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Jane Fonda

Ein Chamäleon in Hollywood

Schauspielerin Jane Fonda

(tsch) Nichts als Quälerei seien ihre letzten zwei oder drei Filme Ende der 80er-Jahre gewesen, erinnerte sich Jane Fonda unlängst in einem Interview. Nie wieder wollte die Diva als Schauspielerin vor die Kamera treten, sie war unglücklich und lustlos in ihrem Beruf. Doch als sie das Angebot bekam, als Gift spritzende Schwiegermutter Jennifer Lopez zu tyrannisieren, brach sie das selbst auferlegte Gelübde. Zu verheißungsvoll sei es gewesen, neben einem der bekanntesten weiblichen Stars zu spielen und einen Blick auf die Filmwelt des neuen Jahrtausends zu erhaschen, war zu lesen. Ab 26. Mai also ist die 67-Jährige in "Das Schwiegermonster" zu sehen.

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Mit ihren eigenen drei Schwiegermüttern habe sie immer nur Glück gehabt, sagt Jane Fonda. Ihre Figur in "Das Schwiegermonster" sei an ihren "Lieblings-Exmann", den Medienmogul Ted Turner, angelehnt: Von ihm erzählt sie gelegentlich, sie sei jeden Tag überrascht gewesen über das, was er gesagt und getan habe. Turner war der letzte ihrer drei Ehemänner. Seit vier Jahren ist Jane Fonda auch von ihm geschieden und lebt allein in Atlanta, Georgia. Noch immer spüre sie allerdings "ihre Säfte wallen" und habe nichts dagegen, sich neu zu verlieben.

Energie hat Jane Fonda in jedem Bereich: Sie ist im Reinen mit sich und zufrieden mit ihrem Leben. Depressionen und Essstörungen gehören der Vergangenheit an, so erzählt das Idol der 70er- und 80er-Jahre freimütig, und sie scheut sich nicht, wieder in der Öffentlichkeit zu erscheinen. Vor rund 25 Jahren gehörte sie zu den beliebtesten weiblichen Idolen, man bewunderte ihre Schönheit, ihre Fitness und vor allem ihren Mut, für ihre Überzeugungen einzustehen.

Kaum ein Thema, für das die ehemalige Kommunistin nicht lauthals den Mund aufriss. Mal setzte sie sich für die Rechte der Indianer in den USA ein, dann wieder wetterte sie gegen den Vietnamkrieg, reiste sogar nach Hanoi, um amerikanische Truppen zum Einstellen des Feuers zu bewegen. Heute räumt sie ein, gelegentlich zu weit gegangen zu sein, und entschuldigt sich für das berühmte Foto, das sie mit Waffen der Vietcong zeigt. Mit ihrem Engagement, das sie nach Lust und Laune erst nach links, dann nach rechts verteilte, schuf sich die Tochter der Schauspiellegende Henry Fonda jedoch nicht nur Bewunderer: Erst kürzlich spuckte ihr ein Vietnamveteran Tabaksaft ins Gesicht, als sie ihre soeben erschienene Autobiografie "My Life So Far" in einer Buchhandlung signierte. Außerdem weigerten sich verschiedene Filmtheaterbetreiber in den USA, "Das Schwiegermonster" zu zeigen.

In ihrem Buch rechnet "Hanoi-Jane" nicht nur mit ihren Ex-Männern ab, die es zuvor jedoch lesen durften, sondern enthüllt so manches pikante Detail aus ihrem Privatleben. Auch ihr Vater, dem sie eine kalte und lieblose Erziehung vorwirft und den sie für den Selbstmord ihrer Mutter verantwortlich macht, wird nicht verschont. Zwölf Jahre alt war sie damals, jahrelang herrschte daraufhin Funkstille zwischen Vater und Tochter. Jane ging nach Frankreich, heiratete den Ex-Bardot-Ehemann Roger Vadim und spielte die Sex-Puppe "Barbarella" (1968), was ihr große Aufmerksamkeit einbrachte. Wenig später bekam sie ihren ersten Oscar für die Rolle als Prostituierte in "Klute" (1971), 1978 folgte ein zweiter für den Vietnam-Film "Coming Home".

Trotz des Erfolges im Beruf glich das Leben der New Yorker Amazone einer Achterbahnfahrt. Nach der Geburt von Tochter Vanessa und der Trennung von dem Regisseur ehelichte sie 1973 den linken Provinzpolitiker Tom Hayden, mit dem sie Sohn Troy, der heute ebenfalls Schauspieler ist und zuletzt "After the Sunset" (2004) drehte, bekam. Immerhin 17 Jahre hielt die Ehe, in der Jane Fonda wiederum neue Wege beschritt: Fitness war nun ihr Steckenpferd, und statt nach Mitte der 80-er weitere Kinohits zu liefern, zeigte sie amerikanischen Hausfrauen lieber Aerobic-Übungen via Videokassette. Die Gage dafür investierte sie in ein Paar Silikonbrüste, nicht ohne ihren weiblichen Anhängern zu versichern, wie wichtig es sei, den eigenen Körper zu akzeptieren.

Nach der Scheidung von Hayden stand Ehemann Nummer drei, CNN-Boss Ted Turner, schon bereit, und Jane Fonda wechselte politisch problemlos vom linken ins rechte Lager. Ihre letzten beiden Filme, "Old Gringo" (1989) und "Stanley & Iris" (1990), waren Flops, was sie nicht weiter störte. Spaß haben wollte sie, und rund 15 Jahre lang war es ruhig um die Diva - bis jetzt. Ob sie nach "Das Schwiegermonster" wieder fest in ihrem alten Beruf, der ihr zweifellos am besten liegt, Fuß fassen möchte, weiß sie noch nicht. Vielleicht kann der Erfolg, den die Komödie in den USA bereits hatte, sie demnächst wieder vor die Leinwand locken.

Martina Grote


Macht in "Das Schwiegermonster" ihrer zukünftigen Frau ihres Sohnes das Leben zur Hölle: Jane Fonda.
Macht in "Das Schwiegermonster" ihrer zukünftigen Frau ihres Sohnes das Leben zur Hölle: Jane Fonda. (Warner Bros.)

Mit "Das Schwiegermonster" wagt sich Jane Fonda zum ersten Mal seit 15 Jahren wieder auf die Kinoleinwand.
Mit "Das Schwiegermonster" wagt sich Jane Fonda zum ersten Mal seit 15 Jahren wieder auf die Kinoleinwand. (Warner Bros.)

In den 70er-Jahren protestierte Jane Fonda lautstark gegen den Vietnamkrieg und schuf sich damit nicht nur Freunde. Einige Filmtheater in den USA boykottieren ihren neuen Film.
In den 70er-Jahren protestierte Jane Fonda lautstark gegen den Vietnamkrieg und schuf sich damit nicht nur Freunde. Einige Filmtheater in den USA boykottieren ihren neuen Film. (teleschau / Archiv)

Datum: 10.06.2005

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