(tsch) Gnadenlos zoomt die Kamera auf das blutverschmierte Gesicht der jungen Frau. Auge in Auge sieht sie sich ihrem Mörder gegenüber, der ihr zum Lebewohl mit einem Taschentuch das Blut abwischt. "Bill" ist auf dem Stoff zu lesen. Bill kennt kein Erbarmen. Doch die "Braut", wie sie genannt wird, tut das auch nicht. Als sie fünf Jahre nach dem missglückten Mordanschlag aus dem Koma erwacht, bereitet die ehemalige Profi-Killerin "Black Mamba" (Uma Thurman) einen blutigen Rachefeldzug vor. Ihr finales Ziel: "Kill Bill". ProSieben wiederholt den ersten Teil von Quentin Tarantinos Martial-Arts-Epos (2003), das am Sonntag, 30.11., im zweiten Teil seinen Abschluss findet.
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Wenn Nancy Sinatra zu Beginn ihr launiges Liedchen "Bang Bang, My Baby Shot Me Down" singt, befinden wir uns schon mittendrin im verstörenden Universum des Quentin Tarantino, der momentan internationale Filmprominenz am Set von "Inglourious Basterds" um sich schart. Brad Pitt, Christoph Waltz, Diane Kruger und Mike Myers sind nur ein paar der Hochkaräter, die der Kultregisseur gewinnen konnte.
Mehr als drei Stunden dauerte der Film des "Pulp Fiction"-Machers. So viel Tarantino auf einmal wollten die Weinstein-Brüder von der Produktionsfirma Miramax den Zuschauern doch nicht zumuten, weshalb "Kill Bill" kurzerhand wie durch einen Katana-Hieb zweigeteilt wurde.
"Kill Bill Vol. 1" ist der Auftakt zu einer bildgewaltigen Hommage an die Kung-Fu-Filme der 70er-Jahre. Für die Rolle des ominösen Bill reaktivierte Tarantino denn auch David Carradine, den Star der Seventies-Serie "Kung Fu", der seinen großen Auftritt erst im zweiten Teil hat. Voll im Bilde - und das in jeder Beziehung - ist dagegen Bills Gegenspielerin: Uma Thurman spielt "Die Braut", eine Auftragskillerin, die den heimtückischen Anschlag ihres ehemaligen Chefs und Geliebten überlebt und blutige Vergeltung schwört.
Doch zunächst muss Bills Killerkommando, die Mitglieder der Deadly Viper Assassination Squad, zur Strecke gebracht werden. Vernita Green (Vivica A. Fox) und die Halbjapanerin O-Ren Ishii (Lucy Liu), die maßgeblich an dem Anschlag bei ihrer Hochzeit beteiligt waren, sind die Ersten auf der Todesliste.
Den Höhepunkt bildet im ersten Film die Konfrontation mit O-Ren, die mittlerweile zur Yakuza-Chefin von Tokio aufgestiegen ist. Im "Haus der Blauen Blätter", einer Art fernöstlichem Pendant zum Jack Rabbit Slim's, dem 50er-Jahre-Restaurant in "Pulp Fiction", stehen sich die beiden zum Kampf auf Leben und Tod gegenüber. Hier wird eine durch und durch stilisierte Kinowelt entworfen, die vorher von sämtlichen Bezügen zur Realität gründlich gereinigt wurde. Nirgendwo wird das deutlicher als in der perfekt choreografierten Kampfszene zwischen der Braut, O-Ren Ishii und ihren Leibwächtern, in der gleich literweise Kunstblut aus abgehackten Gliedmaßen sprudelt.
Gewalt und Brutalität sind Teil einer Inszenierung, die Tarantino ganz bewusst an der Grenze zur Karikatur angesiedelt hat. Indem er unterschiedliche Genres auf ungewöhnliche Weise miteinander kombiniert, erzielt er einige durchaus ironische Effekte: etwa, wenn das Samurai-Duell zwischen den beiden Kontrahentinnen von Flamenco-Rhythmen und einem Tex-Mex-Soundtrack untermalt wird, wie er bei Spaghetti-Western üblich ist. Mit seinen typischen Dialogen hält sich Tarantino allerdings stark zurück.
Jan Treber
Die ehemalige Killerin "Die Braut" (Uma Thurman) mäht auf ihrem gnadenlosen Rachefeldzug alles nieder, was sich ihr in den Weg stellt. (ProSieben / Miramax Films / Dimension Films)
Weil sie aussteigen wollte, haben Elle (Daryl Hannah, links), Vernita (Vivica A. Fox, zweite von links), Budd (Michael Madsen) und O-Ren Ishii (Lucy Liu) der hochschwangeren "Braut" am Tag ihrer Hochzeit eine Kugel in den Kopf gejagt. (ProSieben / Miramax Films / Dimension Films)
Elle Driver (Daryl Hannah, stehend) will ganz sicher gehen, dass "die Braut" (Uma Thurman) nie mehr aus dem Koma erwacht. (ProSieben / Miramax Films / Dimension Films)
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