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Hellboy - Die goldene Armee

Hellboy - Die goldene Armee

(tsch/cg) Eine Comic-Verfilmung wie sie sein soll: voller noch nie zuvor auf der Leinwand gesehener Kreaturen, dynamischer Action-Szenen und gesellschaftskritisch. Dem mexikanischen Regisseur Guillermo del Toro, in Horrorfilm-Kreisen durch Filme wie „Cronos“, „Mimic“ und vor allem dem ersten „Hellboy“-Auftritt längst ein Begriff, gelang dieses seltene Kunststück. Denn ist es nicht so, dass die meisten Comic-Verfilmungen weit hinter der atemlosen Lese-Erfahrung zurückbleiben? „Hellboy – Die goldene Armee“ erweist sich dagegen seinem gedruckten Vorbild als in allen Belangen ebenbürtig.

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In seinen zweiten Film über den bulligen Sonderling, dem die Zornesröte buchstäblich ins Gesicht und die steinerne Faust steigen kann, hat der mexikanisch-stämmige Regisseur und Autor Guillermo Del Toro noch mehr Detailliebe und Aufwand bei der Maskenbildnerei gesteckt als ins erste Abenteuer vor vier Jahren. Die Geschichte beginnt mit einem Gutenachtmärchen, einer wahrlich schauerlichen Legende.

Ein ruchloser, machthungriger Elfenkönig schuf wegen einer Dauerfehde mit dem Menschengeschlecht einen Maschinenpark der besonders perfiden Art: Seine "Goldene Armee" aus riesigen Kampfrobotern sollte den zahlenmäßig überlegenen Gegner knechten. Doch die Monster aus Edelmetall verrichteten ihre Aufgabe mit einer solch seelenlosen Perfektion, dass selbst ihr Heermeister zu zweifeln begann, ob er es nicht etwas zu weit getrieben habe. Also wurden die unzähligen Kampfmaschinen außer Betrieb gesetzt und nahe des bis heute Rätsel aufwerfenden Naturwunders "Giant's Causeway" an der Küste Nordirlands unterirdisch eingelagert - und harren seitdem ihrer Reaktivierung, die nur mit allen Zacken der zerlegten Elfenkrone glücken kann.

Freilich züngelt die erzählerische Flamme rund um diese grausige Möglichkeit, die letztlich, und damit sei nicht zu viel verraten, tatsächlich einzutreten droht; denn der Königssohn der unsterblichen Elfen begehrt gegen seinen schwach gewordenen Vater auf und will sich nicht mehr länger vor den Menschen im Hinterhof Manhattans verstecken müssen - schließlich ist er nicht nur stärker, sondern auch schöner, schneller und schlauer. Nun möchte er endlich jene Macht ausüben, die ihm ein vermeintlich humaner Eid versagt hat.

Die Knechtung der Menschheit indes ist keine leichte Sache: Um sein Ziel zu erreichen, geht der verblendete Prinz nicht nur über die Leichen seinesgleichen, sondern setzt auch zum finalen Stoß gegen die unwissenden Menschen an. Was Hellboy und sein Team ebenfalls hochbegabter Mitstreiter zu verhindern sucht: Gemeinsam mit seiner bei Stress feuerfangenden Weggefährtin Liz (Selma Blair), der sprechenden Fischkreatur Abe (Doug Jones) und dem Neuzugang, einem deutschen Gelehrten namens Johann Krauss (James Dodd), der seine körperliche Hülle längst gegen die Daseinsform in einem omnipotenten Energiefeld eingetauscht hat, nimmt er die Verfolgung auf, um seine menschlichen Gastgeber vor dem Schlimmsten zu bewahren.

Filmemacher Del Toro, der zuletzt mit seinem fantasievollen Kleinod "Pan's Labyrinth" an die komplexe und historisch grundierte Erzählwelt von "The Devil's Backbone" anschloss, geht es in seiner zweiten Comicverfilmung weniger um die effektvolle Auseinandersetzung zwischen Gut und Böse, sondern um die Frage, wie viel Ignoranz sich das Sozialsystem erlauben darf, die Ausgestoßenen, die Randexistenzen tatsächlich für immer zu verlieren und damit auch an Menschlichkeit einzubüßen. Was Del Toro missfällt, sind die opportunistischen Tendenzen des sozialen Miteinanders.

Die Erfolgsgesellschaft honoriert nur den Sieg, den Schematismus - wer anders ist oder etwas anders macht, muss um Akzeptanz ringen. Beim verkannten Hellboy, den mal die Blitzlichter, mal der Hohn und Spott der Masse jagen, regen sich zumindest erhebliche Zweifel, ob er überhaupt die hehre menschliche Zivilisation retten soll, die doch eigentlich gar nichts von ihm wissen will, nicht für ihn bereit ist. Sein erodierendes Selbstbewusstsein greift auch seine Beziehung mit Liz an, die ein Kind von ihm erwartet, doch es ihm zu sagen sich nicht traut, da er sich ob seiner Seelenlage selbst verhält wie ein trotziges Kind.

Unter dem Gesichtspunkt, dass der am vergangenen Donnerstag gerade 44 Jahre alt gewordene Del Toro in der Comicfigur Hellboy sein Alter Ego erkannte, wie er bei jeder Gelegenheit preisgibt, muss der junge Guillermo vermutlich eine schwere Kindheit gehabt haben. Denn was im Großen das Massenpublikum des Fernsehens oder der Boulevardpresse ist, mag im Kleinen der Schulhof mit all seinen grausamen Seil- und Sympathieschaften gewesen sein. Da kommt eine Fantasiefigur wie Hellboy gerade recht: zynisch sprücheklopfend, unkaputt- und unbesiegbar und doch mit weichem Kern.

~Dass die psychische Gesundung und die Erfüllung des für die Menschheit so wichtigen Auftrags außerordentlich effektiv und unterhaltsam vonstattengehen und die Geschichte letzten Endes noch in einem erfrischend ironischen Finale mündet, ist dem optimistischen Gemüt des Regisseurs zu verdanken, der sich demnächst dem lang erwarteten "Hobbit"-Projekt von Autor und Produzent Peter Jackson ("Der Herr der Ringe") zuwenden wird. Genug Fantasiereichtum bringt Del Toro allemal mit: Was sich in "Hellboy 2" alles unter der New Yorker Brooklyn Bridge herumtreibt auf dem wohl buntesten (Jahr-)Markt der Mutanten und Monströsitäten, hat selbst keine Spezialeffektschmiede Hollywoods je gesehen - alles echte Handarbeit, versichert der Regisseur. Ein Schelm, wer meinte, darunter fänden sich einige seiner ehemaligen Schulkameraden.

Leif Kramp

Credits:
V:Universal Pictures, USA 2008, R: Guillermo Del Toro, D: Ron Perlman, Selma Blair, Doug Jones u.a.

Laufzeit: 119 Min.

Kinostart:
16. Oktober 2008

Wertung
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Comicfigur Hellboy kämpft gegen die bösen Mächte der Unterwelt.
Comicfigur Hellboy kämpft gegen die bösen Mächte der Unterwelt. (2008 Universal Studios)
Superheld Hellboy (Ron Perlman) hat den Kampf gegen die "Goldene Armee" begonnen.
Superheld Hellboy (Ron Perlman) hat den Kampf gegen die "Goldene Armee" begonnen. (2008 Universal Studios / Egon Endrenyi)
Ehrfürchtig betrachtet Prinz Nuada (Luke Goss) das letzte Stück der Krone von Bethmoora. Seine Zwillingsschwester Nuala (Anna Walton) beobachtet ihn dabei.
Ehrfürchtig betrachtet Prinz Nuada (Luke Goss) das letzte Stück der Krone von Bethmoora. Seine Zwillingsschwester Nuala (Anna Walton) beobachtet ihn dabei. (2008 Universal Studios / Double Negative)

Datum: 12.10.2008

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