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Satire Online

Das im Halse stecken gebliebene Lachen

(tsch) Wenn etwas faul ist im Staat, wenn die Bevölkerung Ungerechtigkeiten aus Bequemlichkeit einfach hinnimmt, wenn Politiker sich - egal in welcher Situation - daneben benehmen, dann sind sie zur Stelle, die Satiriker. Mit ihren spitzzüngigen und bösartigen Kommentaren zur Lage der Nation halten sie der saturierten Gesellschaft einen Zerrspiegel vor und nehmen dafür auch Klagen und Gerichtsverfahren wegen übler Nachrede gerne in Kauf. Die Grenze zum guten Geschmack überschreiten sie zwar regelmäßig und geflissentlich, ihre überzeichneten Realitätsabbildungen machen andererseits sensibel für gesellschaftspolitische Themen. Auch im Internet schießen die schelmischen Schmutzfinken scharf.

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Zurzeit können sich die Redakteure der Satiremagazine über mangelnde Inspiration nicht beklagen. Vor allem die weltweite Finanzkrise bietet eine wunderbare Angriffsfläche, um die Missstände des Kapitalismus anzuprangern, was für die meist linkspolitisch orientierten Schreiber sicherlich eine Genugtuung ist.

So tituliert Deutschland bekanntestes Satiremagazin "Titanic" seine Homepage www.titanic-magazin.de momentan als "endgültiges Wirtschaftsmagazin" mit dem Hinweis: "Pflichtblatt für Georg Funke" (zurückgetretener Manager der Hypo Real Estate). Zusätzlich ist auf der Startseite der "Börsencrash-Opfercounter" zu sehen, der auf dem Laufenden hält, wie viele Bänker respektive deren Angehörige sich aufgrund der Finanzkrise das Leben genommen haben. "Je höher der Counter, desto sicherer ist Ihr Geld", so der Kommentar der Redaktion an den Leser. Neben den aktuellen Ereignissen kann der User auf die Titanic-"Klassiker" zugreifen: So werden beispielsweise in "Briefe an die Leser" alltägliche Kuriositäten kurz und pointiert kommentiert. Ein weiteres Highlight sind die gesammelten Titanic-Plakate, die bekannte Werbeanzeigen ordentlich durch den Kakao ziehen.

Neben "Titanic" zählt auch "Eulenspiegel" als wichtige Monatsschrift in Sachen Satire. Sie war die ostdeutsche Antwort auf "Titanic", wenngleich ihre Attacken wesentlich regimefreundlicher ausfielen. Nach der Wende hat das Blatt es geschafft, auf eine stattliche Auflage von rund 110.000 Exemplaren zu kommen. Der Geist der DDR scheint noch durch die Homepage zu wehen: Auf www.eulenspiegel-zeitschrift.de geht es sehr ordentlich zu - fast zu ordentlich für eine eigentlich anarchistische Zeitung. Auf der Startseite ist sind der "Cartoon der Woche" zu sehen (auch hier wird momentan das Thema Finanzkrise aufgegriffen), sowie einige frei erfundene Kurzmeldungen. Was bei "Titanic" die Plakate, sind bei "Eulenspiegel" die Cartoons. Die Redaktion beheimatet eine Menge talentierter Zeichner, deren beste Ideen gesammelt auf der Seite angesehen werden können. Zusätzlich bietet "Eulenspiegel" einen Blog an, in dem User unter anderem über die veröffentlichten Artikel diskutieren können.

Unter der Vielzahl der Satiremagazine, die nur über das Internet erscheinen, sind die wenigsten noch aktiv. Oftmals liegen die letzten Einträge schon Jahre zurück. Doch die Autoren des Online-Magazins "Palastrevolution" bieten auf ihrer Homepage www.palastrevolution.de regelmäßig neue Geschichten. Hauptsächlich befassen sich diese mit Alltagsbeobachtungen und persönlichen Erlebnissen. Ein Anliegen der Redaktion ist es anscheinend, die User so stark wie möglich in das Magazin zu involvieren. So besteht nicht nur die Möglichkeit, zu den Artikeln und Videos ihrer Lesungen Kommentare abzugeben - selbst zum Impressum kann der Leser seine Meinung äußern. Ist auch wichtig: Heutzutage muss man schließlich zu allem eine Meinung haben.

Um Meinung geht es auf www.onlinewahn.de eher nicht. Vielmehr will die Seite mit einer Menge witziger Comics und Bilder die Menschen zum Lachen bringen. Auch wenn sich die Homepage als "bescheuertste Seite im Netz" beschreibt, besitzen einige Beiträge einen ordentlicchen schwarzen Humor. So beispielsweise die "Sendung mit der Kuh", die, analog zur "Sendung mit der Maus", Fragen beantwortet, beispielsweise warum Wolfgang Clement Atomkraft so toll findet und warum Hilary Clinton unbedingt US-Präsidentin werden wollte. Daneben finden sich eine Unmenge von irrwitzigen Ideen, die www.onlinewahn.de zu einer großen Spielkiste machen.

Wer aber nicht nur lesen, sondern auch gelesen werden will, kann sich auf www.abgefahrn.de selbst als Satiriker versuchen. Die Homepage bietet die Möglichkeit einer kostenlosen Registrierung an, um sogleich seine Ideen in die Tastatur hacken zu können. Zu den veröffentlichten Texten können natürlich Kommentare abgegeben werden. Die Qualität der Beiträge schwankt stark und erreicht nie den scharfen Witz der führenden Zeitschriften. Aber schließlich fängt jeder klein an.

Daniel Dreßler


Die erste Adresse für gepflegte Unterhaltung, Tiefschläge inklusive: Auf www.titanic-magazin.de wird genauso scharf geschossen wie im Heft selbst.
Die erste Adresse für gepflegte Unterhaltung, Tiefschläge inklusive: Auf www.titanic-magazin.de wird genauso scharf geschossen wie im Heft selbst. (www.titanic-magazin.de)

Etwas weniger bissig als "Titanic", dafür mit einer Menge kunstvoller Comics ausgestattet: die Homepage der Zeitschrift "Eulenspiegel".
Etwas weniger bissig als "Titanic", dafür mit einer Menge kunstvoller Comics ausgestattet: die Homepage der Zeitschrift "Eulenspiegel". (www.eulenspiegel-zeitschrift.de)

Das Online-Magazin "Palastrevolution" ist eines der wenigen Portale, das regelmäßig Artikel veröffentlicht.
Das Online-Magazin "Palastrevolution" ist eines der wenigen Portale, das regelmäßig Artikel veröffentlicht. (www.palastrevolution.de)

Datum: 11.10.2008

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Diskussion: "Satire Online"

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