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Julianne Moore

Ein Hauch von Melancholie

Schauspielerin Julianne Moore

(tsch/mb) Schon ihr Aussehen ist irgendwie speziell: Julianne Moores trauriger Blick, bleicher Teint, rote Haare und mit Sommersprossen bedeckte Schultern machen aus ihr keine klassische Schönheit. Und doch spielte sie äußerst glaubwürdig eine Pornodarstellerin in Paul Thomas Andersons grandiosem Film „Boogie Nights“ (1997). Sie scheint die perfekte Besetzung für intellektuelle Kleinproduktionen zu sein. Und doch hat die Schauspielerin kein Problem damit, gleichzeitig in Hollywood-Blockbustern wie „Vergessene Welt: Jurassic Park“ (1997) zu spielen. Nun stand sie für die Großproduktion „Die Stadt der Blinden“ von Regisseur Fernando Meirelles ("City of God", "Der ewige Gärtner") vor der Kamera. In der Verfilmung des gleichnamigen Romans von Literatur-Nobelpreisträger José Saramago verkörpert Moore die einzige Sehende in einer Stadt, in der alle als Resultat einer geheimnisvollen Epidemie erblindet sind. : „Als ich hörte, dass er den Film machen würde, wollte ich sofort mit dabei sein“, erzählte die Schauspielerin. Nun, das scheint einfach gewesen zu sein.

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Mit einem einzelnen Mann fängt alles an. Er steht vor einer roten Ampel, wartet auf grün und sieht plötzlich nichts mehr. Wie eine Epidemie greift die Blindheit um sich, bis schließlich zahllose Bewohner der Stadt infiziert sind. Brutal werden sie in ein Lager gesteckt, in dem schließlich die nackte Gewalt ausbricht. Julianne Moore sieht den Geschehnissen in der Rolle der namenlosen Ärztegattin hilflos zu, ist voller Mitleid und doch unfähig einzugreifen ("Schlimmer als zu erblinden, ist als Einzige zu sehen").

"Das ist kein Hollywoodfilm, bei dem die Helden das Böse beseitigen", sagt die Schauspielerin über die gleichnisartige Literaturverfilmung. "Die Frau des Arztes ist eine denkbar normale Person. Das erachte ich als eine der großartigen Stärken des Romans. Sie ist fehlbar." Schriftsteller Saramago spiele mit diesem Charakter verschiedene Überlegungen zu dem Thema Verantwortung durch: "Er fragt, wer wir sind und wie viel Verantwortung wir füreinander tragen, für die Welt, in der wir leben, und wie wir uns in ihr bewegen." Das Melodram sei eine Parabel auf "eine Menschheit, die nur beobachtet und nicht eingreift", ergänzt Drehbuchautor Don McKellar.

Ein Novum: Für ihre Rolle ließ sich die Charakterdarstellerin eigens die Haare blond färben. "Ich hatte Mühe damit, offenbar identifiziert man sich stärker über die Haarfarbe, als ich dachte." Meirelles hatte sie eigentlich nur gebeten, sich die Haare kürzer schneiden zu lassen. Die eigentliche Entscheidung traf die 47-Jährige in Eigenregie. "Es war pure Intuition, die mir sagte, dass das genau das Richtige für meine Figur wäre", erinnert sie sich. "Rote Haare lassen einen auffallen, weil man sich immer in der Minderheit befindet. Ich wollte, dass die Frau des Arztes zur Mehrheit gehört."

Schon immer sprang die Schauspielerin, die sich zu Beginn ihrer Karriere von Julie Anne Smith in Julianne Moore umbenannt hatte, mühelos zwischen Mainstream- und Hollywoodproduktionen hin und her. Dabei liegen ihr offenbar die zerrissenen und widersprüchlichen Frauenfiguren: Ob in "Safe" (1995) als frustrierte und unter Allergien leidende Hausfrau Carol White oder als tablettensüchtige Gattin eines TV-Moguls in der Ensemble-Verfilmung "Magnolia" (1999). Medikamentenabhängig war auch Amber Waves in "Boogie Nights" (1997), einem Melodram über die amerikanische Pornoindustrie. Die Rolle des Erotikstars wurde Julianne Moore von Regisseur Paul Thomas Anderson auf den Leib geschrieben und brachte ihr die erste von bislang vier Oscar-Nominierungen ein. Allein im Jahr 2003 kam sie gleich zweimal in die engere Auswahl für die begehrte Trophäe (als beste Hauptdarstellerin für "Dem Himmel so fern" und als beste Nebendarstellerin für "The Hours").

Mögen ihre Figuren auch noch so kaputt sein, Julianne Moore trennt strikt zwischen Rolle und realem Leben und verschafft sich so Abstand zu den teilweise harten Dreharbeiten. "Das Publikum sollte Einfühlungsvermögen und Identifikation nicht verwechseln", sagte die Schauspielerin, die während ihrer High-School-Zeit auch in Deutschland lebte, im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk. "Es ist ein großer Irrtum zu glauben, man müsse sich mit der Figur identifizieren, die man verkörpert."

Vielleicht ein Grund, weshalb sie keine Berührungsängste vor gängigen Hollywoodproduktionen wie "Vergessene Welt: Jurassic Park" (1997), der "Schweigen der Lämmer"-Fortsetzung "Hannibal" (2001) oder dem Actionthriller "Next" (2007) hat. Im Gegenteil: Erst solche Rollen machten ihr die Mitwirkung an kleineren Independentproduktionen wie zuletzt "Wilde Unschuld" (2008) möglich.

Was sie in ihrem Privatleben nicht findet, lebt die 47-Jährige in ihren Filmen aus. Schon mehrfach bekannte sie sich zu ihrem bodenständigen Leben - fern ab von der Scheinwelt Hollywoods. "Ich liebe Tragödien. Vielleicht, weil ich ein ganz normales Leben mit Mann, zwei Kindern und Hund in New York führe." Seit fünf Jahren ist sie nun mit dem zehn Jahre jüngeren Regisseur und Drehbuchautor Bart Freundlich ("Trust the Man") verheiratet. Mit ihm zusammen hat sie zwei Kinder. Der große Altersunterschied zu ihrem Mann ist für Julianne Moore indes kein Problem. In einem Interview bekannte sie: "Er wollte eine starke Frau an seiner Seite. Unsere Beziehung ist ein permanenter Machtkampf, auf eine sehr inspirierende Art."

Julianne Moore gehört zu den Frauen, die mit den Jahren immer schöner wirken - und irgendwie trauriger. Während andere Kolleginnen in ihrem Alter um gute Rollen kämpfen müssen, spielt sie in den besten Filmen mit. Doch was ihr wirklich Angst mache, sei nicht das Älterwerden, so die Schauspielerin jüngst in einem Interview, sondern der Tod. Wenn sie manchmal, an einem schönen Tag, mit ihrem Mann und ihren Kindern mit dem Auto unterwegs sei, überkomme sie ein Hauch von Melancholie, sie sage sich dann: "Ich will nicht sterben, das Leben ist zu schön."

Philip Mukherjee


Julianne Moore spielt in "Die Stadt der Blinden" eine Sehende unter lauter Blinden. "Das ist kein Hollywoodfilm, bei dem die Helden das Böse beseitigen", sagt die Schauspielerin über die gleichnisartige Literaturverfilmung.
Julianne Moore spielt in "Die Stadt der Blinden" eine Sehende unter lauter Blinden. "Das ist kein Hollywoodfilm, bei dem die Helden das Böse beseitigen", sagt die Schauspielerin über die gleichnisartige Literaturverfilmung. (Kinowelt)

Für ihre Rolle als Ärztegattin ließ sich Julianne Moore eigens die Haare blond färben. "Es war pure Intuition, die mir sagte, dass das genau das Richtige für meine Figur wäre", erinnert sie sich. "Rote Haare lassen einen auffallen, weil man sich immer in der Minderheit befindet. Ich wollte, dass die Frau des Arztes zur Mehrheit gehört."
Für ihre Rolle als Ärztegattin ließ sich Julianne Moore eigens die Haare blond färben. "Es war pure Intuition, die mir sagte, dass das genau das Richtige für meine Figur wäre", erinnert sie sich. "Rote Haare lassen einen auffallen, weil man sich immer in der Minderheit befindet. Ich wollte, dass die Frau des Arztes zur Mehrheit gehört." (Kinowelt)

Sie sieht alles und greift doch nicht ein: "Die Frau des Arztes ist eine denkbar normale Person. Das erachte ich als eine der großartigen Stärken des Romans. Sie ist fehlbar", sagt Julianne Moore über ihre Rolle.
Sie sieht alles und greift doch nicht ein: "Die Frau des Arztes ist eine denkbar normale Person. Das erachte ich als eine der großartigen Stärken des Romans. Sie ist fehlbar", sagt Julianne Moore über ihre Rolle. (Kinowelt)

Datum: 18.10.2008

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