Lichter der Vorstadt: melancholischer Film von Aki Kaurismäki
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Lichter der Vorstadt
(tsch) Nach Arbeitslosigkeit ("Wolken ziehen vorüber", 1996) und Obdachlosigkeit ("Der Mann ohne Vergangenheit", 2002) ging Aki Kaurismäki den konsequenten nächsten Schritt und beraubte seinen Helden der gesamten Existenz. Der finnische Regisseur fuhr im dritten Teil seiner Verlierer-Trilogie die bislang schwersten Geschütze auf, "Lichter der Vorstadt" (2006) ist deutlicher und heftiger als seine Vorgänger. Der große Melancholiker ist aber auch ohne die fehlende Subtilität wie gewohnt kritisch, hinreißend schön und natürlich auch lakonisch. ARTE zeigt die finale Schlacht gegen die urbane Einsamkeit der Moderne - es geht um den sozialen Abstieg, der so tragisch wie unverdient, so endgültig wie trostlos ist - als Erstausstrahlung.
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Koistinen (Janne Hyytiäinen) hat keinen Vornamen, dafür aber einen langweiligen Job mit mobbenden Kollegen. Als Wachmann einer Sicherheitsfirma zieht der verschlossene Mann wie ein einsamer Großstadt-Cowboy schweigsam seine Kreise durch Einkaufszentren und neonbeleuchtete Labyrinthe. Geredet wird dabei nicht viel, aber es gibt niemanden, der Blicke so intensiv inszenieren kann wie Kaurismäki. Die Augen sind der Mund, sie erzählen von Sehnsucht und Verlangen, von Einsamkeit und Unsicherheit.
Doch hinter der freudlosen Fassade keimt ganz zart und hilflos die Lust nach Leben. Kaurismäki gesteht seinem Ritter von der traurigen Gestalt Träume zu. Eine eigene Firma, das wär's. Aber Träume sind hier nur dazu da, um brutal zerstört zu werden. Mirja (Maria Järvenhelmi) hat's gegeben, Mirjas Komplizen werden's nehmen. Die schöne Gangsterbraut macht dem "Jammerlappen" schöne Augen. Und Koistinen fällt drauf rein. Freiwillig und bei vollem Bewusstsein. Sie gaukelt ihm Liebe vor, er gibt sich der Fantasie hin. Dabei spioniert ihn Mirja nur aus, für einen Coup, den ihr russischer Mafiosi-Freund plant.
Das einzige Licht in dem grausamen Großstadt-Märchen strahlt aus einer Frittenbude, die in Koistinens Plattenbausiedlung steht. Dort arbeitet Aila (Maria Heiskanen), die den fatalistischen Schweiger heimlich liebt. Mehr braucht es manchmal nicht in einer Welt, die einen nicht will. Sie schreibt ihm Briefe ins Gefängnis, die Koistinen zwar zerreißt, aber die ihm trotzdem das einzige Lächeln des Films ins Gesicht zaubern.
Koistinens Weg ist vorgezeichnet. Er kann nicht von ihm abweichen, ist geprägt. Kauismäki hat ihn herzlos als Verlierer konditioniert und ist dabei mit bemerkenswerter Perfidie vorgegangen. Weil sich Koistinen nach Liebe sehnt, weil er Wärme braucht und ihm Kaurismäki das auch zugesteht. Diese emotionalen Zustände sind aber am Rande der Gesellschaft fast schon ein Luxus. Auch Werte wie Vertrauen, Treue, Loyalität sind da nur fehl am Platz. Die Welt ist ein kalter Ort.
Andreas Fischer
Konsequenter als gewohnt schickt Aki Kaurismäki in "Lichter der Vorstadt" einen Verlierer auf einen melancholischen Trip in den sozialen Untergang: Koistinen (Janne Hyytiäinen) wird dabei von Mirja (Maria Järvenhelmi) begleitet. (ZDF / Timo Salminen)
Kaum jemand inszeniert Einsamkeit so eindringlich wie Aki Kaurismäki: Im Alleinsein von Anti-Held Koistinen (Janne Hyytiäinen) liegt eine eigenwillige Schönheit. (ZDF / Timo Salminen)
Es ist nur ein kurzer Moment der Zweisamkeit, den Koistinen (Janne Hyytiäinen) mit Mirja (Maria Järvenhelmi) genießen darf. (ZDF / Timo Salminen)
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