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Evangeline Lilly

Manchmal kommt der Insel-Koller

Schauspielerin Evangeline Lilly

(tsch) Es ist keine Überraschung: Producer J.J. Abrams hat mit dem US-Sender ABC ausgedealt, dass seine mit über 16 Millionen Zuschauern pro Folge sensationell erfolgreiche Serie "Lost" in eine zweite Runde gehen wird. Und dass auch Staffel zwei wieder von ProSieben ins deutsche Fernsehen gehievt werden wird, gilt trotz der hier zu Lande etwas schwächer gewordenen Quoten als wahrscheinlich. Zu groß ist der Hype um "Lost", als dass etwas anderes in Frage käme. Überraschender für Fans des packenden Insel-Spektakels kommt da schon eher Platz 75 für Evangeline Lilly bei der FHM-Wahl der "100 sexiest women". Platz 75. Nur. Wer dieses Ex-Model sieht, fragt sich, wo die Leser der US-FHM da hingeguckt haben. Die aus British Columbia (Kanada) stammende Schönheit, die am 3. August 26 Jahre alt wird, präsentierte sich beim Interview, zu dem sie mit einigen anderen "Lost"-Cast-Mitgliedern vom Dreh-Domizil auf Hawaii nach Los Angeles gereist war, als die klassische Löwe-Frau: Perfekt gestylt, äußerst redselig und bestens aufgelegt genoss sie es, der Blickfang zu sein.

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Mit einer fast greifbaren Mixtur aus Selbstbewusstsein und physischer Präsenz sprach die durchtrainierte Freizeitsportlerin über ihre Rolle als Kate, an der Seite von Serien-Held Jack (Matthew Fox).

teleschau: Haben Sie Flugangst?

Evangeline Lilly: Sie meinen, wegen unserer Sendung?

teleschau: Klar, die Flashback-Szenen sind doch der blanke Horror für jeden Flug-Phobiker.

Lilly: Da muss ich Sie enttäuschen. Ich arbeitete früher sogar schon als Flugbegleiterin. Ich kam eigentlich immer gut klar mit der Fliegerei, und ich weiß, dass die Wahrscheinlichkeit, dass so etwas wie in "Lost" in Wirklichkeit passieren könnte, sehr, sehr gering ist. Ich kenne sogar die statistischen Zahlen dazu. Außerdem ist der Absturz in der Serie ein Spezialfall: Man merkt nach und nach, dass es einen ganz besonderen Grund für all das geben muss ... Flugangst ist in unserer Branche jedenfalls nicht angebracht. Obwohl: Es gibt da einen Schauspieler in "Lost" - ich sage nicht, wer es ist -, der muss mit dem Schiff nach Hawaii reisen, weil er seine Ehefrau partout nicht in den Flieger kriegt.

teleschau: Dass Sie mal Flugbegleiterin waren, wird in Ihrer offiziellen Biografie unter den Teppich gekehrt ...

Lilly: Da stehen ja die meisten Jobs, die ich schon mal gemacht habe, nicht drin. Ich hatte halt schon so viele ... Seit meinem 15. Lebensjahr mache ich praktisch wahllos alles Mögliche. Zum Beispiel engagierte ich mich schon als Teenager als Missionarin im Friedenscorps, ich habe dadurch bereits 14 Länder bereist und sogar mal in einer Hütte auf den Philippinen gelebt. Als ich 18 war, hatte ich, glaub' ich, fünf Jobs - und ich ging gleichzeitig in die Universität. Im weiten Feld zwischen Kfz-Lehrling - ich schraubte unter riesigen Hebebühnen an Autos rum - und Flugbegleiterin habe ich kaum etwas ausgelassen.

teleschau: Nun sind Sie ein Fernsehstar. "Lost" entwickelte sich aus dem Stand zu einer der erfolgreichsten Serien im US-Fernsehen. Inzwischen befasst sich die halbe Welt mit dem Schicksal der Inselbewohner. Wie gehen Sie mit dem Rummel um?

Lilly: So viel kriegt man auf der Insel ja gar nicht mit. Und Gott sei Dank ist Matthew Fox nicht nur in der Serie der Anführer. Er ist auch im richtigen Leben unser Held, der uns eine Menge abnimmt und im Zentrum der Aufmerksamkeit steht. Ihn trifft der riesige Medienrummel mit voller Wucht, aber er nimmt es sehr professionell und souverän, so als hätte er vorher schon in 20 oder 30 großen Serien mitgespielt. In dieser Hinsicht können wir alle vieles von ihm lernen.

teleschau: Er hat ja schon Erfahrung als TV-Star. Sie hingegen spielen Ihre erste große Rolle. Dafür wirken Sie erstaunlich entspannt ...

Lilly: (lacht) Habe ich alles von Matthew gelernt! In meinem Leben ändert sich sowieso ständig etwas. Aber es stimmt schon: Wenn ich mal etwas Zeit zum Nachdenken habe, dann frage ich mich: "Wie bist du denn hier hin gekommen? Und: Wann ist denn das alles mit dir geschehen?" Irgendwie wird einem der Rummel nur nicht richtig bewusst, wenn man auf Hawaii dreht und jeden Tag von 5 Uhr morgens bis 10 Uhr in der Nacht arbeitet. Da denke ich immer nur daran, dass ich meinen Job so gut wie möglich machen muss. Nur wenn wir aus diesem Trott mal rauskommen und, wie jetzt zum Beispiel, Leute treffen, die mit uns über die Sendung reden, merken wir überhaupt, was sich da draußen um "Lost" abspielt, dass wir das Ganze nicht nur für uns alleine machen, sondern dass es einen kommerziellen Hintergrund hat.

teleschau: Vielleicht vergisst man auf Hawaii leicht den Rest der Welt ... Wie ist es, dort zu leben?

Lilly: Ganz anders als in Kanada (lacht). Ich erinnere mich noch genau, als ich im Dezember immer mit meiner Mom telefonierte: "Hey Mom, ich war gerade Joggen am Strand, und jetzt geht's im Bikini zum Schwimmen in den Ozean." Als ich dann Weihnachten zwei Wochen bei meiner Familie verbrachte, wurde mir erst wieder bewusst, wie kalt es im Dezember doch anderswo ist.

teleschau: Gar kein Heimweh?

Lilly: Es ist komisch: Ich hasse die Kälte mit Leidenschaft - obwohl ich mein halbes Leben damit verbracht habe. Andererseits vermisse ich auf Hawaii meine Heimat, British Columbia, meine Familie - ja, und manchmal sogar die Kälte. Ich bin halt alleine und krieg' oft einen regelrechten Insel-Koller. Wir drehen ja auf einer winzigen Insel des Hawaii-Archipels. Da bin ich ein bisschen auf Matthew neidisch, der hier mit seiner Frau und den Kindern lebt und sich seine eigene kleine Welt aufgebaut hat, ein richtiges Heim. Er ist eben ein echter Familienmensch, und er hat eine großartige Familie. Mich zieht es immer wieder zu ihnen hin.

teleschau: So, wie es Kate zu Jack zieht. Was denken Sie über Kate? Sie scheint als Einzige auf dieser Insel kein großes Geheimnis zu verbergen.

Lilly: Zunächst einmal steckt in Kate das, was wohl in jedem Mädchen steckt: Sie fühlt sich von den bösen Jungs angezogen, und sie braucht das Gefühl, in den sicheren Armen des großen, guten Helden zu liegen. Für mich offenbart sie, was wir Frauen schon immer gewesen sind oder zumindest sein sollten: Sie ist stark, taff und behütet. Aber dann ist sie auch verletzlich, wirklich süß und besorgt. Kate ist eine sehr schöne Rolle. Deswegen liebe ich J.J. Abrams. Er hat diese unnachahmliche Fähigkeit, für Frauen zu schreiben und weibliche Rollen zu kreieren, die wirklich stark und realistisch sind.

teleschau: Welche Vorstellung hatten Sie ursprünglich von diesem Wesen, dieser Kreatur oder was auch immer es für ein Mysterium sein mag, das sich auf der Insel herumtreibt?

Lilly: Keine. Und ich weiß es auch jetzt immer noch nicht. Das kann noch 22, 23, 24 Folgen so gehen ... Oder noch viel länger. Ich habe keine Ahnung. Ich glaube aber, dass die Leute unsere Serie nicht wegen dieses Sci-Fi-Mysteriums schauen, sondern vor allem, weil sie die Charaktere immer näher kennen lernen und so immer tiefer in das Geschehen hineingezogen werden. Da gibt es noch so viel herauszufinden.

Frank Rauscher


Reif für die Insel: Evangeline Lilly hat als Kate in "Lost" ihre erste große Rolle.
Reif für die Insel: Evangeline Lilly hat als Kate in "Lost" ihre erste große Rolle. (Buena Vista International Television / Touchstone)

Schönes Multitalent: Evangeline Lilly.
Schönes Multitalent: Evangeline Lilly. (Buena Vista International Television / Touchstone)

Helden im Chaos: Matthew Fox (als Jack) und Evangeline Lilly (Kate) sind das Traumpaar der Insel.
Helden im Chaos: Matthew Fox (als Jack) und Evangeline Lilly (Kate) sind das Traumpaar der Insel. (Buena Vista International Television / Touchstone)

Datum: 12.06.2005

Diskussion: "Evangeline Lilly"

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