(tsch) Für "Auf Wiedersehen, Kinder" (1989) kehrte Louis Malle zwei Jahre zuvor, nach über zehnjährigem Amerika-Aufenthalt, in seine französische Heimat zurück. Der Film erzählt die Geschichte einer abrupt zerstörten Freundschaft und einer Kindheit in der Zeit von Verfolgung, Krieg und Faschismus. Unspektakulär inszeniert und gerade deshalb authentisch, basiert das Zeitgemälde auf Kindheitserinnerungen des Regisseurs, der 1944 als Elfjähriger ein Internat in Fontainebleau besuchte. Die damaligen Erfahrungen beeinflussten Malles spätere Karriere stark und schürten seine "Rebellion gegen die Gewalttätigkeit der Erwachsenen", wie der am 23. November vor zehn Jahren verstorbene Regisseur einmal bekannte.
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Nur widerwillig kehrt der elfjährige Fabrikantensohn Julien in den Wirren der Besatzungszeit nach den Ferien aus dem unsicher gewordenen Paris in sein katholisches Internat bei Fontainebleau zurück. Schon bald ist er fasziniert von seinem neuen Mitschüler Bonnet, einem stillen und hochbegabten Jungen. Als er eines Tages entdeckt, dass Bonnet ein jüdischer Waisenjunge ist, der von den Patres im Kloster vor den Nazis versteckt wird, entsteht zwischen den beiden eine unzertrennliche Freundschaft. Doch die grausame Wirklichkeit holt die beiden ein: Als der Küchenjunge Joseph wegen Schwarzhandels entlassen wird, schwört er Rache - wenig später steht die Gestapo im Haus.
Wie in den meisten seiner Werke wandte sich Malle auch hier gegen den Konformismus und die Doppelmoral der bürgerlichen Gesellschaft und prangerte die Verlogenheit der Bourgeoisie an. Malle gelang ein bewegender, niemals sentimentaler Film, der angesichts des damaligen Prozesses um den NS-Verbrecher Klaus Barbie in Frankreich große Aufmerksamkeit erregte.
Malle, am 30. Oktober 1932 geboren und einer der wichtigsten Vertreter der Nouvelle Vague, lernte - anders als seine Kollegen und früheren Kritiker der Zeitschrift "Cahiers du cinéma" - das Handwerk von der Pike auf, unter anderem bei Jacques Cousteau und Robert Bresson. Der internationale Ruhm kam mit dem Jeanne-Moreau-Film "Fahrstuhl zum Schafott", dem zahlreiche Klassiker folgten, darunter "Atlantic City, USA" von 1979, in dem er seinen inneren Abschied von Amerika und dessen Träumen nahm.
Im Laufe seiner außergewöhnlichen Karriere bekam Louis Malle zahlreiche Preise. Vier Mal wurde er für den Oscar nominiert, so auch mit "Auf Wiedersehen, Kinder". Der Film erhielt ein Jahr zuvor in Venedig den Goldenen Löwen.
Anlässlich seines zehnten Todestages am 23. November widmet ihm der Kulturkanal ARTE eine kleine Sendereihe. So werden neben "Auf Wiedersehen, Kinder" am Montag, 14.11., um 20.45 Uhr "Eine Komödie im Mai" und am Mittwoch, 23.11., um 22.45 Uhr "Die Liebenden" gezeigt.
Hans Czerny
Fernab von Krieg und deutscher Besatzung scheint sich in Fontainebleau ein ganz normaler Internatsalltag zu entwickeln (ganz links: Gaspard Manesse). (ARTE)
Zwischen dem jüdischen Waisenjungen Jean Bonnet (Raphael Fejtö, links) und seinem Mitschüler Julien Quentin (Gaspard Manesse) entwickelt sich eine innige Freundschaft. (ARTE)
Nur widerwillig verabschiedet sich Julien (Gaspard Manesse) von seiner Mutter, Madame Quentin (Francine Racette), um nach den Ferien aus dem unsicher gewordenen Paris ins Internat nach Fontainebleau zurückzukehren. (ARTE)
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