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Duncan Lloyd - Seeing Double

Duncan Lloyd Seeing Double

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Wenn sich begeisterungswürdige Bands auflösen und die Mitglieder einzeln weitermachen, wird nicht selten so etwas wie eine mathematische Erfolgsformel sichtbar. Wer brachte die Seele ein, wer die Leidenschaft, wer den Formwillen? Nun haben sich die ausgezeichneten Maximo Park aus dem nordenglischen Newcastle zum Glück nicht getrennt. Die Pause bis zum dritten Album der Band hat Gitarrist und Co-Songwriter Duncan Lloyd jedoch für eine kleine Selbstverwirklichung genutzt. Die bezeugt nun eindrücklich die Musikalität, das Melodiengespür, aber auch die Weitsicht, die Lloyd dem Werk des Post-Punk-Quintetts einflößt.

In seiner einfachsten Abstraktion wäre "Seeing Double" Maximo Park ohne das überreizte Temperament von Sänger Paul Smith. Dass sich Duncan Lloyd am Mikrofon weit weniger exaltiert, manchmal fast müde gibt, kommt seinen Songs durchaus zugute, verleiht ihnen ein lässiges und unaufgesetztes Flair. Zugleich lässt Lloyd die vertrauten protobritischen Post-Punk-Muster bisweilen links liegen. Das wonnige "Seven Letters" etwa und die süffige Schwärmerei "Suzee", die erste Album-Single, verraten Einflüsse aus dem US-Indie-Rock, bei "You Are Partly To Blame" denkt man gar kurz an die eigentlich unkopierbaren Pavement.

Noch besser gelingt "Make Our Escape". Hier phrasiert Lloyd mit heiserem Understatement ein herzerweichendes Cockney-Drama, das auch den genialischen Knallkopf Pete Doherty nicht kompromittieren würde. Im schönen "Nightfly" und der federnden Akustikübung "3 Times Over" grüßt er aufs Trefflichste die Kinks der frühen 70-er, während "Misfit" der vertraute Widerhall des Hauptprojekts ist. Mit "Another Chance" schließt sodann ein fast schon zu liebreizender Schwanengesang das erstaunlich runde und ausgewogene Album ab. Sollte jemand dennoch darauf bestehen: "Seeing Double" ist sicher ein Nebenprojekt, ein Zwischenwerk. Aber gerade in dieser unangestrengten, fast beiläufigen Nonchalance alles andere als reizlos.

Jens Szameit


Datum: 13.10.2008

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