Der alte Affe Angst: Marie Bäumer in einem schwer erträglichen Liebesfilm
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Der alte Affe Angst
(tsch) Das sexuelle Verhalten des Mannes ist nicht kompatibel mit dem, was Frauen möchten, lautet Oskar Roehlers These. Und die sollte man sich immer mal wieder ins Gedächtnis rufen, wenn man sich "Der alte Affe Angst" (2003) bei ARTE ansieht. Denn wenn Roehler einen Film macht, dann ist er dabei bedingungslos und sehr persönlich. Diese Stärken zeichnen auch den selbstquälerischen Versuch von Robert und Marie aus, ihre Liebe zu bewahren. Mit einem Minimum an Dialogen und dem ständigen Wechsel von tiefem Fall und überschäumender Euphorie ist "Der alte Affe Angst" ein verstörender, visuell beeindruckender Film über die Schwierigkeiten und das Elend, das in jeder Beziehung steckt.
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Roehler, dessen Houellebecq-Verfilmung "Elementarteilchen" recht oberflächlich blieb, legt Gefühle offen und bedient sich gewaltiger Bilder, schwer erträglicher Brutalität und ebenso großen Leids. André Hennicke und Marie Bäumer, die für ihre Rolle mit dem Bayerischen Filmpreis als beste Darstellerin geehrt wurde und zuletzt in "10 Sekunden" wieder mal in einer Kino-Hauptrolle zu sehen war, schreien sich bereits in der ersten Szene derart an, dass sich ihre Stimmen überschlagen.
Er heißt Robert und ist Redakteur beim Fernsehen, Marie arbeitet im Kinderkrankenhaus. Das Licht flackert hell und zieht sich wieder hinter die Jalousien zurück, während Marie ihm heulend Vorwürfe macht. Wenn er "Dass ich mit dir zusammen bin, obwohl ich dich nicht begehre, rechnest du dir an!" erwidert, wird schon klar, auf welch brüchigem Terrain man sich befindet. Es geht um Sex, der nicht stattfindet, um Einsamkeit trotz Beziehung.
Obsessionen zeigt Roehler direkt, um explizite Szenen macht er keinen Bogen. Zumal die Außenwelt die emotionalen Konflikte verstärkt: Roberts Vater stirbt, die Nutte, zu der Robert geht, hat Aids, und sein sinnloser Job in der Entertainment-Branche setzt schöne Kontrapunkte zur Persönlichkeitsentwicklung, die er durchläuft. Der Zuschauer spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Dass er als Beobachter den Einstieg nicht findet, wenn die Protagonisten sich über ein Ereignis vor fünf Jahren unterhalten, macht scheinbar nichts. Er wird ohnehin genug beschäftigt sein, die bizarren Ereignisse zwischen Marie und Robert zu verarbeiten.
Jasmin Herzog
Das Leid versteckt sich in den schönsten Bildern: Marie (Marie Bäumer) und Robert (André Hennicke) versuchen, sein Verlangen neu zu erwecken. (BR / Marco Meenen)
Nur mit Prostituierten (Eva Habermann) kann Robert (André Hennicke) seine Sexualität ausleben. (BR / Marco Meenen)
Zwischen tiefem Fall und überschäumender Euphorie: Marie (Marie Bäumer) und Robert (André Hennicke) quälen sich im Kampf um ihre Liebe. (BR / Marco Meenen)
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