The Cure - 4:13 Dream

The Cure 4:13 Dream

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Wäre man Marketingstratege, Unternehmensberater oder etwas von vergleichbarem Kaliber, dürfte man The Cure als vorbildlich loben. Mit seiner wirren Sturmfrisur verkörpert Robert Smith schon äußerlich eine Trademark wie einst Hitchcocks Silhouette. Und auch der Sound der Band, der zwischen Pop-Leichtigkeit und Wave-Schwermut zwar in allen Facetten variiert wurde, blieb über nunmehr rund drei Jahrzehnte doch stets als unverwechselbar erhalten. Dass mit "4:13 Dream" nun das, richtig: 13. Album der Band erscheint, ist somit in erster Linie Ausdruck von Beständigkeit und in diesem Fall erfreulichem Durchhaltevermögen.

"4:13 Dream" beginnt, wie eine Cure-Platte meistens beginnt: mit einer ellenlangen Exposition aus quengelnden, übereinander getürmten Wave-Gitarren, ehe der Dichter irgendwann das Wort ergreift: "Floating here like this with you / Underneath the stars / Alight for 13 billion years / The view is beautiful and ours alone tonight." Die Schwermut, der Überschwang, die Melancholie, die Romantizismen. Alles ist von Beginn an da und wird die Platte nicht mehr verlassen.

Natürlich offenbart "4:13 Dream" nichts wirklich Neues, tariert Smith seine Songs innerhalb vertrauter Koordinaten aus. Doch gelingt ihm das über weite Strecken in einer Frische und Prägnanz, die zuletzt nicht immer vernehmbar war. Das nervöse "Freakshow" dreht das Temperament der "Love Cats" durch den Reißwolf. Noch besser funktioniert "The Real Snow White", druckvoll und fluffig zugleich, eine Popschwärmerei, circa "Kiss Me, Kiss Me, Kiss Me". Und im schönen "The Reasons Why" erinnern die Gitarren stärker denn je an die langjährigen Weggefährten New Order.

Einmal mehr trägt Smith sämtliche erprobten Cure-Effekte dick auf, was die Songsubstanz gleichwohl vernebeln kann. So bleiben vom durchaus beschwingten "Sleep When I'm Dead", einer von vier Vorab-Singles, vor allem flirrende Halleffekte und überreizte Wah-Wah-Gitarren hängen. Beim anschließenden "The Scream" darf man sich von der ungebremsten Krachmeierei schon ein wenig genervt fühlen. Zuletzt in "It's Over", nicht weniger stürmisch, kriegt Smith dann wieder die Kurve. "I Can't Do This Anymore", klagt er hier, doch ist das natürlich Koketterie. So vertieft sich der traurige Poet willfährig in den Zauber der späten Stunden. "It's raining and I'm cold / And it's late and you're out again".

Von Sternen ist auf "4:13 Dream" überhaupt viel die Rede. Von hellen Nächten, unruhigen Geistern und einsamen Seelen. Eine Nachtplatte, naturgemäß. Die finsterste der Band ist die ominöse 13. indes nicht.

Jens Szameit


Datum: 31.10.2008

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