(tsch) Man könnte es tatsächlich glauben, dieses Szenario, das der Brite Gabriel Range 2006 aufzeichnete. Sein Film "Tod eines Präsidenten", der sich mit einem angenommenen Mordanschlag auf George W. Bush auseinandersetzt, beweist auf beeindruckende Weise, wie manipulierend Fernsehen sein kann. ARTE sendet die hochkontorverse Doku-Fiktion wenige Tage vor der Wahl von Bushs Nachfolger in deutscher Erstausstrahlung.
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Die Meldungen der Fernsehnachrichten stimmen überein: George W. Bush ist tot. Die beiden Kugeln, die in seinen Oberkörper eindrangen, beschädigten die Aorta so schwer, dass die Ärzte ihm trotz allen Bemühungen nicht mehr helfen konnten. Der 43. Präsident der Vereinigten Staaten wurde am 19. Oktober 2007 ermordet.
Er hatte ein schlechtes Gefühl, als George W. Bush nach seiner Rede aus dem Sheraton Hotel kam, um ein Bad in der Menge zu nehmen, erklärt der ehemalige Sicherheitsbeamte Larry Stafford. Zu viele Demonstranten waren in Chicago unterwegs - mehr als 10.000 machten ihrem Ärger über den Irakkrieg Luft. Und dann passierte es tatsächlich: Der Präsident bricht von zwei Kugeln getroffen zusammen. Die fieberhafte Suche des FBI nach dem Täter endet bei einem Syrier, der während des Attentats vor Ort war. Grund genug für den neuen Präsidenten Cheney, die Rechte der US-Bürger im "Patriot Act III" zu beschneiden und Truppen nach Syrien zu schicken ...
Erschreckend realistisch konstruierte Gabriel Range diese vermeintliche Dokumentation: Mehrere glaubwürdig wirkende Personen berichten über die Ereignisse, beispielsweise eine Frau, die als Bushs Redenschreiberin vorgestellt wird, Beamte, die laut Untertitel beim FBI arbeiten, oder einfache Menschen, die bei den Morduntersuchungen fälschlicherweise ins Visier der Ermittler gerieten. Einige dieser Zeitzeugen werden unauffällig per Montage in Fotos oder Videosequenzen hineingeschnitten, in denen tatsächlich der echte Präsident Bush zu sehen ist.
Durch die geschickte Verknüpfung von Archivmaterial, gestellten Szenen und Personenaussagen gelingt es, selbst einen frontalen Kameramitschnitt des Attentats überzeugend echt darzustellen. Während der Zuschauer irritiert darüber nachdenkt, was ihm das Fernsehen eigentlich noch so alles als Wahrheit verkaufen könnte, streut Range ein paar reelle Probleme in seine Horrorvision ein: latente Ausländerfeindlichkeit, Überwachungswahn, Kriegsgelüste.
"Abscheulich" urteilte Hillary Clinton, als sie von dem Film über die Ermordung George W. Bushs hörte. "Ich finde das schockierend, ich finde das verstörend", meinte auch die texanische Republikanerin Gretchen Esell und prognostizierte, es werde in Amerika nur wenige Menschen geben, die so etwas sehen wollten. Sie behielt Recht. Nachdem "Death of a President" im Oktober 2006 in die US-Kinos kam, spielte er gerade einmal 486.232 Dollar ein - was auch daran liegen könnte, dass mehrere Kinoketten den britischen Fernsehfilm boykottierten.
Besser lief es hingegen im Ausland: Bei Festivals in Kanada, Belgien und Großbritannien sackte Regisseur und Co-Autor Gabriel Range Preise ein, selbst den Internationalen Emmy erhielt er 2007. Doch die Diskussion um den Film ist durchaus nachvollziehbar: Es ist fraglos grenzwertig, die Ermordung eines existierenden Staatsoberhauptes vordatiert auf Zelluloid zu bannen. Immerhin ließen schon mehrere US-Präsidenten öffentlich ihr Leben. Die Sorge der Kritiker, der Film könne zu einem Attentat inspirieren, scheint also nicht unbegründet - schon gar nicht bei einem weithin unbeliebten Mann wie George W. Bush.
Annekatrin Liebisch
Mehr als 10.000 Menschen sind in Chicago auf die Straße gegangen, um ihrem Ärger über Präsident Bush Luft zu machen. (WDR / Exception Wild Bunch)
Die Polizei wird der Lage nur schwer Herr. (WDR / Exception Wild Bunch)
Das unfassbare geschieht: George W. Bush wird in Chicago niedergeschossen. (WDR / Exception Wild Bunch)
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