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Let's Make Money: Dokumentarfilm über die Finanzkrise

Let's Make Money

(tsch/cg) Seitdem sich jeder Bürger der westlichen Welt von der physischen Form des Geldes verabschiedet hat und nur noch Plastikkarten mit sich herumträgt, ist Geld zu etwas Abstraktem geworden. Was mit unserem Kapital passiert, wenn es auf der Bank ist, welchen Weg es nimmt und wie damit gearbeitet wird, sind Fragen, auf die oft nur Profis eine Antwort geben können. Das wollte der österreichische Filmemacher Erwin Wagenhofer ändern und drehte die Doku „Let's Make Money“, in der er es schafft, diese komplexen Fragen zu beleuchten und spannend auf die Leinwand zu übertragen. Bereits mit seinem mehrmals ausgezeichneten Dokumentarfilm „We Feed The World“ (2005) bewies der Regisseur, dass aufklärerische Filme nicht trocken und langweilig sein müssen. Dass seine Geld-Doku zeitlich mit der großen Finanzkrise zusammenfiel, beweist eindrucksvoll die These Wagenhofers: In unserer Gesellschaft läuft etwas gewaltig schief.

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Dass die Geldwirtschaft pünktlich zum Kinostart in die größte Krise seit 1929 schlitterte, ist eine bittere, wenngleich süffisante Zufälligkeit. Fertiggestellt vor dem großen Krach offenbart sich "Let's Make Money" allerdings als Menetekel dessen, was nun wirklich eingetreten ist. Die weltweiten Turbulenzen sind, folgt man Erwin Wagenhofer, die ganz normalen Folgen einer völlig absurden Lotterie.

"Lassen Sie ihr Geld arbeiten" - war bis zur gerade beginnenden Renaissance des Sparkassenbuchs der Lockruf des Goldes. Geld ist schon längst nicht mehr bloßes Zahlungsmittel. Geld ist eine Arbeitskraft, Geld ist Wetteinsatz, Geld ist ein Abstraktum in den Computern von Banken, Finanzdienstleistern und Investoren. Erwin Wagenhofer folgt dem Geldstrom: In die "emerging markets" (aufstrebende Märkte) zum Beispiel, wie Dritte-Welt-Staaten jetzt heißen.

Dort investieren europäische Fonds in Firmen, die "sich nicht leisten können, großzügig zu sein". "Die Investoren sollten nicht verantwortlich gemacht werden für die Ethik", glaubt Dr. Mark Mobius, einer der erfolgreichsten Finanzinvestoren der Welt. Er verwaltet 50 Milliarden Dollar, die sich ständig vermehren. Wie, ist egal. Es gibt kein Unrechtsbewusstsein, es gibt keine Moral. "Wir haben die Ethik verloren", beklagt ein ehemaliger US-Wirtschaftskiller.

"Let's Make Money" ist kein bloßer Dokumentarfilm, sondern einer spannender Thriller und ein wirklichkeitsnahes Drama, das Wagenhofer mit teilweise witzigen Bild-Ideen inszenierte. Er lässt seine Protagonisten unkommentiert erzählen - von Kostensenkung, Profitmaximierung und Investment-Returns. Sie stellen sich selbst bloß, ihr "kurzfristiges Denken, ohne sich um die Folgen für die Zukunft zu auch nur ansatzweise zu interessieren", wie Bundestagsmitglied und Alternativ-Nobelpreisträger Dr. Helmut Scheer das neo-liberale Denken bedauert.

"Let's Make Money" ist eine einfache Wahrheit, eine Beschreibung der menschlichen Natur. Und die ist so erschlagend, wie der Zement-Tsunami, die Spaniens Costa del Sol überrollte. Womit wieder die Bilder ins Spiel kommen. Wagenhofer arbeitet ganz geschickt mit Assoziationen: Beängstigend ist die Stille, die zum Beispiel durch spanische Wohnsiedlungen fegt. Die Investmentruinen sind Geisterstädte, eine riesige Blase, aufgepumpt durch Gier und Renditeversprechungen. Die haben sich nicht erfüllt, und nun verfallen drei Millionen billig gebaute Appartements mit Meerblick, ohne jemals bewohnt worden zu sein. Die Folgen muss der Staat ausbaden. Und der Staat ist die Gemeinschaft aller Menschen in ihm.

Andreas Fischer

Credits:
V:Delphi, AUT 2008, R: Erwin Wagenhofer

Laufzeit: 110 Min.

Kinostart:
30. Oktober

Wertung
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"Let's Make Money" ist eine hervorragende, weil unpolemische Kapitalismuskritik.
"Let's Make Money" ist eine hervorragende, weil unpolemische Kapitalismuskritik. (Delphi / Allegro Film)
Unser Geld arbeitet und vermehrt sich, zum Beispiel in Indien.
Unser Geld arbeitet und vermehrt sich, zum Beispiel in Indien. (Delphi / Allegro Film)
Diese illegal errichtete Investmentruine kostet die spanischen Steuerzahler 100 Millionen Euro - weil der Staat die Investoren für den Baustopp im Naturschutzgebiet entschädigt.
Diese illegal errichtete Investmentruine kostet die spanischen Steuerzahler 100 Millionen Euro - weil der Staat die Investoren für den Baustopp im Naturschutzgebiet entschädigt. (Delphi / Allegro Film)

Datum: 31.10.2008

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