logo
Anzeige
Bücher

Mr. & Mrs. Smith

(tsch) Was kann ein Film noch bewirken, der schon seit Anfang des Jahres als Blockbuster, als Hit, als beispielloser Erfolg gilt? Birgt er das Potenzial, das hinter allen Erwartungen zurückbleibende Kinojahr in Deutschland zu retten? Die Marketing- und Publicity-Maschinerie hat zumindest in den USA geholfen: "Mr. & Mrs. Smith" stieg auf Platz eins in die Kinocharts ein. Doch nach den ersten Wochen Spielzeit fehlte das, was einen Film zum Hit macht: die Mundpropaganda. Da helfen auch alle Boulevard-Meldungen nicht, die Brad Pitt und Angelina Jolie eine Beziehung andichten, eine Trennung anlasten (die von Pitt und Jennifer Aniston) und allerhand zweideutig Eindeutiges über die erotische Anziehungskraft der beiden Sexsymbole verlauten lassen. Hierzulande ist es nicht anders: Die Leute sollen nicht ins Kino gehen, um den Film zu sehen, sondern um die Kombo Pitt/Jolie zu bewundern. Kann so etwas funktionieren?

Anzeige

 

Die Kernfrage aber ist eine andere: Wieso benutzt "Bourne Identity"-Regisseur Doug Liman einen der ungewöhnlichsten Klassiker von Alfred Hitchcock, um ein Actionfeuerwerk abzubrennen? "Mr. and Mrs. Smith" von 1941 handelte von einem Ehepaar, das nach einem strikten Verhaltenskodex lebt: Bei Streit wird so lange diskutiert, bis sich beide wieder versöhnt haben. Und zumindest einmal im Monat müssen beide ehrlich zueinander sein: Also gibt der Mann zu, dass er seine Frau nicht wieder heiraten würde. Schließlich hätte er durch die Ehe allzu viele Freiheiten eingebüßt. Schlussendlich teilt die Behörde mit, dass alle Eheschließungen der vergangenen Jahre für ungültig erklärt werden.

Der angestaubte Hitchcock-Film ist allemal humorvoller als die hochtechnisierte Neuauflage aus dem dritten Jahrtausend: Pitt und Jolie sind hier seit sechs Jahren als die "Smiths" verheiratet und arbeiten als Auftragskiller - ohne es vom jeweils anderen zu wissen. Beide haben in ihrem gemeinsamen Heim ausgeklügelte Verstecke für ihr Waffenarsenal gefunden.

Engstirnig ist, wer da fragt, wie die hydraulisch, elektronisch und mittels Hochdruckluft gesteuerten Klappen und Türen ohne die Kenntnis des Ehepartners installiert werden konnten. So befindet sich unter dem Gartenschuppen das großkalibrige Werkzeug von Herrn Smith und hinter dem Küchenherd das Seziermaterial seiner Frau. Kennen gelernt haben sie sich übrigens in einer Notsituation: Beide erledigten in Südamerika einen Auftrag und gaben sich spontan als Paar aus, als vom Militär nach allein Reisenden gesucht wurde.

Natürlich fliegt irgendwann das Cover der beiden auf: Sie erkennen, auf wen sie sich da eingelassen haben - und bekriegen sich fortan. Wie unsinnig? Wie kindisch? Genau. Die Smiths könnten rachsüchtiger nicht sein: Sie zerschießen ihr Haus, lassen Fahrstühle mit dem ehemals Geliebten in die Tiefe sausen und versuchen auch sonst alles, um sich gegenseitig umzubringen.

Erst als die ursprünglichen Auftrag- und Arbeitgeber der mordlüsternen Turteltauben es auf sie abgesehen haben, weil eine solche Beziehung offenbar nicht schicklich für das Killergeschäft ist, finden sie wieder zusammen und knallen alles ab, was böse dreinschaut und ihnen zu nahe kommt. Dabei gilt, was in der Actiontradition des Hollywoodkinos mittlerweile schon fast Nostalgiegefühle hervorruft: Die Helden sind scheinbar unverwundbar - oder die schießwütigen Gegner zu blöd zum Zielen.

Der Witz verlässt den Film auf leisen Sohlen. Dabei fängt die feurige Beziehungskiste viel versprechend an: Pitt und Jolie sitzen beim Eheberater. Sie kann sich noch daran erinnern, wie lange sie schon verheiratet sind. Er ist sich da nicht so sicher. Die pointierte Unterhaltung, gespickt mit Andeutungen und gekennzeichnet durch das höchst normale Auseinanderleben in einer modernen Ehe, dauert wenige Minuten. Dann beginnt das, wogegen Hitchcock sich immer verweigerte: hohle Action.

Leif Kramp

Credits:
V:Kinowelt, USA 2005, R: Doug Liman, D: Brad Pitt, Angelina Jolie, Adam Brody u.a.


Seit sechs langweiligen Ehejahren verheimlicht John Smith (Brad Pitt) seiner Frau, dass er Profikiller ist.
Seit sechs langweiligen Ehejahren verheimlicht John Smith (Brad Pitt) seiner Frau, dass er Profikiller ist. (Kinowelt Filmverleih GmbH)

Jane Smith (Angelina Jolie) arbeitet für eine Todesagentur, bei der ausschließlich weibliche Top-Killer angestellt werden.
Jane Smith (Angelina Jolie) arbeitet für eine Todesagentur, bei der ausschließlich weibliche Top-Killer angestellt werden. (Kinowelt Filmverleih GmbH)

Als auf Benjamin Danz (Adam Brody) sowohl Mr. als auch Mrs. Smith als Killer angesetzt werden, wird das jahrelange Geheimnis des Ehepaars aufgedeckt.
Als auf Benjamin Danz (Adam Brody) sowohl Mr. als auch Mrs. Smith als Killer angesetzt werden, wird das jahrelange Geheimnis des Ehepaars aufgedeckt. (Kinowelt Filmverleih GmbH)

Datum: 16.07.2005

Facebook aktivieren

Diskussion: "Mr. & Mrs. Smith"

Um eine Diskussion zu "Mr. & Mrs. Smith" zu beginnen melden Sie sich bitte im Forum an. Wenn Sie noch nicht registriert sind, können sie sich jetzt registrieren um an den Diskussionen teilzunehmen.
Artikel ID 156448

Weitere Artikel, die Sie interessieren könnten:

    Das Leben der Anderen
    Es hat einige Zeit und viele ostalgisch verklärte Rückblicke lang gedauert, bis sich deutsche Filmemacher ernsthaft und differenziert mit der real existierenden Vergangenheit der DDR beschäftigten. Nach ...

    Almoust Famous
    Das Leben ist eine schnelle Sache geworden. Kein Kutscher, kein wochenlanger Ritt, um eine Nachricht zu überbringen. Wie viel Wärme versprüht in dieser Zeit ein handgeschriebener Brief statt einer E-Mail, ...

    Geliebte Lügen
    Kommt der Hochmut vor dem Fall? Nach Julian Fellowes' Kinoerlebnis "Geliebte Lügen" muss dieser Satz neu überdacht werden. Eine Menage à trois, nach einer Romanvorlage ins Bild gerückt, bietet die geduldige ...

    Lulu
    Mit seiner "Lulu" hatte Frank Wedekind (1846 - 1918) einige Probleme. Es war schon schlimm genug, eine Hure in den Mittelpunkt eines Dramas zu stellen, noch schlimmer aber war, dass Wedekind, der wegen ...

    Auf Messers Schneide
    Die beiden Männer können sich von Anfang an nicht leiden. Natürlich geht's um die Gunst einer Frau. Der Streit wird verständlich, handelt es sich doch bei der umworbenen Schönheit um niemand anders als ...

    Birdy
    Oscar-Preisträger Nicolas Cage ist hochproduktiv. Doch bei den vielen Filmen, die er dreht, ist alles möglich: Enttäuschung ("Corellis Mandoline") bis Verzückung ("Leaving Las Vegas") beim Zuschauer. Zuletzt ...


 
Anzeige
livedome
Konzert-DVD im Stream
Gentleman
Gentleman am 27.04. ab 20.00 Uhr als » Musikstream

Anzeige
.
Partner von Fantastic Zero


itemid = 31 - id = 60 - task = view - option = com_content - limitstart= 0