Berichte zu Trends, Veränderungen und Neu-Entwicklungen im Internet
Ein bisschen Basisdemokratie
(tsch) Ein wenig ist man schon verleitet, die Kräfte des Web 2.0 zur Magie zu verklären. Ob Barack Obamas Wahltriumph ohne Myspace, Youtube, Facebook, Flickr und Konsorten nun möglich gewesen wäre oder nicht: Genutzt hat der frisch vereidigte 44. Präsident der Vereinigten Staaten das Internet in jedem Fall mustergültig. Was sich im Wahlkampf so durchschlagend bewährt hat, soll nun auch beim Regieren helfen. Und den Anfang macht Obama in den eigenen vier virtuellen Wänden. Noch während seiner Antrittsrede wurde eine grundüberholte Version von www.whitehouse.gov freigeschaltet. "Change Has Come To America" - das ist für die Web-Community nun gleich mal sichtbar.
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Hoffnungen und Erwartungen klein zu halten, ist Obamas Sache nicht. Und wenn die White-House-Site den Ankündigungen Taten folgen lässt, dann steht den Amerikanern eine kleine basisdemokratische Revolution bevor. Dem Internet sei Dank. "Ein Fenster für alle Amerikaner in die Geschäfte der Regierung", sei die neue Seite, so Obamas Mediendirektor Macon Phillips in schönster Bildersprache.
Tatsächlich präsentiert sich www.whitehouse.gov hell, freundlich und aufgeräumt. Vor allem aber gibt es hier neuerdings einen Blog. Im Bestreben, die Regierungsadministration nicht länger als einen verschworenen Klüngel von Geheimniskrämern zu präsentieren, soll der eine Schlüsselfunktion ausfüllen. Im ersten Eintrag stellte Phillips schon mal dar, wie sich Obama das gläserne White House vorstellt. Es soll um Kommunikation gehen, um Transparenz und um konkrete Teilnahme: "Wir werden alle Gesetzesentwürfe, abgesehen von Notfallgesetzen, fünf Tage lang auf der Website veröffentlichen, um der Öffentlichkeit Gelegenheit zu geben, sie zu bewerten und zu kommentieren, bevor der Präsident sie unterzeichnet."
Doch gerade hier liegt die erste Crux. Denn direkt kommentieren, wie in Blogs üblich, kann man die Einträge der Website gerade nicht. Zu so viel Liberalität konnte man sich angesichts zahlloser Missbrauchsgefahren dann offenbar doch nicht durchringen. So bleibt es in jedem Fall spannend, zu beobachten, wie sich das Projekt 2.0 beim Weißen Haus entwickelt. Nichts weniger als "die offenste und transparenteste Regierung in der Geschichte" verspricht Barack Obama auf der Site. So löblich dieses Anliegen auch ist. Die Messlatte liegt jetzt verdammt hoch.
Jens Szameit
"Change Has Come To America": Bei der runderneuerten Homepage des Weißen Hauses ist das gleich mal sichtbar. (www.whitehouse.gov)
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