Richard Gere
Gefühle, die natürlich sindSchauspieler Richard Gere (tsch) Das Etikett "Frauenschwarm" wird an Richard Gere wohl ewig kleben, mindestens aber bis zur Rente. Dabei unternimmt der Menschenrechtsaktivist und überzeugte Buddhist alles, um es loszuwerden. Er zieht sich zurück ins Privatleben mit seinem Sohn und seiner Ehefrau Carey Lowell, tritt nur noch selten in süßlichen Hollywoodproduktionen auf und spielt statt dessen in engagierten Projekten, wie jetzt in "The Hunting Party" (derzeit im Kino). Richard Shepards bittere Kriegssatire prangert die mangelnde Entschlossenheit an, mit der die Völkergemeinschaft die Gräueltaten ahndet, die in Bosnien während des Balkankriegs begangen wurden. Der abgehalfterte TV-Reporter Simon Hunt (Gere) jagt mit seinem Kameramann Duck (Terrence Howard) einen serbischen Kriegsverbrecher über den Balkan und gerät dabei mehr als einmal in Lebensgefahr. Im Interview spricht er über Liebe, Rache und peinliche Situationen vor dem Fernseher. Anzeige teleschau: "The Hunting Party" ist ein moderner Kriegsfilm ... Richard Gere: Ich hoffe doch, er ist mehr als das und zumindest auch ein Film über Akzeptanz und Vergebung. Aber dafür muss man eben zuerst Wut, Hass und Rachegefühle durchleben und überwinden. Hoffentlich kann das Publikum nach dem ungewöhnlichen Ende des Films diese Gefühle auch hinter sich lassen. Ich gebe allerdings zu, dass ich mit dem Ende des Films ebenso wie mit dem Titel nicht so ganz glücklich bin. teleschau: Dieses Ende ist aber für den Zuschauer befriedigend. Der Schurke bekommt seine gerechte Strafe. Gere: Diese Befriedigung ist aber vergleichbar mit einem Schokoriegel voller Zucker. Der macht auch schnell satt, und ebenso schnell hat man wieder Hunger, weil in dem Riegel nur leere Kalorien stecken. teleschau: Warum werden Kriegsverbrecher wie Radovan Karadzic nicht endlich gefasst, obwohl sie seit Jahren mit angeblich internationaler Anstrengung gesucht werden? Gere: Wer weiß das schon so genau ...? Aber unser Film vertritt die glaubhafte These, dass im Grunde niemand diese Leute wirklich festnehmen will. Das wird zwar nach außen behauptet. Aber niemand betreibt die Suche ernsthaft. Diese Verbrecher können sich leider ziemlich sicher fühlen. teleschau: Hass und Wut auf der Leinwand - welche Gefühle prägen demgegenüber Ihr privates Leben? Gere: Liebe und Mitgefühl. Wir haben alle Mitgefühl für andere Lebewesen. Insbesondere für andere Menschen. Jedes Lebewesen kann es nur schwer ertragen, wenn es ein anderes Wesen der eigenen Art leiden sieht. Das ist eigentlich ein natürliches Gefühl, das jedem innewohnt und auf das wir mehr hören sollten. teleschau: Aber nur mit Mitgefühl und Liebe macht man doch in Hollywood keine Karriere? Gere: Warum denkt bloß jeder so schlecht über die Filmbranche? Auch in Hollywood arbeiten Leute mit denselben Problemen, die jeder Mensch hat: Sie haben Hypotheken, sie sorgen sich um ihre Kinder und den Fortbestand der Welt, in der wir alle leben. teleschau: Schauen Sie sich Ihre alten Filme wie "American Gigolo" noch an? Gere: Ich habe sie Ewigkeiten nicht gesehen, deshalb weiß ich auch nicht, ob sie mir heute noch gefallen würden. Aber jeder Schauspieler kennt diese einsamen Abende im Hotel, an denen man schlaflos mit Jet Lag durchs Programm zappt und plötzlich denkt: Was ist das denn? Dann schaut man 30 Sekunden lang ungläubig zu und einem wird klar: Oh Gott, das bin ja ich. Aber es sieht nicht mehr aus wie ich. teleschau: Und dann? Gere: Dann schalte ich ganz schnell aus. teleschau: Sie werden mit 58 Jahren noch immer als Frauenschwarm besetzt. Erstaunt Sie das? Gere: Das Klischee sorgt für meinen Lebensunterhalt und dafür bin ich dankbar! Trotzdem ist es natürlich absurd, jemanden in meinem Alter noch als Verführer zu besetzen. Aber es wäre eine Lüge zu behaupten, es schmeichele mir nicht, als Frauenschwarm zu gelten. Ich liebe schließlich Frauen, am meisten meine eigene! Kerstin Lindemann |
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