Das Experiment: dunkler Thriller mit Moritz Bleibtreu
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Das Experiment
(tsch) Die Warnung vorweg: Wer sich auf Oliver Hirschbiegels "Das Experiment" einlässt, verliert etwas - im besten Fall nur die gute Laune. Im schlimmsten Fall den Glauben an das Gute im Menschen. Der Film von 2000, den ProSieben nun wiederholt, bedrückt und bannt mit seinen klaustrophobischen, düsteren und kalten Bildern gleichermaßen. Anstrengend ist er, intensiv, aber gerade deshalb so fantastisch.
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Im Kino war "Das Experiment" ein großer Erfolg für den deutschen Film - gerade weil die reale Vorlage kläglich scheiterte. 1971 teilte ein US-Professor freiwillige Probanden in zwei Gruppen ein, mit Privilegien für die einen und Repressalien für die anderen - ähnlich wie in mancher "Big Brother"-Staffel, nur härter. Er fragte sich, was wohl passieren würde. Nach wenigen Tagen musste der Wissenschaftler den Versuch abbrechen: Die Situation drohte, völlig außer Kontrolle zu geraten. 2000 griff Regisseur Oliver Hirschbiegel ("Der Untergang") diese Geschichte wieder auf, drehte an der Eskalationsschraube - und lieferte einen überaus spannenden Thriller ab.
Er bietet eine nicht alltägliche Story, facettenreiche Charaktere, ein tolle Schauspieler-Riege (Moritz Bleibtreu, Christian Berkel, Oliver Stokowski) und eine Inszenierung, die sich Zeit nimmt und dennoch im richtigen Moment aufs Tempo drückt. Ausgangspunkt ist eine Zeitungsanzeige, in der 20 Versuchspersonen für ein 14-tägiges Experiment gesucht werden. Taxifahrer und Ex-Journalist Tarek (Bleibtreu) wittert eine Story und lässt sich, ausgerüstet mit einer als Brille getarnten Spezialkamera, darauf ein. Zehn Freiwillige werden von den Wissenschaftlern (Andrea Sawatzki, Edgar Selge), denen es um Rollenverhalten in einer Gefängnissituation geht, als Wärter eingeteilt, die anderen zehn als Häftlinge.
Dabei nehmen gerade die Wärter ihre Rolle allzu ernst. Sie beginnen damit, labile "Häftlinge" einzuschüchtern und zu unterdrücken. Tarek selbst, immer die Story im Hinterkopf, provoziert ebenfalls und legt so die Lunte an das Pulverfass, das bald hochgeht und eine Eruption an brutaler Gewalt nach sich zieht. Hirschbiegel, der gerade mit Liam Neeson in der Hauptrolle das Drama "Five Minutes of Heaven" inszenierte, zeigt in "Das Experiment", wie leicht in Extremsituationen die durch Kultur und Erziehung mühsam angenommenen Verhaltensmuster aufbrechen und rohen Instinkten Platz machen.
Nach dem blutigen Zeitgeschichte-Drama "Der Baader Meinhof Komplex" stand Moritz Bleibtreu offenbar der Sinn nach Familienunterhaltung. In der Paul-Maar-Verfilmung "Lippels Traum" verkörpert der 37-Jährige, der bald zum ersten Mal Papa wird, den Vater des jungen Titelhelden (Karl Alexander Seidel). Der Kinofilm startet allerdings erst am 15. Oktober 2009.
Gerd Hilber
Im Vorfeld des Experiments muss sich Tarek (Moritz Bleibtreu) verschiedenen physischen und psychischen Tests unterziehen. Sein Problem, das er mit dunklen und engen Räumen hat, spielt er herunter, um seine Teilnahme nicht zu gefährden. (ProSieben / Senator Film)
Immer wieder provoziert Tarek (Moritz Bleibtreu, zweiter von rechts) die Wärter. (ProSieben / Senator Film)
4.000 Mark für zwei Wochen: Auch Bosch (Antoine Monot jr., links) und Schütte (Oliver Stokowski) interessieren sich für das von einer Universität ausgeschriebene Experiment. (ProSieben / Senator Film)
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