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Daniel Radcliffe, Schauspieler

"Wir sind keine Kinderdarsteller mehr"

Schauspieler Daniel Radcliffe

(tsch) Daniel Radcliffe ist schon seit fünf Jahren ein Star. Doch nun kommt er in das Alter, um seine Berühmtheit auch zu genießen - oder zu fürchten. Der 16-jährige Brite bleibt aber so offenherzig wie eh und je und damit dem Image seines Alter Egos treu: Harry Potter, der weltweit berühmteste Zauberschüler ist wohl kaum freundlicher und zuvorkommender als Radcliffe selbst. Nur eine Brille trägt der Rockfan im wahren Leben nicht. Der vierte Film aus der Potter-Reihe, "Harry Potter und der Feuerkelch" (Start: 17.11.), überrascht zum ersten Mal mit einer kräftigen Prise Romantik. Für Daniel Radcliffe Anlass genug, auch selbst über die Liebe zu sprechen. Zum ersten Mal sagt er es aus eigenem Munde: Er hat eine Freundin - gehabt. Leider ist alles schon wieder vorbei. Doch die Fühler sind ausgestreckt - eben so, wie es Harry im Film vormacht. Und schon kursieren neue Gerüchte - die Boulevardpresse und Paparazzi gehen in Stellung. Bald ist Radcliffe volljährig, und der Welpenschutz könnte passé sein. Zurzeit liest er das Buch "Survivor" von Chuck Paloneock - zur Vorbereitung für schlimme Zeiten? Offen und nicht selten augenzwinkernd spricht Daniel Radcliffe über Macht, Liebe und peinliche Momente während der Dreharbeiten.

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teleschau: Wen würdest Du am liebsten zum Ball ausführen? Lass ruhig Deine Fantasie spielen.

Daniel Radcliffe: Ich habe gerade den Film "Garden State" gesehen und mich dabei sofort in Natalie Portman verliebt. Sie wäre also schon mal die erste Kandidatin. Aber auch Scarlett Johansson liegt gut im Rennen (lacht). Sie haben ja gesagt, dass ich meine Fantasie benutzen soll.

teleschau: Wohin würdest Du Deinen Schwarm ausführen?

Radcliffe: Vielleicht eine Tour durch die Leavesden Studios? Naja, ich kann mir, ehrlich gesagt, einen romantischeren Ort vorstellen. Was wollen Mädchen denn bei einem Date wirklich gerne machen? Gotcha spielen? Würde ja Spaß machen, aber ich weiß nicht. Bei den Klassikern, zum Beispiel dem Abend im Kino, bin ich mir auch nicht so sicher. Im Kino würde ich doch nur unter dem Druck stehen, so zu tun, als würde ich gähnen, nur um meinen Arm um ihre Schultern zu legen. Das wäre doch äußerst peinlich. Solche Klischees mag ich nicht.

teleschau: Deine Schauspielkollegin Katie Leung, im Film der große Schwarm von Harry, freut sich schon, Dich im nächsten Film zu küssen. Du auch?

Radcliffe: Diesmal bin ich ja drum herum gekommen, weil sich Harry und Cho ja erst im fünften Band küssen. Es war also auf jeden Fall nicht geplant, es schon diesmal einzubauen. Auf jeden Fall gibt es niemanden, der eifersüchtig sein könnte. Ich hatte zwar eine Freundin, aber im Moment: Fehlanzeige. Wir, das heißt auch Rupert und Emma, sind alle ganz arme Singles.

teleschau: Hast Du Pläne, wie es mit Dir nach Harry Potter weitergehen könnte?

Radcliffe: Die vergangenen fünf Jahre waren irgendwie merkwürdig, aber auch wirklich toll und werden mich deswegen natürlich nicht so einfach wieder loslassen. Wir haben ja auch noch eine Weile mit dem Harry-Potter-Kosmos zu tun. Ein fünfter Film kommt bestimmt, aber ob es eine Verfilmung des sechsten Buches gibt, steht noch nicht definitiv fest. Wer weiß? Beim dritten stand ja auch noch nicht fest, dass wir einen fünften machen. Mal schauen. Ob ich bei allen ausstehenden Teilen dabei sein werde, weiß niemand.

teleschau: Für einen vollkommen anderen Film gingst Du nach Australien. Mit welchen Eindrücken kehrtest Du zurück?

Radcliffe: So weit, dass ich emigriere, wird es wohl nicht kommen. Ich war schließlich erst zweimal in Australien. Aber die Leute haben schon etwas Nettes an sich: Dauernd lächeln sie einen an, als wäre man ihr bester Freund. Die Dreharbeiten dort haben sehr viel Spaß gemacht. Im Film geht es um vier Jungen, die in einem Waisenhaus im australischen Hinterland aufwachsen. Dann werden sie für einige Wochen auf See geschickt.

teleschau: Machst Du Dir Gedanken, wie die Geschichte mit Harry weitergehen könnte?

Radcliffe: Als der dritte Film in die Kinos kam, habe ich der Presse erzählt, ich könnte mir durchaus vorstellen, dass Harry auch mal sterben könnte, vielleicht im nächsten Buch. Am nächsten Tag lauteten alle Schlagzeilen gleich: "Daniel sagt: Harry ist tot!" So meinte ich das doch aber gar nicht. Aber ich hätte nichts gegen ein paar Veränderungen. Zum Beispiel könnten wir ja mal den Drehort wechseln: Raus aus dem Leavesden Studios in die Karibik zum Beispiel - oder Thailand.

teleschau: Was verbindet Dich mit dem Zauberschüler?

Radcliffe: Harry war für mich immer leicht zu spielen. Schließlich war er immer in einer Verfassung, in der ich mich auch gerade befunden hatte. Ich bin ihm ja altersmäßig nur ein bis zwei Jahre voraus und kenne all die Hormongeschichten, die er durchmacht. Und das hört ja in meinem Alter noch längst nicht auf. Seit ich elf Jahre alt war, bin ich eng mit dem Charakter verbunden. Ich habe ihm viel zu verdanken. Vor allem, dass ich durch ihn erst richtig schauspielern gelernt habe.

teleschau: Wirst Du bevorzugt behandelt, wenn ein neuer Potter-Band veröffentlicht wird?

Radcliffe: Ich muss da genauso warten wie alle anderen auch. Aber ich stelle mich nicht in die langen Schlangen, die sich schon um Mitternacht vor den Buchläden bilden, wenn ein neuer Band erscheinen soll. Ich habe es mir im Internet bestellt. Das Buch kam also per Post - auch rechtzeitig. Ich war nicht so mutig wie Emma, die sich wirklich angestellt hat.

teleschau: Diesmal ist der Film ja sehr romantisch: Was war der peinlichste Moment für Dich bei den Dreharbeiten?

Radcliffe: Das war definitiv der Teil des Films, in dem ich tanzen muss. Meine Tanzpartnerin Shefali Chowdhury ist zwar total verrückt gewesen, aber auch irgendwie anbetungswürdig. Ich war am Ende aber doch zufrieden, weil man mich nur von der Hüfte auf sehen kann. Alles, was sich darunter abgespielt hat, bleibt dem Zuschauer glücklicherweise verborgen. Meine Beine haben sich wirklich komisch bewegt. Dabei sind meine Eltern Preisträger im Tanzen! Ich dachte eigentlich, ich hätte da etwas von ihnen geerbt.

teleschau: Gibt es einen besonderen Höhepunkt Deiner vergangenen Zeit als Harry Potter?

Radcliffe: Im Grunde ist es immer das Schönste, wenn ein Film komplett fertig ist. Wir sind elf Monate damit beschäftigt und sehen das dann komprimiert in zwei Stunden auf der Leinwand. Aber das Beste für mich persönlich ist, dass mein bester Freund, Will Staggle, selbst die ganze Zeit am Set war. So etwas ist immer eine angenehme Unterstützung. Abgesehen von Harry Potter war mein persönliches Highlight dieses Jahr das Reading Music Festival. Ich war zum ersten Mal dort. Das waren die besten drei Tage meines Lebens. Es war zwar fürchterlich kalt und schlammig, und ich war am Ende komplett fertig, weil mir einfach der Schlaf gefehlt hat, aber das machte nichts. Was Musik angeht, bin ich sehr leidenschaftlich! Besonders beeindruckt mich zurzeit eine Band, die bestimmt sonst keiner kennt: Clap Your Hands And Say Yeah. Aber ich mag sonst noch The Rakes, Dogs, Hard-Fi, The Libertines - obwohl sie es leider nicht mehr gibt - und eine US-Band mit dem Namen Louis XIV und We Are Scientists.

teleschau: In welcher Form hat sich Dein Leben in den letzten Jahren verändert?

Radcliffe: Als wir mit dem ersten Film anfingen, war ich elf und Rupert zwölf Jahre alt. Seitdem sind wir zwar auf normale Weise, aber natürlich keineswegs in normaler Umgebung aufgewachsen. Manche Leute schenken uns nur schwer Glauben, dass wir wirklich ganz normal leben. Manche werfen uns daher auch vor, wir würden lügen. Aber wir gehen auch mal aus, obwohl ich dabei manchmal einen Hut tragen muss. Wir sind keine Kinderdarsteller mehr. Das war einmal. Jetzt können wir machen, was wir wollen, aber natürlich immer in Absprache mit dem Regisseur. Wir haben auch eine Verantwortung.

teleschau: Und wie hast Du Dich selbst verändert?

Radcliffe: Als alles begann, unterhielt ich mich mit dem Produzenten David Heyman dauernd über die World Wrestling Federation (WWF). Jetzt, fünf Jahre später, lese ich Zola. Ist das eine Entwicklung? Ich weiß nicht, schließlich passt zwischen die beiden Themen ja nur eine Haarsträhne, so eng sind sie miteinander verbunden. Wenn man es sich genau überlegt, steckt sehr viel Zola im Wrestling.

teleschau: Wie ist es, während der Dreharbeiten immer eine Brille tragen zu müssen?

Radcliffe: Ich habe es im ersten Film mit Kontaktlinsen versucht. Das musste ich vor allem, weil Harry ja grüne Augen hat - meine sind einfach zu blau. Aber das war so schmerzvoll, dass ich sie wieder rausnehmen musste. Ich werde mich also nie wieder auf diese Straße des Schmerzes begeben, wenn ich es vermeiden kann. Joan K. Rowling hat ein Zeichen für all die gesetzt, die in der Schule oder in noch jüngeren Jahren als vieräugig gehänselt werden. Sie hat Brillenträger immer in Schutz genommen. Eine Brille zu tragen, ist wieder cool, seit es Harry Potter gibt.

teleschau: Bist Du Dir Deiner Macht bewusst?

Radcliffe: Ich sehe es weniger wie Macht. Ich fühle eine gewisse Art von Verantwortung. Aber ich bestehe schon darauf, morgens in einer Staatskarosse abgeholt und am Set immer auf einer Sänfte umher getragen zu werden. (lacht) Quatsch: Die einzige Zeit im Jahr, in der ich mich berühmt fühle, sind die zwei Tage um die Filmpremiere herum. Das war's dann aber auch. Vielleicht ändert sich das ja, wenn wir alle 18 Jahre alt werden. Mit der Volljährigkeit werden wohl auch die Paparazzi kommen. Vielleicht haben sie uns bisher ja wegen unseres Alters bewusst in Ruhe gelassen.

Leif Kramp


Seit fünf Jahren ein Star: Daniel Radcliffe ist Harry Potter.
(2005 Warner Bros. Entertainment Inc. Harry Potter Publishing Rights © J.K Rowling.)
Seit fünf Jahren ein Star: Daniel Radcliffe ist Harry Potter. (2005 Warner Bros. Entertainment Inc. Harry Potter Publishing Rights © J.K Rowling.) (Warner)

Gemeinsam auf dem Weg, erwachsen zu werden. Rupert Grint (links), Daniel Radcliffe und Emma Watson sind die Hauptdarsteller in den Harry-Potter-Verfilmungen.
(2005 Warner Bros. Entertainment Inc. Harry Potter Publishing Rights © J.K Rowling.)
Gemeinsam auf dem Weg, erwachsen zu werden. Rupert Grint (links), Daniel Radcliffe und Emma Watson sind die Hauptdarsteller in den Harry-Potter-Verfilmungen. (2005 Warner Bros. Entertainment Inc. Harry Potter Publishing Rights © J.K Rowling.) (Warner)

Daniel Radcliffe (16, links) arbeitete diesmal mit dem Regisseur Mike Newell zusammen.
(2005 Warner Bros. Entertainment Inc. Harry Potter Publishing Rights © J.K Rowling.)
Daniel Radcliffe (16, links) arbeitete diesmal mit dem Regisseur Mike Newell zusammen. (2005 Warner Bros. Entertainment Inc. Harry Potter Publishing Rights © J.K Rowling.) (Warner)

Datum: 12.11.2005

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