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Ani DiFranco - Red Letter Year

Ani DiFranco Red Letter Year

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"Ich habe ein neues Mantra", freut sich Ani DiFranco in "Don't Forget To Have Fun!" Diese nicht mehr ganz taufrische Erkenntnis versucht die früher zugegebenermaßen sehr unspaßige New-Folk-Stilikone Ani nun auf ihr neues Album "Red Letter Year" zu bannen. Aber sie schafft es dann doch nicht, lustige Spaßsongs zu produzieren. Glücklicherweise.

"Red Letter Year" feiert trotzdem das Leben. So wird in Songs wie "Present/Infant", "Way Tight" und "Landing Gear" das Erlebnis des Mutterwerdens verarbeitet. Auch das restliche Album hört sich sanft und gemütlich an, weniger spröde und zerrissen als die früheren Werke. Trotzdem kann es Frau DiFranco natürlich nicht lassen, ihrem ganzen Spieltrieb auch in diesen recht positiven Liedern freien Lauf zu lassen. Die Sängerin vermittelt den Eindruck, sie ließe sich von den Songs treiben, wie buntes Herbstlaub im lauen Wind, sie folgt der Stimmung der Instrumentalisten, sie steigt mit jeder kleinen wilden Bö oder wirbelt von schrägen Nine-Inch-Nails-Gitarren gestützt und voller hyper-overdubbter Streicher in die Höhen einer Rockbühne.

Ihre Affinität zum Indie, zu Radiohead, PJ Harvey oder Brainpop atmet durch jede Pore ihrer Musik - durch durchlässige, ätherische Folklieder wie das oben beschworene "Present/ Infant", "The Atom" oder "Good Luck", aber auch durch wattig-dick, teils polytonal arrangierte Streichergewitter, in denen Beatlesharmonien von Rufus-Wainwright-Elegien abgelöst werden und in denen ihre Stimme nur noch marginal zu vernehmen ist ("Alla This"). Wie auch bei Björk vermischt sich Elektronisches mit Analogem, wie früher packt sie der Funk ("Emancipated Minor") oder der Minnesang ("Round A Pole").

Mit ihrem Langzeitbassisten und Kumpel Todd Sickafosse, Producer Napolitano einer Armada hervorragender Instrumentalisten zauberte sie - übrigens größtenteils in New Orleans - ein Kaleidoskop von Gefühlen, dem der Folk zwar noch zugrunde liegt, das aber bedeutend bunter ist als nur Americana: Zärtlichkeit, Wut, Rebellion und Liebe. Das Leben der Künstlerin hat sich hier direkt in den kompositorischen Fähigkeiten verankert, ohne dass Ani DiFranco ihren früheren Hang zum Tiefen, Getriebenen verloren hätte und ohne dass sie nur noch bescheuerte Wiegenlieder könnte.

Kati Hofacker


Datum: 21.10.2008

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