. Die Holländer sind Experten im Handel, während Frankreich ein Händchen für den Umgang mit den Ureinwohnern hat.

Apropos Ureinwohner, deren Zahl hat sich im Vergleich zum Original kräftig erhöht. So ist es schwer, einen Flecken Land an der Küste zu finden, der nicht unmittelbar in Nachbarschaft zu einem Indianerdorf liegt. Zwar sind die Indios zu Beginn freundlich, im Verlauf des Spiels können sie sich aber angesichts der Expansion der Kolonialmächte bedroht fühlen und einen Krieg vom Zaun brechen. Gute diplomatische Beziehungen sind daher genauso wichtig wie eine solide Verteidigung der Kolonien.

Doch bevor es so weit kommt, muss die neu gegründete Stadt erst einmal wachsen und gedeihen. Eine gute Lage ist Voraussetzung, damit die Einwohner auf der einen Seite genügend zu essen, auf der anderen Seite ausreichend Ressourcen für die Produktion von Gütern haben. Baumwolle, Zuckerrohr, Tabak und Pelze sind genauso wichtig wie Eisenerz und Holz für die Herstellung von Werkzeug und dem Bau der Gebäude. Wie im Original macht es einen gigantischen Unterschied, ob ausgebildete Experten eingesetzt werden oder ungelernte Siedler, die im Heimathafen auf Abholung warten. Allerdings können jene in den Indianerdörfern oder Schulen zu Experten ausgebildet werden.

Die produzierten Waren können anderen Nationen oder in der alten Welt verkauft werden. Je nach Bedarf wird so ein kleines Vermögen oder ein gerade mal die Kosten deckendes Sümmchen erwirtschaftet. Zudem hält auch der König in Form von Steuern die Hand auf. Ab und an fordert der Monarch auch noch weitere Abgaben. Dass dieser Zustand auf Dauer nicht tragbar ist, versteht sich von selbst.

Für Unabhängigkeitsgedanken sorgen eigene Zeitungen und Staatsmänner. Letztere bringen auch die Unterstützung berühmter Persönlichkeiten mit speziellen Vorteilen wie Pocahontas, die die Ureinwohner milde stimmt. Sind 50 Prozent der Einwohner für die Lossagung von der alten Welt, kann die Unabhängigkeit erklärt und die Staatsform ausgesucht werden. Spätestens dann sollte eine kräftige Kontinentalarmee vorhanden sein, da der König ein stark aufgestelltes Expeditionskorps in die neue Welt schickt, um die Unabhängigkeit niederzuschlagen.

So weit, so bekannt. Wirklich große Neuerungen hat Firaxis glücklicherweise nicht eingeführt, da das Gameplay vom Ur-Teil ziemlich perfekt war. Zu loben ist die Möglichkeit, Einheiten zu befördern, was ihnen neue Boni verschafft. Die Bedienung ist komfortabler geworden, die intuitive Steuerung gefällt. Faule Naturen freuen sich über Automatismen für den Siedlungsausbau oder Handelsrouten, Geschichtsinteressierte verlieren sich in der Civilopedia.

Unterm Strich entfaltet Colonization dieselbe Suchtwirkung wie das Original vor 14 Jahren. Sollte jedes Remake in den kommenden Monaten so gut und durchdacht sein wie "Sid Meier's Colonization", stehen goldene Zeiten bevor.

Alexander Hildebrand




Datum: 12.10.2008

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