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1968 Tunnel Rats(mb/tsch) Dr. Uwe Boll ist ein Vieldreher: Wo andere Regisseure zwei, drei Jahre für einen Kinofilm brauchen, spult er schon mal drei in einem Jahr ab. "1968 Tunnel Rats" ist nach "Far Cry" mit Til Schweiger sein zweiter in diesem Jahr. Es geht um Tunnel, die von den Vietnamesen während des Kriegs in ihrem Land als Verteidigungssystem gebaut wurden. Amerikanische Soldaten nahmen den unterirdischen Kampf auf, ohne zu wissen, wie die Tunnel angelegt waren. Die Brutalität dieser Kämpfe zeigt Boll ungeschminkt, die banalen Dialoge sollen die Realität widerspiegeln. Ein Konzept, das zum Teil aufgeht. Anzeige "In The Year 2525" hallt es einem zu Beginn entgegen und das soll noch nicht das unangenehmste musikalische Beiwerk gewesen sein. Platt ist das, wie auch die sich gen Ende hin erhebenden Scores, die einen Hans Zimmer samt "Black Hawk Down" an Pathos überbieten wollen. Doch über weite Strecken verzichtet Boll auf Musik, lässt die Bilder wirken. Natürlich mag einer - und nicht nur einer - über Dialoge streiten, die an Inhaltslosigkeit nicht zu toppen sind. Genau so, so verteidigt sich Boll, sehe aber die Realität aus. Und die wünscht er abzubilden. Der Betrachter sieht eine Truppe amerikanischer Soldaten, die die Kanalsysteme und die darin schnell umherwuselnden Vietkongs ausrotten möchte. Doch die toughen Sprüche schützen sie nicht davor, wie blutige Anfänger auszusehen. Zu groß und ungelenk sind sie, und vor allem wissen sie nicht, welcher Gang wohin führt. Kaum ärgert man sich über das viele Personal, das Boll auf Seiten der Amerikaner vorstellt, versteht man auch schon, weshalb es so viele Mitwirkende gibt. Das Sterben fängt früh an. So früh, dass keine Zeit bleibt, mit einem oder mehreren vertraut zu werden oder Sympathien aufzubauen. Es bleibt ein anonymer Kampf, lediglich die Gesichter der Soldaten zeugen vom Elend und der Ohnmacht, der sie ausgesetzt sind. Auf dramaturgische Mittel verzichtet der Regisseur, einen Spannungsbogen gibt es nicht. Doch alleine die vielen Aufnahmen in den unterirdischen Gängen, die Boll in Originalgröße in einem südafrikanischen Studio nachbauen ließ, sind sehr beklemmend. Hier und da gelingt ihm auch ein erschreckender Special-Effect, der allerdings weniger die Grausamkeit des Tötens beschreibt, sondern eher den jugendlichen Zuschauer ansprechen dürfte. Ohne die Charaktere näher zu bestimmen, beleuchtet Boll den Zweckoptimismus, der in diesen Ausnahmesituationen herrscht. Er bleibt gnadenlos und verpulvert zum Schluss sein Geld in einem mächtigen Feuerwerk. Zu sagen, es sei ein schmaler Grat, wäre ebenso unsinnig, wie die Annahme, dass gleichnamiger Film zum Vergleich mit einem Boll-Werk dienen könne. Der 43-Jährige, der in anderen Produktionen durchaus mit international bekannten Schauspielern arbeitete, macht B-Ware, die sich über die DVD-Verwertung verkauft. Namhafte Darsteller gibt es auch in diesem Fall nicht. Michael Paré kennt man noch am ehesten, er spielte in vielen Boll-Filmen mit. Trotzdem kann man einen Film über die Unsinnigkeit des Krieges so angehen, wie es der "schlechteste Regisseur aller Zeiten" tut. Und man kann es schlechter machen. Claudia Nitsche |
Credits: Laufzeit: 96 Min. Kinostart:13. November 2008 |
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